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Immer mehr Eltern wollen ihr Kind betreuen lassen

Für Kinderkrippen gibt es Wartelisten – Nachfrage nach Tagesmüttern ist groß
Immer mehr Eltern wollen ihr Kind betreuen lassen
Immer mehr Eltern wollen ihr Kind betreuen lassen

Von Andrea Wismath und Natalie Schick

Region Ehingen Der kleine Micha Rueß aus Ehingen lernt gerade, die Welt Schritt für Schritt ohne Mama zu entdecken. Der 16 Monate alte Sohn von Elke und Frank Rueß verbringt zurzeit jeden Tag zwei Stunden zur Eingewöhnung in der Kinderkrippe Hopfenhausstraße. Denn Elke Rueß, Mutter von vier Kindern, möchte wieder in ihrem Beruf als Ärztin arbeiten. Sie hatte das Glück, einen Krippenplatz für ihren Jüngsten zu ergattern. So viel Glück haben nicht alle Eltern. Es gibt eine Warteliste für die bisher einzige Kinderkrippe in Ehingen. Auch der Tagesmütterverein hat mehr Anfragen von Eltern, als er mit geeigneten Betreuerinnen decken kann. Ab August 2013 allerdings steht jedem Kind ab dem zweiten Lebensjahr ein Betreuungsplatz zu. Deshalb müssen alle Gemeinden im Alb-Donau-Kreis Krippenplätze aufstocken und mehr Tagesmütter finden.

Ehingen muss deshalb aufrüsten: Bis jetzt gibt es gerade mal 20 Betreuungsplätze für Kinder zwischen 0 und 3 Jahren in der Kindergrippe in der Hopfenhausstraße. Doch bis 2013 sollen es insgesamt 115 sein. Weil die nicht alle in die Hopfenhausstraße passen, werden die Plätze auch auf Tagesmütter und Kindergärten verteilt. Auffällig ist, dass die Kinder immer jünger werden. Bettina Gihr, Pressesprecherin der Stadt bestätigt: „Vor einigen Wochen sind erstmals Nachfragen nach Betreuungsplätzen für Kinder ab neun Wochen eingegangen.“ Schon jetzt ist ein kleines Baby mit neun Wochen in der Hopfenhausstraße. Von einem Trend will die Stadt aber noch nicht sprechen. Auch wenn sich die Anfragen häufen.

Auch bei Elke Rueß hat es eine ganze Weile so ausgesehen, als müsse ihren Wiedereinstieg ins Berufsleben verschieben, weil Micha keinen Betreuungsplatz bekommt. „Ganz kurzfristig hat sich im Dezember doch noch ein Krippenplatz für Micha ergeben“, erzählt Elke Rueß. „Für Sommer sah es schlecht aus.“ Da wollte die Ärztin eigentlich wieder arbeiten gehen. Sie hat sich überlegt, eine Tagesmutter zu engagieren. „Ich habe beim Tagesmütterverein in Ehingen angefragt, aber da hätte man erst jemanden suchen müssen.“

Mitarbeiterin Bettina Dreher und Vorsitzende Romy Wurm vom Tagesmütterverein bestätigen, dass es eine sehr große Nachfrage von Seiten der Eltern gibt. „Gerade im Raum Munderkingen haben wir immer Bedarf“, so Wurm. 158 Tagesmütter betreuen im gesamten Alb-Donau-Kreis 280 Kinder. Davon sind 198 jünger als drei Jahre. Das jüngste Kind, das an eine Tagesmutter vermittelt wurde, war erst acht Wochen alt. 2011 gab es 202 Anfragen von Eltern.

Dreher und Wurm erklären sich dieses steigende Interesse damit, dass immer mehr Mütter wieder in den Beruf einsteigen wollen. „Tagesmütter federn Zeiten ab, in denen Kindergärten geschlossen haben. Sie sorgen dafür, dass Eltern auch außerhalb der Öffnungszeiten eine Betreuung für ihr Kind haben“, so Dreher. Sie betont, dass Tagesmütter gegenüber Krippen die „individuellere Lösung“ seien.

Derzeit sind laut Vorsitzender Wurm, die zugleich Bürgermeisterin von Rechtenstein ist, 48 von 55 Städten und Gemeinden des Alb-Donau-Kreises Mitglied im Tagesmütterverein. „Manche kleinere Gemeinden glauben noch, sie bräuchten das nicht.“ Die würden sich allerdings umstellen müssen. Denn alle müssten sicherstellen, dass ab Sommer 2013 ausreichend viele Betreuungsplätze für Kleinkinder zur Verfügung stehen. Dabei werden viele Gemeinden, die sich keine Krippen leisten können oder wollen, auf Tagesmütter zurückgreifen. Es gibt außerdem Überlegungen seitens mancher Gemeinden, Räume zur Verfügung zu stellen, in denen Tagesmütter mehrere Kinder betreuen können.

Tagesmütter verdienen minimal 3,90 Euro pro Stunde und Kind, sagt Bettina Dreher. Wie Romy Wurm berichtet, zahlen viele Gemeinden rund einen Euro dazu. Einige Eltern stockten zudem die Bezahlung für die Tagesmütter freiwillig auf. Wenn die Tagesmütter über die gesetzlichen Freibeträge kommen, müssen sie ihren Lohn versteuern. Außerdem müssen sie sich selbst versichern, weil sie als Selbständige gelten. „Wenn alle Leute nur nach dem Geld gucken würden, dann hätten wir zum Beispiel auch keine Krankenschwestern und keine Pflegekräfte“, sind sich die beiden Frauen einig.

Noch ist der kleine Micha in der Eingewöhnungsphase. Wenn Elke Rueß ihren Sohn in die Krippe bringt, ist sie dabei. Sie sitzt dann auf einem Stuhl im Hintergrund und hält sich zurück. Schritt für Schritt wird sie sich immer weiter zurückziehen. „Es läuft gut“, sagt Elke Rueß. Bald wird sie wieder ganz normal arbeiten gehen können – mit einem guten Gewissen.

(Erschienen: 03.02.2012 21:35)

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