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„Fasnet muss am Ort verbunden sein“

VSAN-Kulturbeirat Jürgen Hohl referiert in der Ehinger Sparkasse über die Fasnet im Allgemeinen und Speziellen
„Fasnet muss am Ort verbunden sein“
„Fasnet muss am Ort verbunden sein“

Von Christian Klose

Ehingen „Ich spreche ein hohes Lob darüber aus, dass hier alles dafür getan wird, den traditionellen Charakter der Ehinger Fasnet zu erhalten“, sagte am Mittwochabend Jürgen Hohl bei der Vernissage der Ausstellung „Auf zur Ehinger Fasnet 2012“ im Foyer der Ehinger Sparkasse.

Der Kulturelle Beirat der Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) aus Weingarten referierte über die Fasnet und Fasnacht im Allgemeinen und Speziellen. Seinem langjährigen Weggefährten und Ehinger Zunftmeister Lothar Huber gab er wie den Zuhörern mit auf den Weg: „Fasnacht muss am Ort verbunden sein, Rituale wie Ausgrabung, Verbrennung oder Baumstellen muss erhalten bleiben.“

Neue Vereine, die weniger auf Tradition als auf Events und Narrentourismus setzen, sieht Jürgen Hohl mit Sorge. „So etwas darf man nicht durchgehen lassen, dies hat nichts mit den klassischen Narrenfiguren zu tun.“ Das Krachmachen allerdings war schon immer das A und O der Fasnet. „Fasnacht und Sexualität gehört genauso dazu“, sagte Hohl. Glockenschlag 12 Uhr an Dreikönig beginne eigentlich die Fasnet, nicht am 11.11., wie alle meinen. Man dürfe im Übrigen auch nicht glauben, dass die Fasnacht einst gemacht wurde, um die Winterdämonen zu vertreiben. „Sie war vielmehr ein Ventilfest vor der großen Fastenzeit. Drei Tage vor Aschermittwoch wurde alles noch vertilgt“, so Hohl, „für mich ist deshalb klar, dass wenn Leute essen und trinken, wird’s bald luschdig und dann kommen sich auch die Geschlechter näher“. Apropos Geschlechter: „Fasnetskinder waren das Schlimmste, was passieren konnte, das war von der Katholischen Kirche verboten.“ Noch heute ist die Fasnetsmaske des „Schnarragagges“ aus Kißlegg, eine blecherne Schandmaske für diese Frauen aus dem 16. Jahrhundert.

Narren waren in dieser Zeit nach Hohls Worten Gottesleugner. „Im Prinzip waren die Narren die Leute, die versteckt wurden, die sich nicht an die Gesetze der Katholischen Kirche gehalten hatten. Die Glocken und Rasseln, die noch heute an den Häsern sind, wurden damals ähnlich wie bei Leprakranken angebracht“, erklärte der VSAN-Beirat. „Narren waren Gottlose, waren alles, was nicht im Rahmen der Normalität liegt.“ Der Hofnarr an den Königshöfen hatte in der Tat Narrenfreiheit und war zur Belustigung da. Interessant aus Ehinger Sicht: Der Fuchsschwanz, den die Ehinger Dämonen auch heute noch tragen, sei ein Zeichen des Teufels gewesen. Auch Farben seien typisch für die Fasnacht. Dass die Ehinger Dämonen rot sind, sei kein Zufall: Rot bedeute „Vorstufe zur Hölle“. Hohl weiter: „Alle Todsünden hatten eine Figur. Den Esel für Dummheit, den Bären für Übermäßigkeit. All diese Figuren gibt es noch heute in der Fasnacht.“ Ebenso spielt noch immer die Hexe oder das alte Weib eine wichtige Rolle in der Fasnet, die Unterdrückung der Frau oder die Diskriminierung des alten Weibes oder der alten Jungfer ebenso. Ehinger Beispiel hierfür: die Gruppe der Krettenweiber.

„Fasnacht schweißt Menschen zusammen, Fasnacht ist sehr integrativ. Fasnacht ist die Zeit, in der die kleine Bankangestellte auch mal etwas Lustiges zu ihrem Bankdirektor sagen darf“, so Jürgen Hohl abschließend. Sparkassen-Filialdirektor Klaus Höpner, inzwischen im grünen Häs der Ehinger Büttel, wird’s vernommen haben.

(Erschienen: 09.02.2012 18:00)

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