Stadtnachrichten Biberach
Viehmarkt soll Erzbergerplatz heißen
Von unserem Redakteur Gerd Mägerle
„Wir haben aus der Diskussion um eine Erzbergerstraße im Frühjahr gelernt und zeigen uns kompromissfähig“, sagte Dr. Alfons Siegel, Sprecher der Erzberger-Initiative Biberach. Damals hatten er und seine Mitstreiter eine Umbenennung der Hindenburg- in Erzbergerstraße angeregt und dafür mehrere Hundert Unterschriften gesammelt (die SZ berichtete).
Daraufhin regten sich auch viele kritische Stimmen. Vor allem für die Geschäftsleute in der Hindenburgstraße bedeute dies Kosten, weil sie Briefpapier und andere Drucksachen mit der Firmenadresse ändern müssten, lautete ein Gegenargument. Ein weiteres und schwerwiegenderes ist, dass es im Biberacher Stadtteil Bachlangen bereits eine Erzbergerstraße gibt. Und zwei Straßen gleichen Namens sind in einer Stadt nicht zulässig.
Nun also der Kompromissvorschlag, den die Erzberger-Initiative diese Woche schriftlich an die Gemeinderäte und den Oberbürgermeister geschickt hat. Er beinhaltet im Kern drei Punkte: Rückbenennung der Hindenburgstraße in Kronenstraße; Benennung eines stadtzentralen Platzes ( zum Beispiel den Viehmarktplatz) in Erzbergerplatz und Belassung des Namens Matthias-Erzberger-Straße in Bachlangen. „Dieser Vorschlag greift wesentliche Argumente der öffentlichen Diskussion der vergangenen Monate auf“, sagt Siegel und hofft auf eine breite Unterstützung. Im November soll es zu diesem Thema einen Bürger-Gesprächsabend geben, der sich auch an die Anlieger der Hindenburgstraße richte.
Viehmarkt oder Alter Postplatz
Biberach habe die Verpflichtung, das Andenken Matthias Erzbergers, der hier begraben ist, hochzuhalten. „Dies muss im Zentrum der Stadt geschehen“, sagt Siegel. Wenn man einen Platz nach Erzberger benenne, gebe es auch keine Verwechslung mit der gleichnamigen Straße. „Der Viehmarktplatz wäre passend, weil dort die Stadtbücherei liegt. Erzberger war ja auch Buchautor. Außerdem liegt er nahe am früheren Kronensaal, wo Erzberger 1917 eine mutige Rede für den Frieden gehalten hat“, argumentiert Siegel. Er persönlich könne sich auch vorstellen, den Alten Postplatz in Erzbergerplatz umzubenennen: „Da liegt das Finanzamt in der Nähe, und Erzberger hat sich mit seiner Finanzreform bleibende Verdienste erworben.“ Es gehe der Initiative nicht um eine Überhöhung oder Idealisierung Erzbergers, sagt Siegel. „Wir haben aber festgestellt, dass es in der Bevölkerung viel zu wenig über ihn bekannt ist.“
Neben dem Werben für einen Erzbergerplatz will die Initiative nach wie vor erreichen, dass der Name Hindenburgstraße aus dem Stadtbild verschwindet. Durch seine „Dolchstoßlegende“ trage er eine Mitverantwortung an der Ermordung Erzbergers. „Wir glauben, dass Hindenburg in einer Demokratie nicht mehr gedenkwürdig ist“, sagt Siegel. Deswegen trete die Initiative nun dafür ein, die Hindenburgstraße wieder in Kronenstraße zurück zu benennen. „So hieß sie, bis sie 1933 von den Nazis im Rausch der Machtergreifung umbenannt wurde“, sagt Siegel. Er habe in den vergangenen Monaten in Gesprächen und Leserbriefen erfahren, dass sich viele Bürger damit anfreunden könnten.
Morgen Unterschriftensammlung
Für ihren Kompromissvorschlag will die Erzberger-Initiative am Samstag auf dem Wochenmarkt um Unterschriften werben. Außerdem nimmt sie Anmeldungen zur Exkursion ins Erzberger-Geburtsthaus in Buttenhausen am Samstag, 4. September, entgegen.
(Erschienen: 12.08.2010 17:20)
Von unserem Redakteur Gerd Mägerle
„Wir haben aus der Diskussion um eine Erzbergerstraße im Frühjahr gelernt und zeigen uns kompromissfähig“, sagte Dr. Alfons Siegel, Sprecher der Erzberger-Initiative Biberach. Damals hatten er und seine Mitstreiter eine Umbenennung der Hindenburg- in Erzbergerstraße angeregt und dafür mehrere Hundert Unterschriften gesammelt (die SZ berichtete).
Daraufhin regten sich auch viele kritische Stimmen. Vor allem für die Geschäftsleute in der Hindenburgstraße bedeute dies Kosten, weil sie Briefpapier und andere Drucksachen mit der Firmenadresse ändern müssten, lautete ein Gegenargument. Ein weiteres und schwerwiegenderes ist, dass es im Biberacher Stadtteil Bachlangen bereits eine Erzbergerstraße gibt. Und zwei Straßen gleichen Namens sind in einer Stadt nicht zulässig.
Nun also der Kompromissvorschlag, den die Erzberger-Initiative diese Woche schriftlich an die Gemeinderäte und den Oberbürgermeister geschickt hat. Er beinhaltet im Kern drei Punkte: Rückbenennung der Hindenburgstraße in Kronenstraße; Benennung eines stadtzentralen Platzes ( zum Beispiel den Viehmarktplatz) in Erzbergerplatz und Belassung des Namens Matthias-Erzberger-Straße in Bachlangen. „Dieser Vorschlag greift wesentliche Argumente der öffentlichen Diskussion der vergangenen Monate auf“, sagt Siegel und hofft auf eine breite Unterstützung. Im November soll es zu diesem Thema einen Bürger-Gesprächsabend geben, der sich auch an die Anlieger der Hindenburgstraße richte.
Viehmarkt oder Alter Postplatz
Biberach habe die Verpflichtung, das Andenken Matthias Erzbergers, der hier begraben ist, hochzuhalten. „Dies muss im Zentrum der Stadt geschehen“, sagt Siegel. Wenn man einen Platz nach Erzberger benenne, gebe es auch keine Verwechslung mit der gleichnamigen Straße. „Der Viehmarktplatz wäre passend, weil dort die Stadtbücherei liegt. Erzberger war ja auch Buchautor. Außerdem liegt er nahe am früheren Kronensaal, wo Erzberger 1917 eine mutige Rede für den Frieden gehalten hat“, argumentiert Siegel. Er persönlich könne sich auch vorstellen, den Alten Postplatz in Erzbergerplatz umzubenennen: „Da liegt das Finanzamt in der Nähe, und Erzberger hat sich mit seiner Finanzreform bleibende Verdienste erworben.“ Es gehe der Initiative nicht um eine Überhöhung oder Idealisierung Erzbergers, sagt Siegel. „Wir haben aber festgestellt, dass es in der Bevölkerung viel zu wenig über ihn bekannt ist.“
Neben dem Werben für einen Erzbergerplatz will die Initiative nach wie vor erreichen, dass der Name Hindenburgstraße aus dem Stadtbild verschwindet. Durch seine „Dolchstoßlegende“ trage er eine Mitverantwortung an der Ermordung Erzbergers. „Wir glauben, dass Hindenburg in einer Demokratie nicht mehr gedenkwürdig ist“, sagt Siegel. Deswegen trete die Initiative nun dafür ein, die Hindenburgstraße wieder in Kronenstraße zurück zu benennen. „So hieß sie, bis sie 1933 von den Nazis im Rausch der Machtergreifung umbenannt wurde“, sagt Siegel. Er habe in den vergangenen Monaten in Gesprächen und Leserbriefen erfahren, dass sich viele Bürger damit anfreunden könnten.
Morgen Unterschriftensammlung
Für ihren Kompromissvorschlag will die Erzberger-Initiative am Samstag auf dem Wochenmarkt um Unterschriften werben. Außerdem nimmt sie Anmeldungen zur Exkursion ins Erzberger-Geburtsthaus in Buttenhausen am Samstag, 4. September, entgegen.
(Erschienen: 12.08.2010 17:20)





































