Stadtnachrichten Biberach
Schwulsein ist auf dem Land immer noch ein Tabu
Erst als er 13 war, habe er realisiert, das seine Vorliebe für Jungs bedeutet, dass er homosexuell ist. Mit seiner besten Freundin konnte er darüber reden, doch es dauerte noch vier weitere Jahre, bis er sich traute, es auch seiner Mutter zu sagen. „Sie hat mich in den Arm genommen und mir gesagt, dass sie mich liebt“, erinnert sich Bruno, der heute 21 Jahre alt ist.
„Allgemein ist die Erfahrung beim Outing viel positiver als man erwartet“, sagt Thomas. Zusammen mit Bruno und Tom leitet der 33-Jährige die Gruppe SchwuB („Schwul um Biberach“), eine Anlaufstelle für schwule Jugendliche aus Biberach und Umgebung. SchwuB versteht sich weder als Partnerbörse noch als Selbsthilfegruppe. Einmal in der Woche treffen sich die Jugendlichen, um andere kennenzulernen, Freundschaften zu schließen und gemeinsam etwas zu unternehmen, erzählt Thomas. Die Jugendgruppe biete einen geschützten Raum, in dem jeder offen reden kann, ohne sich verstellen zu müssen. Keine Selbstverständlichkeit, wie Thomas, Tom und Bruno immer wieder feststellen.
„Vielleicht ist das in der Stadt nicht mehr so kritisch, weil es anonymer ist, aber gerade in den Dörfern ist es schwierig“, sagt Thomas. „Es gibt eine latente Angst, dass man aus der Gemeinschaft ausgestoßen wird und dass Witze über einen gemacht werden“. Beleidigungen und diskriminierende Sprüche gehören für sie immer noch zum Alltag.
„Es herrscht eine Doppelmoral“, findet Tom. Beim Christopher Street Day in Stuttgart, einer bekannten Schwulen- und Lesbenparade, habe der 30-Jährige einerseits erlebt, wie die Homosexuellen gefeiert werden, aber nur wenige Straßen davon entfernt, seien er und sein Partner offen angefeindet worden, weil sie Hand in Hand gingen. Auch vor seinem Chef will sich Tom nicht outen, weshalb er und die anderen Menschen in diesem Text nur mit Vornamen oder veränderten Namen genannt werden.
Dabei sei Biberach vor rund 15 Jahren noch so etwas wie die Schwulen- und Lesben-Hochburg Oberschwabens gewesen, erzählt Thomas. Als 1995 die schwul-lesbischen Kulturtage in Biberach stattfanden, gab es die volle Unterstützung von der Stadt. Damals war auch die Gruppe „Helb“ (Homosexuelle Emanzipation in Laupheim und Biberach) noch aktiv. Aus ihr ging vor acht Jahren die Jugendgruppe SchwuB hervor. In Baden-Württemberg sei SchwuB die einzige Jugendgruppe für Schwule in einer Kleinstadt von der Größenordnung Biberachs, sagt Thomas.
(Erschienen: 08.02.2011 07:00)
Erst als er 13 war, habe er realisiert, das seine Vorliebe für Jungs bedeutet, dass er homosexuell ist. Mit seiner besten Freundin konnte er darüber reden, doch es dauerte noch vier weitere Jahre, bis er sich traute, es auch seiner Mutter zu sagen. „Sie hat mich in den Arm genommen und mir gesagt, dass sie mich liebt“, erinnert sich Bruno, der heute 21 Jahre alt ist.
„Allgemein ist die Erfahrung beim Outing viel positiver als man erwartet“, sagt Thomas. Zusammen mit Bruno und Tom leitet der 33-Jährige die Gruppe SchwuB („Schwul um Biberach“), eine Anlaufstelle für schwule Jugendliche aus Biberach und Umgebung. SchwuB versteht sich weder als Partnerbörse noch als Selbsthilfegruppe. Einmal in der Woche treffen sich die Jugendlichen, um andere kennenzulernen, Freundschaften zu schließen und gemeinsam etwas zu unternehmen, erzählt Thomas. Die Jugendgruppe biete einen geschützten Raum, in dem jeder offen reden kann, ohne sich verstellen zu müssen. Keine Selbstverständlichkeit, wie Thomas, Tom und Bruno immer wieder feststellen.
„Vielleicht ist das in der Stadt nicht mehr so kritisch, weil es anonymer ist, aber gerade in den Dörfern ist es schwierig“, sagt Thomas. „Es gibt eine latente Angst, dass man aus der Gemeinschaft ausgestoßen wird und dass Witze über einen gemacht werden“. Beleidigungen und diskriminierende Sprüche gehören für sie immer noch zum Alltag.
„Es herrscht eine Doppelmoral“, findet Tom. Beim Christopher Street Day in Stuttgart, einer bekannten Schwulen- und Lesbenparade, habe der 30-Jährige einerseits erlebt, wie die Homosexuellen gefeiert werden, aber nur wenige Straßen davon entfernt, seien er und sein Partner offen angefeindet worden, weil sie Hand in Hand gingen. Auch vor seinem Chef will sich Tom nicht outen, weshalb er und die anderen Menschen in diesem Text nur mit Vornamen oder veränderten Namen genannt werden.
Dabei sei Biberach vor rund 15 Jahren noch so etwas wie die Schwulen- und Lesben-Hochburg Oberschwabens gewesen, erzählt Thomas. Als 1995 die schwul-lesbischen Kulturtage in Biberach stattfanden, gab es die volle Unterstützung von der Stadt. Damals war auch die Gruppe „Helb“ (Homosexuelle Emanzipation in Laupheim und Biberach) noch aktiv. Aus ihr ging vor acht Jahren die Jugendgruppe SchwuB hervor. In Baden-Württemberg sei SchwuB die einzige Jugendgruppe für Schwule in einer Kleinstadt von der Größenordnung Biberachs, sagt Thomas.
(Erschienen: 08.02.2011 07:00)

Themendossiers
Die Allgäu-Orient-Rallye ist ein Abenteuer für Autofans. Ohne Navi geht es querfeldein von Oberstaufen im Allgäu bis nach Baku, Aserbaidschan vom 28. April bis zum 15. Mai. Unter den 111 Teams ist auch das Team "Kilometermacher" mit Martina Schiller-Rall und Kilian Rall aus Biberach, Uwe Hartwig aus Baustetten, Rainer Kammerer aus Wain, Frank Vögtle aus Hohenfels und Holger Pfefferle aus Sigmaringen. Exklusiv für die SZ berichtet das Team während seiner Reise von seinen Erlebnissen.
mehrSchützenfest Biberach
































