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Stadtnachrichten Biberach

Plakat schockiert Pater und Stadt

Dieses Plakat, das zum Kirchenaustritt auffordert, empört viele Menschen in Biberach.
Dieses Plakat, das zum Kirchenaustritt auffordert, empört viele Menschen in Biberach.

Biberach - / sz Ein großes Plakat am Biberacher Bahnhof sorgt für Aufregung: Es wirbt für den Austritt aus der Kirche und nennt als Begründung vor allem die Missbrauchsskandale. Pater Alfred Tönnis will gegen das Plakat vorgehen und auch das Ordnungsamt prüft rechtliche Schritte. Hinter dem Plakat steht eine Initiative, die offenbar einer Sekte nahe steht.

Von Melanie Braith   und Katja Tölle

„Kirchenskandale ohne Ende: Jetzt reicht’s! Kirchenaustritt jetzt“ verkündet das Plakat am Biberacher Bahnhof. Darunter stehen in kleinerer Schrift verschiedene Anschuldigungen: Schwerverbrechen an Kindern, Schwelgen im Luxus und das Praktizieren heidnischer Kulte, werden genannt.

Pater Alfred Tönnis vom Kloster Schemmerhofen hat per SMS von einem Bekannten von dem Plakat erfahren. Er ist betroffen von dessen Inhalt. „Da sind Dinge aufgezählt, die faktisch einfach nicht stimmen. Das ist reine Hetze gegen die Kirche.“ Es sei nicht wahr, dass hinter den kirchlichen Sakramenten heidnische Kulte stecken. „Nehmen Sie doch mal die Beichte. Das ist doch kein heidnischer Kult“, meint Tönnis. Auch sei es nicht richtig, dass die Kirche Schwerverbrechen an Kindern duldet. „Und dass wir im Luxus schwelgen, ist genauso erfunden. Es kann gerne jeder bei uns im Kloster vorbeischauen und sich überzeugen.“

Hinter dem Plakat steckt laut Tönnis eine Organisation der viele angehören, die die Kirche hassen. „Menschen, die ausgetreten sind oder auch ehemalige Priester, die geheiratet haben“, erklärt Tönnis. Der Pater hat versucht, gegen das Plakat vorzugehen. Seine erste Idee: ein eigenes Statement setzen. Mit einem Plakat daneben, auf dem ein Mensch erklärt, dass er gerne in der Kirche ist. „Aber die danebenstehende Plakatwand ist leider noch bis Mitte April vermietet.“ Jetzt hat Tönnis einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Dieser soll überprüfen, ob eine einstweilige Verfügung gegen das Plakat möglich ist. „Das Problem ist, dass bei diesem Fall zwei Rechte aufeinandertreffen: das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf Schutz der Religion“, sagt Tönnis. „Es ist schwer zu sagen, welches Recht man höher gewichtet.“

Auch die Stadt ist mit dem Plakat nicht einverstanden. „Wir wollen eigentlich, dass es schnellstmöglich wegkommt“, sagt Robert Fesseler vom Biberacher Ordnungsamt. „Das ist aber nicht so einfach, weil das Plakat sich auf dem Privatgelände der Deutschen Bahn befindet.“ Trotzdem will man beim Ordnungsamt einen Weg finden. „Wir werden uns mit dieser Organisation in Verbindung setzen“, so Fesseler.

(Erschienen: 03.04.2010 01:05)

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