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Nur die Angst vor Fett macht fett

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Biberach / sz „Essen macht nicht gesund, nicht schlank, nicht schön. Essen macht satt“, sagt Udo Pollmer. Der bekannte und beleibte Lebensmittelchemiker wettert gegen Diäten, polarisiert – und unterhält. Beim SZ-Forum mit SZ-Mediendirektor Joachim Umbach und dem Biberacher Redaktionsleiter Gerd Mägerle in Biberach jedenfalls sorgte er für Ärger und für Lacher.

Von unserer Redakteurin Franziska Rötzsch

Joachim Umbach, Mediendirektor des Schwäbischen Verlags, hat zehn Kilogramm abgenommen. In seinen 90-Kilo-Anzug passt er jetzt – an diesem Donnerstagabend in Biberach trägt er ihn zum ersten Mal wieder. Seinen Gast beim SZ-Forum kann das jedoch nicht beeindrucken: Udo Pollmer, 55 Jahre alt, Lebensmittelchemiker, Leiter des Vereins „Europäisches Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften“ und bekannt durch Thesen wie „Wer gesund isst, stirbt früher.“

Mehr davon bekommen die rund 400 Besucher an diesem Abend beim ausgebuchten SZ-Forum zu hören. Zum Beispiel: „Wenn Sie schon wegen der Vitamine Salat essen – dann kann’s auch gleich ein Fleischsalat sein.“ Denn in einem Kopfsalat habe er noch nie Vitamin C gefunden, sagt der Lebensmittelchemiker und verrät dem Biberacher Publikum: „Das meiste Vitamin C steckt in Wurst.“ Für Lacher sorgt das, für Zustimmung, aber auch für verärgerte Gesichter.

Pollmer provoziert eben. Seine erste These: „Es gibt keine gesunde Ernährung. Es kann sie nicht geben – weil Menschen verschieden sind.“ Am Beispiel des berühmten Apfels, dessen täglicher Verzehr dem Apfelesser den Doktor vom Leib hält, erklärt er‘s dem Biberacher Publikum: Manch einer isst den Apfel ganz mit Kern und Schale, bei einem Bio-Bauern in der Schweiz sei das jedoch tödlich ausgegangen. Der Mann vertrug die Schale seiner eigenen Bio-Äpfel nicht. „Ein anderer verträgt den Apfel nur gekocht, kleine Kinder kriegen Durchfall“, erklärt Pollmer und fragt: „Ist der Apfel nun gesund?“

Das komme drauf an, antwortet er selbst und kommt zum nächsten zentralen Punkt in seinem Feldzug gegen Diätenwahn und Ernährungsberatung, die für ihn eh ein und dasselbe sind. Das Gewicht hängt, sagt Pollmer, nicht mit der Ernährung zusammen. Und die meiste Energie braucht der Körper zum Heizen – zum Konstanthalten seiner Temperatur auf 37 Grad also. Weniger Energie führe zu kälteren Gliedmaßen, nicht zu weniger Fett. Denn das brauche der Körper als Isolator.

Die regelmäßige Bewegung als grundsätzlich gesundheitsfördernde Maßnahme des Biberacher SZ-Lokalchefs Gerd Mägerle befürwortet Pollmer ebenso wenig wie die Schlankheitskuren des SZ-Mediendirektors Umbach. Jeder solle essen, was ihm bekommt, sagt der – beurteilt man ihn nach Kriterien der klassischen Ernährungsberater -- stark übergewichtige Lebensmittelchemiker. Denn, so die dritte These des Abends: „Gesund-Esser sind nicht gesünder. Es gibt keinen Nachweis des Nutzens gesunder Ernährung.“ Allein den Ernährungsberatern, Diätgurus und der entsprechenden Industrie nutze die angeblich gesunde Ernährung. Dick werde man, so Pollmers vierte These, allein durch Stress. Das Stresshormon Cortisol sorge dafür.

(Erschienen: 27.03.2010 11:40)

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