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Handwerk will um Gymnasiasten werben

Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer kritisiert Haltung mancher Gymnasien
Handwerk will um Gymnasiasten werben
Handwerk will um Gymnasiasten werben

Von Gerd Mägerle

Biberach Der Fachkräftemangel macht auch vor den Handwerksbetrieben im Kreis Biberach nicht halt. Deshalb will die Handwerkskammer (HK) Ulm künftig massiver um Gymnasiasten werben. Dies kündigte HK-Hauptgeschäftsführer Dr. Tobias Mehlich in einem Redaktionsgespräch mit der SZ Biberach an. Gleichzeitig übte er Kritik an den Gymnasien der Region. Er erlebe es immer wieder, dass die Handwerkskammer dort keine Möglichkeit bekomme, im Rahmen der vorgesehenen Berufsorientierung auch handwerkliche Berufe vorzustellen.

„Es geht nicht, dass sich die Gymnasien auf Dauer einer umfassenden Berufsorientierung entziehen“, sagt Mehlich. Die Jugendlichen würden zum Teil von einem umfassenden Blick auf die beruflichen Möglichkeiten „weggeblockt“, so Mehlich. Von den Gymnasien bekomme er dann als Begründung genannt: „Wir haben kein Interesse, wir haben den Auftrag, unsere Schüler fürs Studium vorzubereiten.“

Er halte es für falsch, den jungen Leuten glauben zu machen: „Du bist nur gut, wenn du möglichst lange auf eine Schule gehst.“ Die Handwerkskammer Ulm komme so nicht an die Gymnasiasten heran, „die wir fürs Handwerk gewinnen könnten“, sagt Mehlich. Ein Lob gibt es von ihm ausdrücklich für das Laupheimer Gymnasium, wo das Handwerk explizit in die Berufsorientierung einbezogen werde.

Während es in Städten wie Ulm zunehmend schwieriger werde, Jugendliche für einen handwerklichen Beruf zu begeistern, sei dies im ländlich geprägten Landkreis Biberach noch möglich. Es komme in Zukunft darauf an, die dezentrale Struktur bei den Berufsschulen zu erhalten, damit die Auszubildenden möglichst kurze Wege dorthin haben. Allerdings beobachte er auch hier den umgekehrten Trend: „Es gibt kaum eine Stadt, die größer als 20 000 Einwohner ist, in der nicht irgendwann der Wunsch nach einer Hochschule geäußert wird“, sagt Mehlich, „aber kaum einer sagt, dass er eine Berufsschule möchte.“

Auch ein Nachfolgeproblem

Für das Handwerk sei die Nachwuchsfrage doppelt wichtig: „Zum einen brauchen wir gute junge Leute, um das aktuell gute Auftragspolster abzuarbeiten.“ Zum anderen werde der Fachkräftemangel im Handwerk mittelfristig zu einem Problem in der Betriebsnachfolge führen. Wenn ich keinen jungen Flaschner in einen Betrieb reinbringe, dann gibt es den Betrieb morgen nicht mehr“, sagt Mehlich.

(Erschienen: 09.02.2012 19:35)

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