Stadtnachrichten Biberach
Eine Kunst-„Brache“ belebt die Diskussion
Eine Jury, in der auch Lehrer und zwei Schüler der Dollinger-Realschule vertreten waren, hatte im Rahmen eines Wettbewerbs „Kunst am Bau“ aus den Beiträgen mehrerer Künstler zunächst vier ausgesucht. In einer weiteren Runde wurden dann die beiden Arbeiten ausgewählt, die nun dem Bauausschuss präsentiert wurden. An dieser Auswahl seien, so Baubürgermeister Christian Kuhlmann, die Schüler nicht mehr beteiligt gewesen.
Eine Tatsache, die Friedrich Kolesch (CDU) in der Bauausschusssitzung bedauerte, sei dem Gemeinderat doch gerade die Schülerbeteiligung bei der Ausschreibung des Wettbewerbs wichtig gewesen. „Ich hoffe, dass die jetzige Entscheidung auch im Sinne der Schüler ist.“
„Wir sollten uns als Stadträte eigentlich zurückhalten und die Entscheidung der Jury akzeptieren“, meinte SPD-Rat Werner-Lutz Keil. Das sollte sich jedoch als frommer Wunsch erweisen. Während es zum Projekt von Barbara Hindahl hauptsächlich Fragen von CDU-Seite zur technischen Umsetzung der Kameraübertragung gab, erntete die „Brache e. V.“ von Albrecht Schäfer scharfe Kritik der Freien Wähler.
„Mache mich lächerlich“
Sie halte das Projekt „Brache“ für altmodisch, sagte FW-Fraktionsvorsitzende Marlene Goeth. „Das ist für uns keine Kunst am Bau, sondern ein Abenteuerspielplatz.“ Sie habe nichts dagegen, einen Teil des Schulareals für die Gestaltung durch Schüler freizugeben, „aber dann nicht gegen Künstlerhonorar“. Unterstützt wurde sie von ihrem Fraktionskollegen Peter Rieger: „Ich oute mich als Kunstbanause. Aber wenn ich dieser Brache zustimme, mache ich mich lächerlich vor den Leuten, die mich gewählt haben.“ Dieses Projekt könne die Stadtgärtnerei kostengünstiger umsetzen.
Einen Fürsprecher fand die Brache im Grünen Stadtrat Josef Weber. „Beim Begriff Brache fühle ich mich als Bauer angesprochen. Da schwingen für mich die Themen Auszeit und Erholung mit.“
Diese Kunstwerke sind geplant:
„dimensional“ von Barbara Hindahl: Hierbei soll in der mehrgeschossigen Halle der Schule eine anamorphotische Raumzeichnung, beispielsweise ein Quadrat, angebracht werden. Darunter versteht man ein Zerrbild, dass sich nur dann, wenn man es von einem bestimmten Punkt anschaut, optisch zu einem Bild zusammenschiebt.Von jedem anderen Standort sieht man nur Fragmente oder eine Zerrversion des gemeinten Bilds. Die Schüler sollen einerseits den Punkt entdecken, an dem das Bild als solches zu erkennen ist. Eine dort installierte Kamera überträgt das Bild dauerhaft auf einen Bildschirm, der im Foyer aufgestellt ist. Die Künstlerin kalkuliert mit Kosten von 60000 Euro.
„Brache e. V.“ von Albrecht Schäfer: Auf dem Schulhof wird ein etwa 200 Quadratmeter großes Rechteck freigelassen, das zunächst ungestaltet bleibt. Jährlich wird die Fläche kostenlos an eine andere Klasse oder Gruppe von Schülern „verpachtet“, die dann bestimmen dürfen, wie die Fläche ein Jahr lang gestaltet wird. Der Künstler begleitet die Schüler in den ersten drei Jahren jeweils zu Beginn des Prozesses, danach sollen dies Kunstlehrer übernehmen. Findet sich in einem Jahr keine Schülerinitiative, übernimmt die Natur die Gestaltung. Der Künstler kalkuliert mit Kosten von 16580 Euro. (gem)
(Erschienen: 25.02.2013 21:00)
Eine Jury, in der auch Lehrer und zwei Schüler der Dollinger-Realschule vertreten waren, hatte im Rahmen eines Wettbewerbs „Kunst am Bau“ aus den Beiträgen mehrerer Künstler zunächst vier ausgesucht. In einer weiteren Runde wurden dann die beiden Arbeiten ausgewählt, die nun dem Bauausschuss präsentiert wurden. An dieser Auswahl seien, so Baubürgermeister Christian Kuhlmann, die Schüler nicht mehr beteiligt gewesen.
Eine Tatsache, die Friedrich Kolesch (CDU) in der Bauausschusssitzung bedauerte, sei dem Gemeinderat doch gerade die Schülerbeteiligung bei der Ausschreibung des Wettbewerbs wichtig gewesen. „Ich hoffe, dass die jetzige Entscheidung auch im Sinne der Schüler ist.“
„Wir sollten uns als Stadträte eigentlich zurückhalten und die Entscheidung der Jury akzeptieren“, meinte SPD-Rat Werner-Lutz Keil. Das sollte sich jedoch als frommer Wunsch erweisen. Während es zum Projekt von Barbara Hindahl hauptsächlich Fragen von CDU-Seite zur technischen Umsetzung der Kameraübertragung gab, erntete die „Brache e. V.“ von Albrecht Schäfer scharfe Kritik der Freien Wähler.
„Mache mich lächerlich“
Sie halte das Projekt „Brache“ für altmodisch, sagte FW-Fraktionsvorsitzende Marlene Goeth. „Das ist für uns keine Kunst am Bau, sondern ein Abenteuerspielplatz.“ Sie habe nichts dagegen, einen Teil des Schulareals für die Gestaltung durch Schüler freizugeben, „aber dann nicht gegen Künstlerhonorar“. Unterstützt wurde sie von ihrem Fraktionskollegen Peter Rieger: „Ich oute mich als Kunstbanause. Aber wenn ich dieser Brache zustimme, mache ich mich lächerlich vor den Leuten, die mich gewählt haben.“ Dieses Projekt könne die Stadtgärtnerei kostengünstiger umsetzen.
Einen Fürsprecher fand die Brache im Grünen Stadtrat Josef Weber. „Beim Begriff Brache fühle ich mich als Bauer angesprochen. Da schwingen für mich die Themen Auszeit und Erholung mit.“
Diese Kunstwerke sind geplant:
„dimensional“ von Barbara Hindahl: Hierbei soll in der mehrgeschossigen Halle der Schule eine anamorphotische Raumzeichnung, beispielsweise ein Quadrat, angebracht werden. Darunter versteht man ein Zerrbild, dass sich nur dann, wenn man es von einem bestimmten Punkt anschaut, optisch zu einem Bild zusammenschiebt.Von jedem anderen Standort sieht man nur Fragmente oder eine Zerrversion des gemeinten Bilds. Die Schüler sollen einerseits den Punkt entdecken, an dem das Bild als solches zu erkennen ist. Eine dort installierte Kamera überträgt das Bild dauerhaft auf einen Bildschirm, der im Foyer aufgestellt ist. Die Künstlerin kalkuliert mit Kosten von 60000 Euro.
„Brache e. V.“ von Albrecht Schäfer: Auf dem Schulhof wird ein etwa 200 Quadratmeter großes Rechteck freigelassen, das zunächst ungestaltet bleibt. Jährlich wird die Fläche kostenlos an eine andere Klasse oder Gruppe von Schülern „verpachtet“, die dann bestimmen dürfen, wie die Fläche ein Jahr lang gestaltet wird. Der Künstler begleitet die Schüler in den ersten drei Jahren jeweils zu Beginn des Prozesses, danach sollen dies Kunstlehrer übernehmen. Findet sich in einem Jahr keine Schülerinitiative, übernimmt die Natur die Gestaltung. Der Künstler kalkuliert mit Kosten von 16580 Euro. (gem)
(Erschienen: 25.02.2013 21:00)

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