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Stadtnachrichten Biberach

Drei Gruppen teilen sich den Mantel

Regierungspräsidium gibt grünes Licht für die Jahrhunderte alte Stiftung Gemeinschaftliche Kirchenpflege
Beim Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (2. von links) teilten er, Dekan Hellger Koepff, Sigmund Schänzle und Oberbürgermeister Thomas Fettback (von links) eine rote Decke als Symbol für den Heiligen Martin, der seinen Mantel teilte. Dem Verein Bauhütte Simultaneum ist Kretschmann noch nicht beigetreten. Er sammelt Spenden für die Sanierung der Kirche.
Beim Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (2. von links) teilten er, Dekan Hellger Koepff, Sigmund Schänzle und Oberbürgermeister Thomas Fettback (von links) eine rote Decke als Symbol für den Heiligen Martin, der seinen Mantel teilte. Dem Ve (Foto: Kretzschmar)

Biberach / sz Die Biberacher Kirchen stecken in einer merkwürdigen Situation. Wird die Stadtpfarrkirche St. Martin renoviert, müssen die katholischen und evangelischen Gemeinden für die Kosten aufkommen. Die Entscheidung über eine Renovierung treffen sie aber nicht selbst, sondern ein Gremium, dem sie nur als Minderheiten angehören: der Gemeinderat in Stiftungssachen. Alle 29 Mitglieder des Gemeinderats dürfen abstimmen, aber nur fünf Vertreter der Kirchen. Nun sollen sich die Kräfteverhältnisse ändern. Ein Sprecher des Regierungspräsidiums (RP) Tübingen bestätigte gestern, dass die „Stiftung Gemeinschaftliche Kirchenpflege Biberach“ nach wie vor existiert.

Neue Satzung erarbeitet

Die Stiftung ist uralt. Sie ist aber nicht mehr im Stiftungsregister eingetragen und bisher nicht rechtsfähig. Nun haben die Stadt und Vertreter der Kirchen eine Satzung erarbeitet. OB Thomas Fettback und der evangelische Dekan Hellger Koepff stellten sie vor knapp zwei Wochen dem Regierungspräsidenten Hermann Strampfer vor: In der Stiftung sollen ein Rat und ein Vorstand über die Belange der Kirche entscheiden.

Zuständig für das tägliche Geschäft wäre ein Stiftungsvorstand. Ihm sollen nach dem bisherigen Konzept der Biberacher OB und je ein Vertreter der katholischen und der evangelischen Gesamtkirchengemeinde angehören. Kontrolliert würde der Vorstand durch den Stiftungsrat, der zugleich Grundsatzentscheidungen treffen würde. Ihm sollen je drei Vertreter der Kirchen und drei der Gemeinde angehören. Beide Kirchen hätten damit in beiden Gremien eine Zweidrittel-Mehrheit.

Eine solche Stiftung sei im Landesrecht nicht vorgesehen, sagt Fettback: Eigentlich gebe es Stiftungen, an denen Gemeinden beteiligt sind, nur „wenn die Gemeinde darin das Sagen hat“. Das RP erkenne mit der Stiftung die Biberacher Besonderheiten an. Schließlich teilen sich Stadt und beide Konfessionen hier schon seit Jahrhunderten die Verantwortung für ihre Kirche. Die Anerkennung des RP sei ein Durchbruch: „Wir wollen gemeinsam diese Kirche für die Zukunft erhalten“, sagt Koepff.

Als nächstes überarbeiten die kirchlichen Gremien und die Stadt den Entwurf für die Satzung. Bisher sieht dieser vor, dass die Mitglieder aus dem Vorstand zugleich dem Rat der Stiftung angehören. Der Rat würde aber den Vorstand kontrollieren – einige Personen würden ihre eigene Arbeit überprüfen. Das RP habe gesagt, es könne die Stiftung mit einem solchen Konzept genehmigen. Aber habe es angeregt, diesen Punkt zu überdenken. „Wir wollen ja eine Stiftung für die nächsten Jahrhunderte auf den Weg bringen“, sagt Fettback. Er rechnet damit, dass die Satzung bis zum Sommer steht.

Welche Heizung St. Martin demnächst wärmen soll, ist noch unklar. Noch immer ringen dieGremien der Kirchen darüber, welche Art Heizung zu welchem Preis sie bevorzugen. Dekan Hellger Koepff will noch nicht einmal eine Vorhersage dazu wagen, wie lange es dauert, bis eine Entscheidung gefallen ist. Derzeit fehlt den Kirchen für eine Sanierung ohnehin noch das Geld – selbst die laufenden Kosten muss beispielsweise die evangelische Gemeinde aus ihren Rücklagen bezahlen. Müsste sie die mehrere Millionen teure Sanierung auch noch mittragen, wären die Rücklagen bald aufgebraucht.

Die neue Stiftung soll Spenden sammeln können, aus denen der Erhalt der Kirche finanziert wird. Bereits 30 000 Euro Spenden hat der Verein Bauhütte Simultaneum gesammelt. Das sei zwar schön, sagt der stellvertretende Vorsitzende Hans Beck, reiche aber bei weitem nicht. „Wir suchen noch neue Mitglieder“, sagt Beck. 35 hat der Verein derzeit. Er habe auch Ministerpräsident Kretschmann einen Antrag auf Mitgliedschaft mitgegeben. „Aber da ist noch nichts zurückgekommen.“

(Erschienen: 01.02.2012 19:55)

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