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Boehringer-Medikament steht unter Druck

"Haben Sie wegen Pradaxa innere Blutungen erlitten", heißt es zum Beispiel auf der Website www.pradaxalaw.com (englisch für: Pradaxa-Gesetz) einer Anwaltskanzlei aus Illinois, die wohl versuchen wird, eine Sammelklage gegen Boehringer anzustrengen.
"Haben Sie wegen Pradaxa innere Blutungen erlitten", heißt es zum Beispiel auf der Website www.pradaxalaw.com (englisch für: Pradaxa-Gesetz) einer Anwaltskanzlei aus Illinois, die wohl versuchen wird, eine Sammelklage gegen Boehringer anzustrengen. (Foto: Pradaxalaw)

Biberach / ck Die Anwälte in den USA wetzen schon mal ihre Messer. Auf Internet-Seiten wie www.pradaxalaw.com suchen sie Menschen, die nach der Einnahme des Boehringer Ingelheim-Medikaments innere Blutungen erlitten haben. Sie haben vor, eine Sammelklage einzureichen und werden versuchen, Millionen Dollar Schadensersatz zu erstreiten. Bis dahin wird es wohl noch dauern. Doch auch in den amerikanischen Medien reißt die Diskussion über das Medikament im Moment nicht ab.

Erst im Januar hatten US-amerikanische Medien, darunter das renommierte Wall Street Journal, über ein weiteres vermeintliches Risiko des Medikaments berichtet: Eine Studie zweier Wissenschaftler aus Cleveland habe gezeigt, dass Pradaxa das Herzinfarkt-Risiko erhöhe. Daraufhin veröffentlichte Biberachs größter Arbeitgeber Boehringer Ingelheim eine Analyse mehrerer Studien mit mehr als 40000 Patienten: Pradaxa verursache keine Herzinfarkte, lautet die Schlussfolgerung. „Eine Sicht auf alle Studien zeigt, dass das nicht der Fall ist“, sagt Andreas Barner, Sprecher der Unternehmensleitung. „Es gibt in den USA aktuell keine Diskussion mehr“, meint er.

Pradaxa soll Schlaganfällen vorbeugen. Es löst vor Jahrzehnten entwickelte Medikamente ab, die lange Zeit als Therapie für Patienten mit Vorhofflimmern galten und selbst Risiken bergen. Boehringer-Forscher in Biberach haben Pradaxa mit dem Wirkstoff Dabigatran entwickelt. Danach wurde das Medikament tausendfach getestet.

Dennoch suchen die Anwälte in den USA wegen des Blutungsrisikos von Pradaxa nach Patienten, die darunter gelitten haben könnten. „Wenn wir herausfinden, dass der Hersteller von Pradaxa, Boehringer Ingelheim, nicht ordnungsgemäß die Sicherheit und Effizienz von Pradaxa untersucht hat, und Sie unter den Versäumnissen der Firma gelitten haben, könnte Ihnen ein Schadensersatz in signifikanter Höhe zustehen“, heißt es auf der Website Pradaxalaw der Anwälte von Cates Law, einer Kanzlei im Staat Illinois. In den USA gibt es zahlreiche Kanzleien, die sich auf Schadensersatz-Klagen spezialisiert haben. Über Monate suchen sie nach vermeintlich Betroffenen, welche zunächst kein Honorar zahlen. Als Honorar erhalten viele der Kanzleien Teile des möglicherweise erstrittenen Schadensersatzes.

Boehringer mache sich auch darum keine Gedanken, sagt Barner. Die Risiken zur Blutung seien gut erforscht und bei der Zulassung bekannt gewesen. „Die Risiken sind deutlich kleiner als bei der klassischen Therapie“, erklärt der Sprecher der Unternehmensleitung. Tatsächlich war bei der Zulassung bekannt, dass ein Risiko zur Blutung besteht. Dieses sei aber kleiner als bei vergleichbaren Therapien, schreibt auch die Europäische Arzneimittelagentur (die SZ berichtete).

Doch auch ohne rechtliche Schwierigkeiten steht Pradaxa unter Druck. Wettbewerber wie der Konzern Bayer haben inzwischen vergleichbare Medikamente auf den Markt gebracht. Seit Dezember ist Xarelto in Europa zur Vorbeugung von Schlaganfällen zugelassen. Dies macht es schwieriger, mit Pradaxa den erhofften Umsatz zu erwirtschaften – einen Umsatz von wenigstens einer Milliarde Euro verspreche sich Boehriner von dem Medikament, hatte Barner vor der Zulassung Fachmedien gesagt. Insgesamt erwirtschaftete Boehringer Ingelheim im Jahr 2010 12,6 Milliarden Euro. Die Zahlen für 2011 hat das Unternehmen noch nicht veröffentlicht.

(Erschienen: 19.02.2012 19:10)

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