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Bio: Besucher interessieren sich vor allem fürs Essen

Viele Menschen kommen zum Ökodorfauf dem Biberacher Marktplatz
Roland Sauter, Eugen Neuner und Albert Braig (von links) vom Kreissportfischereiverein räuchern im Ökodorf ihre Fische.
Roland Sauter, Eugen Neuner und Albert Braig (von links) vom Kreissportfischereiverein räuchern im Ökodorf ihre Fische. (Foto: Kretzschmar)

Von Constanze Kretzschmar

Biberach Die Menschen, die zum Stand von Bruno Diebold beim Ökodorf auf dem Marktplatz kommen, interessieren sich am meisten für die Äpfel. Diebold ist Mitglied der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP), mit Jakob-Fischer-Äpfeln aus dem Garten seines Bruders beschwert er die Prospekte seiner Partei. Darin steht zum Beispiel, welche Unterschiede zwischen ÖDP und den Grünen bestehen, ob Handystrahlung schadet, wieso die Partei für gentechnikfreie Landwirtschaft ist. „Fünf Menschen haben einen Prospekt mitgenommen“, sagt Diebold gegen Mittag. Diskutiert habe noch keiner mit ihm. „Vielleicht lesen die Menschen die Prospekte dann zu Hause.“

Beim Ökodorf hat sich am Freitag die grüne und ökologisch denkende Szene der Gegend getroffen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat es organisiert und stellt sich in einem zentralen Stand in der Mitte des Marktplatzes vor. Auch Ökobauern aus der Region sind da, der Weltladen, drei Windkraftanbieter. Es gibt Öko-Eis, -Käse und -Kartoffeln, fair hergestellte Körbe, Bürsten und Dekoartikel. Zu dem Markt mit seinen 42 Ständen sind viele Besucher gekommen. Dort, wo man Essen kaufen kann, ist der Andrang am größten – und bei den Schweinen.

Die Ferkel büchsen aus

Schwäbisch-Hällische Landschweine sind im Gehege hinter dem BUND-Stand. Die Muttersau Berta liegt da, um sie herum springen Ferkel. An den Zaun drängen sich Kinder, schauen die Schweine an. Die Schweine schauen zurück. Ab und an schlüpft eins der lebhaften, schmalen Tiere durch den Zaun. Die Kinder weichen zurück. Dann läuft Valentin Mader los. Er ist eigentlich BUND-Mitglied, mimt aber beim Ökodorf den Schweinehirten. Er fängt die Schweinchen ein und setzt sie zurück ins Gehege. „Viele staunen, wie groß die Sau ist“, erzählt Mader. „Und einige Leute fragen auch gleich, ob man das Fleisch kaufen kann.“

Man kann. 3,50 Euro kostet ein Kilogramm am Stand von Josef Weber. Der Biobauer aus Mettenberg hat die Tiere mitgebracht. „Bei uns bleiben die Ferkel neun bis zehn Wochen bei der Mutter“, sagt er. Das ist fast drei Mal so lange wie in der konventionellen Landwirtschaft. Außerdem haben die Tiere Auslauf, bekommen anderes Futter. Das Fleisch ist etwa doppelt so teuer wie das aus der konventionellen Landwirtschaft. Deren geringe Preise hält Weber für unwürdig. „Wir kurbeln damit unseren enormen Fleischkonsum an, das ist unverantwortlich.“ Viele Kunden lassen sich an seinem Stand erklären, wieso er mehr für ein Kilo nimmt, was anders ist an der Biolandwirtschaft. Allerdings sind die meisten Kunden gut informiert und schon vor dem Besuch auf dem Markt begeistert von ökologischer Landwirtschaft.

Etwas später steht auch am Stand von Bruno Diebold jemand. Das ÖDP-Mitglied kann zwar nicht den gleichen Andrang verzeichnen wie die Landwirte. Doch er wirkt trotz der geringeren Besucherzahl zufrieden. Genau wie bei Wahlen: Die Partei bekommt nur wenig Stimmen, zwei Prozent, wenn es gut läuft. Noch nie ist sie in ein Parlament eingezogen, viele Wähler halten die Stimme so für verschenkt. „Das ist sie aber nicht“, meint Diebold. „Schließlich weist das Ergebnis auf einen Trend hin.“

(Erschienen: 16.09.2011 20:20)

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