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Rund um Biberach

In der Vitrine lebtder Alltag von früher auf

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In der Vitrine lebtder Alltag von früher auf

Mittelbiberach / hel Im Jahr 2010 hat das Kinderhaus Mittelbiberach 2000 Euro über die Adventskalenderaktion der Kreissparkasse erhalten. Davon haben die Verantwortlichen eine Weltwissen-Vitrine im Kinderhaus aufgebaut. Jetzt, ein Jahr später, läuft die Idee, die ein bisschen was von einer Zeitreise in Gedanken hat, sehr gut.

In jener Vitrine befinden sich Gegenstände des damaligen Alltags. Durch die Glasscheiben zu sehen sind unter anderem eine Nudelmaschine, ein Waschbrett, eine Kaffeemühle und ein Schuhlöffel. Der fünfjährige Till weiß Bescheid: „Das ist eine Kamera“, sagt er und hält einen antik anmutenden Kodak-Fotoapparat in einem Lederetui hoch. „Und das ist ein Eierschneider“, stellt er fachmännisch fest, als Luna (4) das Exemplar mit den Drähten aus dem Schrank nimmt. Luna hat sich schon einmal den Schuhlöffel ausgeliehen, um ihn zusammen mit ihren Eltern zu Hause kennen zu lernen, berichtet Erzieherin Sandra Heinzelmann. Und das sei auch genau der Sinn der Weltwissen-Vitrine: Kinder und Eltern suchen sich einige Male im Jahr einen Gegenstand aus, nehmen ihn ein paar Tage mit und untersuchen ihn gemeinsam. Die Kommunikation zwischen Eltern und Kind wird so angeregt. „Außerdem lernen die Kinder Alltagsgegenstände kennen, mit denen ihre Eltern oder Großeltern gearbeitet haben, aber die heute gar nicht mehr bekannt sind.“ Der Renner sei das Telefon mit Wählscheibe. Gerade ist es mal wieder ausgeliehen von einer Familie.

Was in der Vitrine gesammelt wird, sind keine besonderen Dinge. Wenn auch manche davon durchaus wertvoll seien, wie die Kaffeemühle aus Porzellan, wie Kinderhausleiterin Sabine Merk erklärt. Manche Dinge seien auch ein bisschen unpraktisch, weil unheimlich schwer, wie das gusseiserne Bügeleisen. Sie freut sich jedoch, dass sich die Eltern rege beteiligen an dem Projekt. Kürzlich stellten die Erzieherinnen den Eltern die Vitrine beim Elternabend vor. „Seitdem werden es immer mehr Gegenstände, die von zu Hause mitgebracht und uns zur Verfügung gestellt werden“, so Merk.

Die Weltwissen-Vitrine ist ein Projekt, das es in vielen Bildungshäusern Baden-Württembergs gibt. Daher kamen die Mittelbiberacher auf die Idee und bewarben sich damit bei der Adventskalenderaktion. Dass die Alltagsgegenstände in einer Vitrine liegen, hat auch seinen Zweck, sagt Sandra Heinzelmann: „Hinter dem Glas werden die Dinge sozusagen zelebriert und erregen Aufmerksamkeit. Wenn sie zu Hause in der Küche stehen, laufen die Kinder einfach daran vorbei.“ Sie bezeichnet die Vitrine auch als „Bibliothek der Dinge“, die den Wortschatz der Kinder erweitern und sie auf einer Entdeckungsreise mitnehmen soll.

(Erschienen: 28.12.2011 21:55)

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