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Hera Lind tankt Selbstbewusstsein in Reichenbach

Beim Signieren war auch Zeit für einen Plausch mit der Bestseller-Autorin Hera Lind.
Beim Signieren war auch Zeit für einen Plausch mit der Bestseller-Autorin Hera Lind.

Reichenbach / sz Die Autorin Hera Lind hat am Mittwoch rund 90 Besucher in der ausverkauften Ailinger Mühle in Reichenbach unterhalten. Zu hören gab’s einen humorigen Vortrag der 52-Jährigen über Leben und Werk -- wobei letzteres stark autobiografische Züge trägt.

Von unserer Redakteurin  Heike Neubrand

Sie müsse gestehen, sagte Lind eingangs, dass die beiden andernorts geplanten Lesungen an den Vortagen abgesagt worden seien, zu wenig verkaufte Karten habe es gegeben. „Jetzt hebt sich mein Selbstbewusstsein ein bisschen“, sagte die Wahl-Salzburgerin mit einem strahlenden Blick auf die rund 90 Besucher und nahm auf einem Tisch Platz. Bereits mit der persönlichen Begrüßung der männlichen Minderheit in den Zuschauerreihen als „die Mitgebrachten“, hatte Lind die Lacher auf ihrer Seite.

Was folgte, war keine Lesung, sondern ein druckreif gesprochener Vortrag mit Anekdoten aus dem Leben der vierfachen Mutter, teils in Form von auswendig vorgetragenen Romanpassagen, sowie kurzen Gesangseinlagen der ausgebildeten Altistin, die 16 Jahre hauptberuflich im Kölner Rundfunkchor gesungen hat.

Mit der Gesangspause in der ersten Schwangerschaft 1988, erfuhr das Publikum, wurde aus der Sängerin Herlind Wartenberg die Autorin Hera Lind. In vier Wochen habe sie die 400 Seiten ihres ersten Romans, „Ein Mann für jede Tonart“, getippt und auf der Frankfurter Buchmesse einer Frau mit den Worten „Ich hab hier was geschrieben und das ist besser als Eva Heller“ in die Hand gedrückt. Später habe sich herausgestellt: Es sei die Erfolgsautorin Heller gewesen, der sie ihren ihren Erstling überreicht hatte: „Mein Leben ist gespickt mit Fettnäpfchen.“

Fürst Albert ist im Publikum

Großes Gelächter gab’s, als die Autorin in der ersten Zuschauerreihe „königliche Herrschaften“ ausmachte und Petra und Steffen Lörcher aus Bad Buchau als Doppelgänger von Fürst Albert und Stefanie von Monaco aufstehen ließ. Lind ließ es sich auch nicht nehmen, hin und wieder die Lacher der „Mitgebrachten“ zu kommentieren.

Dass sie in ihren Unterhaltungs-Romanen aus dem Leben schöpft, wurde deutlich, als die gebürtige Bielefelderin ihre schwäbische Buchhändlerin im passenden Dialekt gab, die Turnschuhe-oder-Schläppchen-Diskussion des ersten Elternabends nacherzählte oder ihre bodenständige Kinderfrau aus dem Ruhrpott imitierte.

Mit der Eichinger-Verfilmung des „Superweibs“ erinnerte sich die 52-Jährige an eine „Zeit, in der mir alles gelang“. Doch auch Ernstes kam zur Sprache, wie die Negativ-Schlagzeilen bei ihrer Trennung im Jahr 2000 und beim finanziellen Debakel. Sie habe, sagte Lind, in vollem Vertrauen Papiere unterschrieben und sei enttäuscht worden. „Vor der siebenstelligen Summe meines Vermögens stand plötzlich ein Minus, aber ich habe versucht, auch das mit Humor zu nehmen.“ Humor zeigte sie auch angesichts dessen, dass der große Erfolg kommt und geht: „Bis zu meiner Trennung sind alle meine Bücher verfilmt worden. Danach keines mehr. Das ist ein Zufall, klar.

(Erschienen: 29.04.2010 19:25)

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