Stadtnachrichten Bad Schussenried
Ausstellung verleiht Opfern ein Gesicht

An ihr Schicksal erinnert nun die Ausstellung „1941 nach Riga ,umgesiedelt‘“, die Charlotte Mayenberger und ihre Tochter Minja zusammengestellt haben und die derzeit im Foyer des Bad Buchauer Rathauses zu sehen ist. Seit Jahren beschäftigt sich die Gründerin des Gesprächskreises „Juden in Buchau“ mit den Mitgliedern der einst so großen jüdischen Gemeinde, Stück für Stück trägt sie ihre Lebensgeschichten zusammen.
Schicksale hinter den Zahlen
„Die Aktenlage ist das eine“, sagt Charlotte Mayenberger. Die menschlichen Schicksale, die sich hinter den Deportationslisten verbergen, aber eröffnen einen anderen, intensiveren Zugang zur Vergangenheit. Die Kurzbiografien der Deportierten, von denen nur vier aus Riga zurückkehrten, nehmen deshalb einen beträchtlichen Teil der kleinen, aber feinen Ausstellung ein. Die Namen der Buchauer Juden finden sich auch auf den 32 Gedenk-Steinen wieder, die Künstler Lothar Bechtle gestaltet hat. In einer Vitrine stellt Mayenberger zudem einige Habseligkeiten aus: Rechnungen der Geschäftsleute Alfred Berliner und Karl Weil, Fotografien, einige Wäschestücke.
Relikte eines Menschenlebens
Viel ist nicht übriggeblieben von den 32 Deportierten. „Weil die Familien ausgelöscht worden sind“, erklärt Minja Mayenberger, die sich auch in ihrem Geschichtsstudium mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt hat. Wie Betty Damhauser wussten die meisten „umgesiedelten“ Juden nicht, was sie im Ghetto in Riga wirklich erwartete. Von der Schneiderin, deren Geschichte Charlotte Mayenberger besonders nahegeht, ist noch nicht einmal ein Foto überliefert. „Trotzdem macht man sich ja irgendwie ein Bild“, gesteht die 55-Jährige lächelnd ein, die von den Buchauer Juden wie von alten Bekannten erzählen kann.
Neben den Originaldokumenten, in denen sich die schauerliche Akribie der Nationalsozialisten zeigt, stützen sich die Mayenbergers bei ihrer Arbeit auf Zeitzeugen. Auf den früheren Spielkameraden von Käthe Beer etwa, der seine Nachbarin als „ganz ruhiges Kind“ beschreibt. Das Mädchen habe schon früh die Ausgrenzung durch die Nationalsozialisten erfahren, wegen der Rassegesetze wurde ihr die Lehre verweigert, berichtet Mayenberger. Mit 23 Jahren wurde Käthe Beer gemeinsam mit ihrer Mutter deportiert und im Frühjahr bei einem Massenerschießungskommando in einem Birkenwald bei Riga ermordet.
Die Zeitzeugenberichte zeigen aber auch, wie selbstverständlich die Juden einst zur Buchauer Gemeinschaft gehörten. Sie waren Nachbar und Freund, Vereinskollege oder Mitstreiter beim Bau des Federseestegs. Wie konnte sich die Situation innerhalb weniger Jahre so gravierend verändern? Charlotte Mayenberger weiß darauf keine Antwort.
Ohnehin sei ihr bei ihrer Arbeit mehr an den Opfern, nicht so sehr an den Tätern gelegen, erklärt die Buchauerin: „Es geht hier um Erinnerung – und darum, all diesen Menschen ein Gesicht zu geben.“
(Erschienen: 01.12.2011 13:10)

An ihr Schicksal erinnert nun die Ausstellung „1941 nach Riga ,umgesiedelt‘“, die Charlotte Mayenberger und ihre Tochter Minja zusammengestellt haben und die derzeit im Foyer des Bad Buchauer Rathauses zu sehen ist. Seit Jahren beschäftigt sich die Gründerin des Gesprächskreises „Juden in Buchau“ mit den Mitgliedern der einst so großen jüdischen Gemeinde, Stück für Stück trägt sie ihre Lebensgeschichten zusammen.
Schicksale hinter den Zahlen
„Die Aktenlage ist das eine“, sagt Charlotte Mayenberger. Die menschlichen Schicksale, die sich hinter den Deportationslisten verbergen, aber eröffnen einen anderen, intensiveren Zugang zur Vergangenheit. Die Kurzbiografien der Deportierten, von denen nur vier aus Riga zurückkehrten, nehmen deshalb einen beträchtlichen Teil der kleinen, aber feinen Ausstellung ein. Die Namen der Buchauer Juden finden sich auch auf den 32 Gedenk-Steinen wieder, die Künstler Lothar Bechtle gestaltet hat. In einer Vitrine stellt Mayenberger zudem einige Habseligkeiten aus: Rechnungen der Geschäftsleute Alfred Berliner und Karl Weil, Fotografien, einige Wäschestücke.
Relikte eines Menschenlebens
Viel ist nicht übriggeblieben von den 32 Deportierten. „Weil die Familien ausgelöscht worden sind“, erklärt Minja Mayenberger, die sich auch in ihrem Geschichtsstudium mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt hat. Wie Betty Damhauser wussten die meisten „umgesiedelten“ Juden nicht, was sie im Ghetto in Riga wirklich erwartete. Von der Schneiderin, deren Geschichte Charlotte Mayenberger besonders nahegeht, ist noch nicht einmal ein Foto überliefert. „Trotzdem macht man sich ja irgendwie ein Bild“, gesteht die 55-Jährige lächelnd ein, die von den Buchauer Juden wie von alten Bekannten erzählen kann.
Neben den Originaldokumenten, in denen sich die schauerliche Akribie der Nationalsozialisten zeigt, stützen sich die Mayenbergers bei ihrer Arbeit auf Zeitzeugen. Auf den früheren Spielkameraden von Käthe Beer etwa, der seine Nachbarin als „ganz ruhiges Kind“ beschreibt. Das Mädchen habe schon früh die Ausgrenzung durch die Nationalsozialisten erfahren, wegen der Rassegesetze wurde ihr die Lehre verweigert, berichtet Mayenberger. Mit 23 Jahren wurde Käthe Beer gemeinsam mit ihrer Mutter deportiert und im Frühjahr bei einem Massenerschießungskommando in einem Birkenwald bei Riga ermordet.
Die Zeitzeugenberichte zeigen aber auch, wie selbstverständlich die Juden einst zur Buchauer Gemeinschaft gehörten. Sie waren Nachbar und Freund, Vereinskollege oder Mitstreiter beim Bau des Federseestegs. Wie konnte sich die Situation innerhalb weniger Jahre so gravierend verändern? Charlotte Mayenberger weiß darauf keine Antwort.
Ohnehin sei ihr bei ihrer Arbeit mehr an den Opfern, nicht so sehr an den Tätern gelegen, erklärt die Buchauerin: „Es geht hier um Erinnerung – und darum, all diesen Menschen ein Gesicht zu geben.“
(Erschienen: 01.12.2011 13:10)































