7
Schwäbische.de Schwäbische.de
Heiter -1
Ravensburg
Bayern

Polizei sieht Aktion gegen Gaffer kritisch

Gaffer an der Unfallstelle.
Gaffer an der Unfallstelle.
Thomas Heckmann

Weibersbrunn dpa Die Strafen steigen, Bayern lässt mitunter Sichtschutzwände in Stellung bringen - durchschlagenden Erfolg zeigen die Maßnahmen gegen Gaffer bislang aber nicht. Nach einem schweren Unfall auf der A3 ergriff ein Feuerwehrmann am Donnerstag die Initiative und bespritzte Schaulustige mit Wasser.

+++ Das war passiert +++

Die Polizei kritisiert nun diese Aktion, die nicht abgesprochen gewesen sei. „Für die Unterbindung und Ahndung bei Verkehrsbehinderungen sind ausschließlich wir zuständig“, betonte ein Sprecher des unterfränkischen Präsidiums.

Klare Abläufe

So sieht das auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Die Feuerwehr habe Aufgaben übernommen, die eindeutig bei der Polizei liegen, sagte ein Sprecher. „Es muss klare Abläufe an der Unfallstelle geben.“ Eigentlich sind Feuerwehrleute für den Brandschutz verantwortlich, kümmern sich um Verletzte oder Eingeklemmte. Häufig unterstützen sie auch die Polizei bei der Sicherung der Unfallstelle und der Verkehrslenkung.

Drastische Strafen für Verkehrssünder

„Das war natürlich keine geplante Aktion“, erklärte Otto Hofmann, der den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren bei Weibersbrunn im Landkreis Aschaffenburg geleitet hatte. „Dem Feuerwehrmann ist der Kragen geplatzt.“ Ungefähr jeder dritte Lastwagenfahrer habe versucht, Bilder von den Toten und der Unfallstelle zu machen.

"Der Kragen geplatzt"

In einem Fall lag ein Fahrer laut Polizei sogar quer im Führerhaus, um bessere Aufnahmen machen zu können. Schließlich habe der Brandschützer den Schlauch eingesetzt. Er bespritzte die Seitenfenster der Fahrzeuge, die sehr langsam an der Unfallstelle vorbeifuhren oder gar stehenblieben.

Für Feuerwehrmann Hofmann und seine Truppe war es ein außergewöhnlicher Einsatz. Bei dem schweren Unfall starben drei Menschen. Fast zwölf Stunden am Stück arbeiteten manche der ehrenamtlichen Feuerwehrleute an der Unfallstelle.

Der Sprecher der Polizei Unterfranken lobte insgesamt die Zusammenarbeit. Die Spritzaktion sei eine Ausnahme gewesen, die er zuvor in seiner Laufbahn auch noch nie erlebt habe. Grundsätzlich funktioniere die Arbeitsteilung, betonte auch der GdP-Sprecher. „Polizei, Rettungskräfte und Feuerwehr haben an der Unfallstelle ja das gleiche Ziel: Menschenleben retten.“ Und sie alle leiden unter den Schaulustigen, die den Verkehr behindern oder mit ihrem Verhalten sogar weitere Unfälle provozieren.

Zunehmendes Problem

Das Problem habe sich durch Smartphones verstärkt, darüber sind sich alle Befragten einig. Die Politik hat bereits darauf reagiert: Seit Mai gilt es als Straftat, bei Unglücksfällen vorsätzlich Einsatzkräfte zu behindern, die Hilfe leisten wollen. Darauf stehen nun Geldstrafen oder bis zu ein Jahr Haft.

Seit rund drei Monaten testet Bayern spezielle Sichtschutzwände, die Unfallstellen von neugierigen Blicken abschirmen sollen. Die Konstruktionen sind allerdings bislang nur auf der A6 und A9 im Einsatz, wie ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums mitteilte.

Beim Innenministerium schätzt man den Zwischenfall auf der A3 als Notlösung ein - unkonventionell obendrein. Nach dem Bayerischen Feuerwehrgesetz haben Einsatzkräfte allerdings die Befugnis, Personen von Unfallstellen zu verweisen - auch unter Einsatz unmittelbaren Zwangs, so der Sprecher.

Fall dürfe keine Schule machen

Nach dem Vorfall habe Einsatzleiter Hofmann das Gespräch mit seinem Feuerwehrmann gesucht. „Solche Aktionen dürfen auf keinen Fall Schule machen“, sagte er - auch wenn dieser Fall bei Kollegen und in der Bevölkerung durchaus auf Sympathie traf. Hofmann stellte klar, es sei zwar menschlich nachvollziehbar, gegen Gaffer einschreiten zu wollen, aber „die gehen uns eigentlich nichts an“.

Von mehr als zehn Lastwagenfahrern hatten Polizeibeamte schon während der Unfallarbeiten die Personalien aufgenommen. Im Anschluss wurden noch Videoaufnahmen gesichtet, um weitere mutmaßliche Täter zu überführen, erklärte der Sprecher. „Um alle direkt anzuhalten, haben wir nicht genug Leute.“

Auch die GdP beklagte, dass Gaffer die Beamten zunehmend von ihrer eigentlichen Arbeit an Unfallstellen abhalten. Dass die Vergehen nun stärker geahndet werden, sei nicht nur ein gutes Mittel zur Abschreckung, sondern ein wichtiges Zeichen. Denn nötig sei vor allem ein Umdenken in der Gesellschaft.

Immerhin bleibt dem Feuerwehrmann wohl rechtlicher Ärger erspart. Bislang habe keiner der betroffenen Lastwagenfahrer Strafanzeige gestellt, teilte die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg am Montag mit. Außerdem sieht die Behörde allein wegen der Medienberichterstattung über den Vorfall aktuell keinen Anlass, ein Verfahren von Amts wegen einzuleiten.

Ihr Kommentar zum Thema
Kommentare (7)
7
Beitrag melden

Ich stimme voll und ganz Kommentator 4 zu.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
6
Beitrag melden

Da Gaffer an Unfallstellen immer unverschämter auftreten, muss die Polizei mit mehr Einsatzkräften vor Ort sein und diese Gaffer sofort zur Rechenschaft ziehen. Eine Behinderung von Rettungs- und Bergungsmaßnahmen sollte mit sofortigem Führerscheinentzug geandet werden. Ruttungskräfte arbeiten unter Extrembedingungen und persönlicher Gefahr und müssen geschützt arbeiten können. Der Fehrwehrmann hat meine ganze Sympathie weil er die Würde der Toten geschützt hat mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
5
Beitrag melden

... dann soll die Polizei ihren Aufgaben auch konsequent nachkommen!
Solchen ""Verkehrsteilnehmern" sollte der Führerschein entzogen werden.
Solche Schwachköpfe haben im Strassenverkehr nichts verloren, schon gar nicht als "Berufskraftfahrer"! mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
4
Beitrag melden

"Eigentlich sind Feuerwehrleute für den Brandschutz verantwortlich, kümmern sich um Verletzte oder Eingeklemmte" Ich bin der Meinung, das sich dieser Feuerwehrmann vorbildlich verhalten hat. Er hat sich nicht nur um die Verletzungen gekümmert, er hervorragend um die Würde dieser Menschen gekümmert. Dieser Mann gehört geehrt und nicht an den Pranger. Da sollten all diese hin, die das gefilmt haben. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
3
Beitrag melden

Die Aktion sei nicht abgesprochen gewesen...Dies sah aber auf dem Video, welches im Netz kusiert ganz anders aus.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
2
Beitrag melden

Mal wieder Original Deutscher Amts Schimmel,hoffentlich bekommen die Feuerwehrleute nicht noch Anzeige wegen Amts Anmaßung !!!!

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
1
Beitrag melden

Dann tut was liebe Polizei, mit hinterher rummaulen wird das Problem nicht gelöst.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!

 
URL: http://www.schwaebische.de/region/bayern_artikel,-Polizei-sieht-Aktion-gegen-Gaffer-kritisch-_arid,10768650.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.