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Noch ein Gehege-Wolf erschossen

Unbekannter Täter hat Raubtiere im Bayerischen Wald freigelassen – Bevölkerung besorgt
Der Screenshot aus einem Video zeigt zwei Wölfe an einer Straße bei Lindberg im Bayerischen Wald. Eine Familie hatte auf der Fahrt zum Kindergarten die Wölfe gesichtet und mit einem Mobiltelefon aus dem Auto gefilmt.
Der Screenshot aus einem Video zeigt zwei Wölfe an einer Straße bei Lindberg im Bayerischen Wald. Eine Familie hatte auf der Fahrt zum Kindergarten die Wölfe gesichtet und mit einem Mobiltelefon aus dem Auto gefilmt.
Anett Kalmar

Frauenau sz Wolfsjagd im Bayerischen Wald: Am Dienstagmorgen hat es das nächste Tier erwischt. Die Kugel traf es bei Frauenau. Das Dorf liegt am Rand des Nationalparks Bayerischer Wald. Aus einem Freigehege des 24217 Hektar großen Gebietes waren in der Nacht auf Freitag sechs Wölfe entkommen. Ein bisher unbekannter Täter hatte das Schloss des Zauns geöffnet. Seitdem herrscht Unruhe in Teilen der Bevölkerung. Weil die entwichenen Beutegreifer an Menschen gewöhnt sind und deshalb wohl keine Scheu kennen, könnte es zu Wolfsangriffen kommen, wird befürchtet.

Von den sechs Tieren waren bis zum Dienstagmorgen bereits die Hälfte umgekommen. Am Sonntag hatte ein Berufsjäger bereits einen Wolf erschossen. Ein weiterer lief in einen Zug. Nationalparkleiter Franz Leibl hat gegenüber den Medien erklärt, dass Versuche, die Wölfe lebendig zu erwischen, gescheitert seien. Demnach sind Fallen keine Lösung gewesen. Ebenso wenig der versuchte Einsatz von Betäubungswaffen. Weshalb Leibl scharf schießen lässt. Die Wölfe müssten zurückgebracht werden: „Tot oder lebendig“, wie sich der Nationalparkchef gegenüber lokalen Medien äußerte.

Diese Anweisung hat Leibl inzwischen bitterböse Kommentare im Internet eingebracht. Tierschützer schäumen. Ihre Beschimpfungen mag er noch ignorieren können. Bei der Frage, wie die Wölfe entkommen konnten, ist dies anders. Leibl steht in der Kritik, weil das Wolfsgehege womöglich unzulänglich gesichert war. Von einen Vorhangschloss aus dem Baumarkt ist die Rede. Es wurde unbeschädigt unweit des Gehegezauns gefunden. Die Polizei ermittelt bereits. Spekulationen besagen bisher, dass womöglich ein Wolfsgegner tätig geworden ist. Sein eventuelles Ziel: Ängste in der Bevölkerung zu schüren.

Raubtiere gefährden lukrative Jagd

Größere Raubtiere stoßen im Bayerischen Wald in weiten Kreisen auf Ablehnung. Gerade die Waldbauern machen gegen sie Stimmung. Sie verdienen oft Geld damit, indem sie Jäger zum Schießen von Rehen einladen. Wölfe oder die schon länger im Bayerischen Wald wieder heimischen Luchse könnten dieses Geschäft durchkreuzen. Bundesweit hat dieses Thema 2015 sogar Schlagzeilen gemacht. Seinerzeit waren zwei Luchse gewildert worden. Gegenwärtig scheinen aber eher Wölfe das Thema zu sein.

Verkehr und Wilderer bedrohen Wölfe

Wo Deutschlands Wölfe leben

Im südöstlichen Teil des Nationalparks hat sich jüngst ein freilebendes Rudel gebildet – das erste überhaupt im heutigen Bayern. Sollten sich ihm entlaufene Wölfe anschließen, könnte dies dramatischen Folgen haben: Womöglich, heißt es aus Expertenkreisen, würde das Rudel von den Gehegewölfen lernen am Schluss ebenso die Scheu vom Menschen verlieren. Im schlimmsten Fall ein Todesurteil. Auch wenn die Tiere streng geschützt sind, ist ihr Abschuss bei einer angenommenen Gefährdung von Menschen möglich.

Rund um den Nationalpark erinnern sich ältere Menschen durchaus an einen Zwischenfall im Jahr 1976. Auch damals hatte es einen Wolfsausbruch gegeben. Ein kleiner Bub war gebissen worden. Thematisiert wird auch ein Ereignis im September. Es spielte sich zwar fern von Bayerischen Wald ab, dient aber Wolfsgegnern als längst ersehntes Argument gegen die die Raubtiere. Unter bisher ungeklärten Umständen war im griechischen Bergland eine Touristen angeblich von Wölfen getötet worden. Vorausgesetzt, dass dies stimmt, wäre es im europäischen Raum der erste dokumentierte Fall einer tödlichen Wolfsattacke in der Gegenwart.

Hoffnung in Lebendfallen

Jedenfalls steigt in der Region die Spannung mit jedem Tag, an dem die übriggebliebenen Tiere noch in Freiheit sind. Wobei ihnen rund 30 Leute nachjagen: Wildhüter, Berufsjäger und Förster. Am Dienstag trat der stellvertretende Nationalparkchef vor die Presse. Jörg Müller deutete an, die ungefähren Standorte der Wölfe seien bekannt. Wobei sich wohl einer davon über die nahe tschechische Grenze in den dortigen Böhmerwald geschlichen hat.

Müller erinnerte daran, dass Wölfe pro Nacht durchaus 50 Kilometer laufen können. Es gibt aber auch die Hoffnung, dass der eine oder andere Wolf über kurz und lang in einer Lebendfalle landet. Darin sind Köder deponiert. Und da Gehegewölfe das Jagen nicht gewohnt sind, könnte sie der Hunger in solche Fallen treiben - so die Hoffnung der Nationalparkverwaltung.

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Kommentare (1)
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Das ist einfach nur noch ekelhaft .. von beiden ist der Mensch das weitaus gefährlichere Raubtier. Lächerlich was da gemacht und unter die Leute gebracht wird also Information. Die Jäger stecken da zu 100% dahinter, und Schluss. Man will diese Tiere nicht als Konkurenten der ausufernden Zahl von Schiesswütigen im Lande haben. Ein anderen Grund gibt es nicht. mehr

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