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Baden-Württemberg

Streit um mehr Disziplin im Klassenzimmer

Grüne und CDU wollen die Schulleiter stärken und zentrale Klassenarbeiten einführen.
Grüne und CDU wollen die Schulleiter stärken und zentrale Klassenarbeiten einführen.
Julian Stratenschulte

Stuttgart sz In Sachen Bildungspolitik tun sich die Regierungspartner von Grünen und CDU schwer, eine gemeinsame Sprache zu finden. Deutlich wurde das erneut, als die Fraktionsvorsitzenden am Freitag in Stuttgart die Ergebnisse ihrer jeweiligen Klausurtagungen vorgestellt haben. CDU-Generalsekretär Manuel Hagel heizte die Diskussion zusätzlich an.

Noch bevor die Fraktionschefs am Freitag vor die Presse traten, legte Hagel vor. „Die Zeiten eines überbordenden Laissez-faire in der Bildungspolitik sollten wir hinter uns lassen“, sagte er der „Südwest Presse“. „Was wir brauchen, ist eine Fokussierung auf Qualität und Leistung. Er forderte die Rückkehr zum Frontalunterricht und mehr disziplinarische Durchgriffsmöglichkeiten für Lehrer gegenüber auffälligen Schülern. Und: „Verpflichtende Diktate sowie verpflichtendes Schönschreiben stärken die Schreib- und Lesefähigkeit der Schüler.“

CDU und Grüne uneins

All das machte sich CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart zwar nicht zu eigen, betonte aber: „Wir setzen auf die Qualität des Unterrichts.“ Um die zu gewährleisten, brauche es unter anderem frühzeitige Sprachförderung. Dafür plädierte auch Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz und erklärte: „Ich bin auch ein klarer Anhänger von Leistung.“ Auf Hagels Vorstoß entgegnete er indes, dass der Frontalunterricht im Südwesten gar nicht abgeschafft sei und auch Diktate noch geschrieben würden. Wer sich aber nur auf Leistung konzentriere, vernachlässige andere wichtige Punkte in der Bildungspolitik. „Konzepte aus der Mottenkiste helfen nicht weiter.“

Bildungsverbände und die SPD reagierten entsetzt auf Hagels Vorstoß. „In den bildungspolitischen Vorstellungen der Südwest-CDU fehlt eigentlich nur noch die Forderung nach Einführung der Prügelstrafe“, erklärte die Landeschefin der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Doro Moritz. Die CDU habe keine Ahnung vom Alltag in den Klassenzimmern, ignoriere den Rat von Experten und missachte den Koalitionsvertrag. Der Verband Bildung und Erziehung teilte mit, Hagel wäre gut beraten, Kontakt zu Fachleuten aufzunehmen, die wüssten, wie es an den Schulen aussehe.

Überblick: So viele Schüler wurden im vergangenen Jahr in einer Klasse unterrichtet

SPD spricht von Klientelpolitik

Der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei sprach von reiner Klientelpolitik und mahnte: „Auf wachsende Verschiedenheit mit Frontalunterricht zu antworten, macht aber nicht mal nach dem dritten Bier am CDU-Stammtisch Sinn.“ Die Alternative für Deutschland (AfD) hielt der CDU indes vor, Ideen von ihr abgekupfert zu haben.

Die unterschiedlichen Vorstellungen in der Bildungspolitik zu den Grünen bestätigte CDU-Fraktions-chef Reinhart. „Natürlich haben wir in der Bildung immer wieder mal das Gefühl, dass noch ein Dissens vorhanden ist“, sagte er. Einig sind sich die Partner aber darin, Schulleiter stärken zu wollen. Die von der CDU geforderten zentralen Klassenarbeiten in den Kernfächern Deutsch, Mathe, Englisch oder Französisch in der vierten und zehnten Klasse könne er sich vorstellen, sagte Schwarz. Das diene der Vergleichbarkeit. „Aber das erhöht noch nicht das Bildungsniveau.“ Wichtiger sei, dort nachzuarbeiten, wo die jüngste IQB-Studie dem baden-württembergischen Bildungssystem Mängel bescheinigt habe: bei der Sprachförderung, bei der Stärkung der Schulleiter und bei der Weiterbildung für Lehrer.

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Kommentare (10)
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Es wird wohl Menschen in Parteien und Vereinen geben die Anstand und Disziplin für Demokratieschädlich halten. Sie meinen es ganz besonders gut für unwillige Zeitgenossen.

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@7 hat wohl auch noch nicht selbst unterrichtet. Da haben Sie etwas mit Frau Moritz gemeinsam.

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Zu 1: Ihre Kinder sind ja lange aus der Schule raus... dann sollten Sie sich erst mal z.B. bei gewählten Elternvertretern von Schulen informieren. Herr Hagel beschreibt die Realität mit totaler Schieflage! Und so einen Blödsinn, den Sie über Diktate schreiben verzapfen, habe ich noch nie gehört.
Zu 2: Das ist doch nur dummes Zeug, was Sie da her schwätzen. Sie sind offenbar über die Qualifikationen fürs Medizinstudium nicht informiert. mehr

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Wenn Aussagen in diesem Zusammenhang realitätsfern sind, dann die der CDU und insbesondere die des Generalsekretärs Hagel. Fremdschämen!

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Unfassbar, was die Gewerkschaften von sich geben. Sie sollen doch mal Lehrer fragen, die täglich unterrichten, wie es ihnen ergeht und was die Probleme sind: Schulabsentismus, Respektlosigkeit, Leistungsverweigerung aufgrund fehlender Noten, ...
Wie kann man als Vorsitzende der Lehrergewerkschaft so realitätsfremde Aussagen tätigen. mehr

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Meiner Ansicht nach brauchen Schüler, insbesondere in den Jahrgängen 6,7,8,9 (Pubertät) eine klare Anleitung durch den Lehrer. Selbstgesteuertes Lernen funktioniert nur in der Theorie. In der Praxis wäre für dessen Gelingen ein Klassenteiler von maximal zehn Schülern pro Lehrer nötig. Dies ist jedoch leider Utopie. Ansonsten ist der Lehrer mit der Differenzierung auf vier Niveaustufen, Verfassen von Lernberichten, Coaching von Schülern, Inklusion , usw. völlig überfordert.
Die Schüler werden immer "schwieriger", so dass es Lehrer benötigt, vor denen die Schüler Respekt haben. Hier haben die Mehrzahl der Lehrerinnen und Lehrer große Defizite. Da helfen jedoch auch Fortbildungen wenig. Die Staatsprüfungen sollten hier vielleicht mal überdacht werden.
Von Frau Moritz kann man nur enttäuscht sein. Die GEW hat in den vergangenen Jahren für die Lehrer keinerlei Verbesserungen erreicht. Frau Moritz hat selbst wohl noch nie vor einer Klasse gestanden. Sie glänzt lediglich mit Theoriewissen.
Zum Thema Schulleitungen: wenn man nur 1,4 Bewerbungen auf eine freie Stelle hat, muss man sich nicht wundern, weshalb die Leitung einer Schule nicht richtig funktioniert. Schulleitungen gehören entsprechend Firmenchefs deutlich besser bezahlt. Sie übernehmen die Aufgabe von Chefs und erhalten dafür eine Gehaltsstufe mehr als Lehrer. Wer tut sich dann diesen schwere Aufgabe an? Er soll Schüler, Eltern, Lehrer, Schulträger usw. bedienen. Hier muss ganz klar angesprochen werden, warum es so wenig Bewerbungen gibt: das geringe Gehalt ist der Grund! Ich bin sicher, dass es sehr gute potentielle Kandidaten gäbe, die man dadurch zu einer Bewerbung locken könnte.
Dennoch sollte man eine Schulleiterposition besser nicht besetzen, als eine Grundschullehrerin mit der Leitung einer Sekundarschule zu beauftragen.Grundschule und Sekundarschule nicht komplett unterschiedlich. Es ist nicht nachvollziehbar, warum so etwas passieren kann. mehr

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Der GEW Laneschefin kann man zu ihrer Reaktion nur gratulieren. Ihrer Meinung kann ich mich ganz und gar anschließen. Was derzeit in der Bildungspolitik abläuft ist rückwärtsgerichtet und vor allem aus aktuellen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen total überholt. Es ist ein verzweifelter Aktionismus vor dem Hintergrund schlechter Ergebnisse in unterschiedlichen Studien. Wann erkennt die Politik endlich, dass Schulen mehr Lehrer und ausreichend Zeit benötigen, um den gestiegenen Anforderungen, die Schulen heutzutage neunmal haben, gerecht zu werden!? mehr

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Schlimm, was Frau Moritz als Vorsitzende der Lehrergewerkschaft von sich gibt. Sie hat selbst noch nie pubertierende Schüler unterrichtet. Disziplin ist hier eminent wichtig. Vielen Lehrern und Lehrerinnen tanzen die Schüler auf der Nase herum. Hier liegt eine Kernursache der Bildungskrise.
Ferner sollte man mal die Auswahl der Schulleiter überdenken. Es kann doch nicht sein, dass eine ehemalige Grundschullehrerin Schulleiterin einer Sekundarschule wird. Hier fehlen sämtliche Praxiserfahrungen. Wie soll das funktionieren? Als Schulleiter hat man eine Dienst-und Fachaufsicht gegenüber den Lehrern. Da müssen Topleute ran! mehr

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Zu 1
Sie haben vollkommen recht.Mir wird heute schon Angst und Bange wenn ich daran denke das in ein paar Jahren einer Arzt wird bei dem das geistige Niveau früher nicht mal zu einer Lehre gereicht hätte.Es gibt da einen alten Spruch " Früher wusste ich nicht wie man Ingenieur schreibt,heute bin ich einer" mehr

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Grüninnen und Spezialdemokraten verstehen von vielem nichts, so auch von Bildung und Erziehung! Der Satz "...dass der Frontalunterricht im Südwesten gar nicht abgeschafft sei und auch Diktate noch geschrieben würden..." sagt doch alles aus! Diktate werden NOCH geschrieben... Vermutlich aber nicht mehr als 30 Worte und ein "sehr gut" gibt es noch bei 18 Fehlern?! Wer seinen Kindern / Enkeln bei uns etwas Gutes tun will, sorgt dafür, dass sie auf private Bildungseinrichtungen gehen können - die staatlichen haben ausgedient. Eine Anpassung des Niveaus nach unten war schon immer der falsche Weg und wird es auch immer bleiben, und diese Tendenz wird sich bei uns in den nächsten 10 Jahren noch drastisch verschärfen. Die öffentlich kaum beachtete aber hochinteressante Aussage des Bundesinnenministers de Maizière, dass angesichts der weiter steigenden Zahl an Flüchtlingen und Asylbewerbern die Bildungsstandards gesenkt werden müssten – für begrenzte Zeit jedenfalls, lässt tief blicken. Und die vierte Macht im Staate - die Medien - haben diese Aussage auch gar nicht weiterhin an die große Glocke gehängt... Also liebe Eltern: es liegt in Eurer Hand, meine Kinder haben das schon lange, lange hinter sich... mehr

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