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Baden-Württemberg

Bildungsstudie schockt: Grundschüler nur noch Mittelfeld

Susanne Eisenmann
Kultusministerin Eisenmann stellt Ergebnisse der "IQB"-Studie vor.
Bernd von Jutrczenka

Stuttgart dpa Für Kultusministerin Susanne Eisenmann war Freitag der 13. wahrlich kein Glückstag: Ausgerechnet als Präsidentin der Kultusministerkonferenz musste die Christdemokratin eine Bildungsstudie vorstellen, die Grundschülern im Südwesten kein gutes Zeugnis ausstellt. Die Kinder liegen im bundesweiten Vergleich nur noch im Mittelfeld. Nach der Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) haben sich die Leistungen der getesteten Viertklässler massiv verschlechtert. „Insgesamt ist der Gesamtabfall für Baden-Württemberg mehr als ernüchternd“, räumte sie in Berlin ein. Mit Blick auf frühere Bildungsstudien attestierte sie dem Südwesten ein „durchgehendes Qualitätsproblem“.

Die Ministerin und ehemalige Stuttgarter Schulbürgermeisterin ist seit 2016 im Amt. Die Studie bezieht sich auf Schüler, die im vergangenen Jahr die vierte Klasse besuchten. Eisenmann konzentriert sich seit Amtsantritt auf Qualität statt Schulstrukturdebatten. Doch vor allem der leer gefegte Lehrermarkt droht ihr einen Strich durch die Rechnung zu machen. Grundschullehrer sind rar. Unterrichtsausfall ist überall im Land ein Problem.

Nach der Studie belegten die Schüler im Fach Deutsch im Ländervergleich Platz 13 beim Regelstandard Lesen - nach dem fünften Rang im Jahr 2011. Der Anteil derer, die den Mindeststandard nicht erreichten, lag bei 13,4 Prozent. Beim Zuhören kamen die im Jahr 2016 geprüften Viertklässler nur noch auf den neunten Rang, nachdem sie zuvor Zweitplatzierte gewesen waren.

In Mathematik stürzte das Landesergebnis regelrecht ab: Nur 62 Prozent erreichten den Mindeststandard oder übertrafen ihn. Das ist ein Minus von 10 Prozentpunkten im Vergleich zu 2011. Die Spitzengruppe bei Mathe verkleinerte sich um 6 Punkte auf 12,8 Prozent. Im Ländervergleich wich Baden-Württemberg hier am stärksten vom 2011er-Wert ab. Das Ministerium sprach von Rückgängen, die sich in einer nur mit dem Schlusslicht Bremen vergleichbaren Größenordnung bewegten.

Das Wort „verheerend“, mit dem CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart das Abschneiden des Landes beschrieb, trifft das Ergebnis aber dennoch nicht präzise. Das Ressort von Eisenmann betonte, das Land sei im deutschen Mittelfeld gelandet - nach Spitzenplätzen in der Vergangenheit. Die Mitherausgeberin der Studie, Nicole Haag: „Baden-Württemberg ist abgestürzt, aber nicht ganz unten gelandet.“ Grund: das relativ hohe Niveau der Vorjahre.

Auch ein altes Problem taucht in der Studie wieder auf - die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom sozialem Status. So waren im Südwesten die Kompetenzen im Lesen 2016 stärker an den sozialen Status gekoppelt als noch 2011. In diesem Zusammenhang kann auch Eisenmanns Hinweis gesehen werden, dass der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund unter den Viertklässlern bei etwa 45 Prozent liegt - das sei unter den Flächenländern der höchste Wert vor Hessen. Die Heterogenität der Schüler sei ausweislich der Studie im Südwesten sehr hoch: Fordernder Unterricht für Stärkere und förderndes Lehren für Schwächere sei das Gebot der Stunde.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warnte vor Schuldzuweisungen. Damit reagierte er darauf, dass bereits vor Veröffentlichung der jüngsten Daten in der Landespolitik die Suche nach den Schuldigen für die Entwicklung begonnen hatte. Das Kultusministerium müsse seine Kernaufgabe erfüllen, herauszufinden, warum „wir da so abgesunken sind“.

Mit seinem Plädoyer rennt er bei Eisenmann offene Türen ein. Die hat sich wissenschaftliche Unterstützung für mehr Qualität geholt. Ein Beirat soll die Entwicklung analysieren. Überdies sollen zwei geplante wissenschaftliche Institute das Bildungswesen im Land unter die Lupe nehmen. Weitere zentrale Klassenarbeiten sollen eine punktgenaue Förderung ermöglichen. Die bereits eingeleiteten und noch geplanten Schritte sind mehr Stunden in Mathe und Deutsch, Ausbau von Sommerschulen für Grundschüler sowie reibungslosere Übergänge vom Kindergarten in die Grundschule.

Angesichts der Probleme kommen auch aus der Opposition Angebote der Zusammenarbeit. So will die SPD-Fraktion auf politische Grabenkämpfe und gegenseitige Schuldzuweisungen verzichten. Gemeinsam mit den anderen Fraktionen wollen die Sozialdemokraten in einer Enquete-Kommission den richtigen Weg für den frühkindlichen Bereich und die Grundschule suchen.

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Kommentare (1)
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Alles braucht seine Zeit.

Jetzt fliegt auf, was schon länger vorhersehbar war. Gott sei Dank kommt man jetzt auch der Hauptursache auf die Schliche:

Eine hochindustrialisierte Leistungsgesellschaft kann auf gesicherte Leistungsorientierung in Schulen nicht dauerhaft verzichten.

Zwischen den Extremen unvertretbaren Leistungsdrucks und "Funpädagigik" gibt es einen goldenen Mittelweg. mehr

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