Stadtnachrichten Wangen
Gieseking ist sicher: „Deutschland braucht Helden“

Von unserer Mitarbeiterin Vera Stiller
Was sind „Bambi“, „Goldene Kamera“ oder „Deutscher Fernsehpreis“ gegen den „Horst“? Nichts! Allenfalls ein billiger Abklatsch. Bernd Gieseking, seit Jahren mit seinem satirischen Jahresrückblick unterwegs, hat ihn kreiert. Um nicht immer nur zu kritisieren, sondern „endlich auch einmal zu loben“. Ein Land wie Deutschland, das tief in der Krise steckt, hat einen Motivationsschub nötig. „Wir brauchen Orientierung, wir brauchen Helden“, nennt Gieseking das.
Bevor der Medienpreis jedoch vergeben wird, gibt es noch eine Nachhilfestunde in Sachen Descartes-Lehre. Wie hatte der doch gesagt? „Ich denke, also bin ich!“ Was sich dann nach Kabarettistenart bei Roland Profalla folgendermaßen anhört: „Denken ja, aber vorher sage ich noch etwas.“ Und bei Helmut Schmidt so: „Ganz egal, was ich sage, Hauptsache, ich rauche.“ Aktuell gibt auch Thilo Sarrazin seinen Senf dazu: „Ich denke nicht, ich schreibe lieber.“ Und Claudia Roth wählt diese Variante: „Besser nicht denken – ich freue mich lieber.“
Die Frage „Wer war wichtiger für Deutschland?“ lässt zwar die Entscheidung zwischen Georg Friedrich Händel und Peter Kraus, Friedrich Schiller und Heinz Erhardt sowie Woodstock und Oktoberfest offen, führt aber geradewegs zum „Drei-Wetter-Taft-Minister“ Guido Westerwelle und zu Karl-Theodor zu Guttenberg. Der „Anti-Struwwelpeter“ berechtigt zu Bernd Giesekings Überlegungen: „42 Prozent der deutschen jungen Männer sind nicht wehrtauglich und 36 Prozent der jungen Mädchen heißen Chantal. Wo führt das hin!? Die können unsere Rente jedenfalls nicht erarbeiten – ich werde viel zu spät alt!“
Ein „Horst“ geht an die Stadt Hannover, denn: „Wir alle sind Lena, deshalb sind wir alle Hannover“. Eine andere Trophäe an den Quelle-Katalog, die „Bibel des Wirtschaftswunders“ als bestes deutsches Buch. Der „Ikea-Billy“ bekommt den „Möbel-Preis“ und die Gewissheit, dass in Giesekings Testament geschrieben steht: „Ansage an die Erben: Legt mich in Billy nach dem Sterben.“ Der Mauerfall schließlich wird als „bestes deutsches Ereignis“ prämiert, wenngleich sich der Laudator die Frage genehmigt: „Wiedervereinigung: Ja! Aber musste es unbedingt die DDR sein?“
Weil neben dem Sand- und dem Ampelmännchen nur Angela Merkel aus der Zeit, als die Zeugen Jehovas die einzigen waren, „die den Wachtturm noch hoch hielten“, übrig geblieben ist, bekommt sie eine „Frau Horst“ und das Attribut „Beste deutsche Bundeskanzlerin“ zuerkannt. Die Begründung: „Sie besitzt die Zuverlässigkeit einer angeheirateten Patentante.“ Bleibt noch „Liebling“ Rösler und dessen „bester deutscher Vorname“ Philipp. Selbst die Tatsache, dass der in der FDP beheimatet ist, hält Mama Gieseking nicht von ihrer Schwärmerei ab. „Da kann der Junge doch nichts für“, so die logische Folgerung.
Es war ein kurzweiliger, ein amüsanter Abend. Ein Abend voll intelligentem Hintersinn, voller Wortspiele und Selbstgereimten. Die Pfeile, die immer wieder abgeschossen wurden, saßen zwar, drangen aber nicht allzu tief ins Innerste. Peinlichkeiten oder Bauchschmerzen gab es keine. So konnte unbeschwert gelacht werden. Der herzliche Applaus zeigte es an: Wenn noch ein „Horst“ für den „sympathischsten Kabarettisten“ übrig geblieben wäre, Bernd Gieseking hätte ihn verdient!
(Erschienen: 05.09.2010 18:05)

Von unserer Mitarbeiterin Vera Stiller
Was sind „Bambi“, „Goldene Kamera“ oder „Deutscher Fernsehpreis“ gegen den „Horst“? Nichts! Allenfalls ein billiger Abklatsch. Bernd Gieseking, seit Jahren mit seinem satirischen Jahresrückblick unterwegs, hat ihn kreiert. Um nicht immer nur zu kritisieren, sondern „endlich auch einmal zu loben“. Ein Land wie Deutschland, das tief in der Krise steckt, hat einen Motivationsschub nötig. „Wir brauchen Orientierung, wir brauchen Helden“, nennt Gieseking das.
Bevor der Medienpreis jedoch vergeben wird, gibt es noch eine Nachhilfestunde in Sachen Descartes-Lehre. Wie hatte der doch gesagt? „Ich denke, also bin ich!“ Was sich dann nach Kabarettistenart bei Roland Profalla folgendermaßen anhört: „Denken ja, aber vorher sage ich noch etwas.“ Und bei Helmut Schmidt so: „Ganz egal, was ich sage, Hauptsache, ich rauche.“ Aktuell gibt auch Thilo Sarrazin seinen Senf dazu: „Ich denke nicht, ich schreibe lieber.“ Und Claudia Roth wählt diese Variante: „Besser nicht denken – ich freue mich lieber.“
Die Frage „Wer war wichtiger für Deutschland?“ lässt zwar die Entscheidung zwischen Georg Friedrich Händel und Peter Kraus, Friedrich Schiller und Heinz Erhardt sowie Woodstock und Oktoberfest offen, führt aber geradewegs zum „Drei-Wetter-Taft-Minister“ Guido Westerwelle und zu Karl-Theodor zu Guttenberg. Der „Anti-Struwwelpeter“ berechtigt zu Bernd Giesekings Überlegungen: „42 Prozent der deutschen jungen Männer sind nicht wehrtauglich und 36 Prozent der jungen Mädchen heißen Chantal. Wo führt das hin!? Die können unsere Rente jedenfalls nicht erarbeiten – ich werde viel zu spät alt!“
Ein „Horst“ geht an die Stadt Hannover, denn: „Wir alle sind Lena, deshalb sind wir alle Hannover“. Eine andere Trophäe an den Quelle-Katalog, die „Bibel des Wirtschaftswunders“ als bestes deutsches Buch. Der „Ikea-Billy“ bekommt den „Möbel-Preis“ und die Gewissheit, dass in Giesekings Testament geschrieben steht: „Ansage an die Erben: Legt mich in Billy nach dem Sterben.“ Der Mauerfall schließlich wird als „bestes deutsches Ereignis“ prämiert, wenngleich sich der Laudator die Frage genehmigt: „Wiedervereinigung: Ja! Aber musste es unbedingt die DDR sein?“
Weil neben dem Sand- und dem Ampelmännchen nur Angela Merkel aus der Zeit, als die Zeugen Jehovas die einzigen waren, „die den Wachtturm noch hoch hielten“, übrig geblieben ist, bekommt sie eine „Frau Horst“ und das Attribut „Beste deutsche Bundeskanzlerin“ zuerkannt. Die Begründung: „Sie besitzt die Zuverlässigkeit einer angeheirateten Patentante.“ Bleibt noch „Liebling“ Rösler und dessen „bester deutscher Vorname“ Philipp. Selbst die Tatsache, dass der in der FDP beheimatet ist, hält Mama Gieseking nicht von ihrer Schwärmerei ab. „Da kann der Junge doch nichts für“, so die logische Folgerung.
Es war ein kurzweiliger, ein amüsanter Abend. Ein Abend voll intelligentem Hintersinn, voller Wortspiele und Selbstgereimten. Die Pfeile, die immer wieder abgeschossen wurden, saßen zwar, drangen aber nicht allzu tief ins Innerste. Peinlichkeiten oder Bauchschmerzen gab es keine. So konnte unbeschwert gelacht werden. Der herzliche Applaus zeigte es an: Wenn noch ein „Horst“ für den „sympathischsten Kabarettisten“ übrig geblieben wäre, Bernd Gieseking hätte ihn verdient!
(Erschienen: 05.09.2010 18:05)




































