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Stadtnachrichten Wangen

GOL-Kandidaten stellen sich vor

WANGEN - Viel hatten sich die GOL und der Kreisverband Bündnis 90 Die Grünen für ihren 13. Politischen Aschermittwoch vorgenommen. Neben dem unterhaltsamen Politik-Rückblick von Kabarettist Mike Jörg und den "Berliner Geschichten" von MdB Winne Hermann stellten sich auch die Kommunalwahl-Kandidaten den gut 100 Besuchern vor.

Bombay, Berlin, Wangen - so hießen die Stationen des Bundestagsabgeordneten Winne Hermann, um beim Politischen Aschermittwoch der Grünen in Wangen dabei zu sein. Nicht ganz so weit hatten es die Kandidaten für die Kommunalwahl am 7. Juni. Als "Mischung aus Jung und Alt" und "spannende Sammlung an Individuen" stellte GOL-Stadtrat Gerold Fix 21 der 32 auf den GOL-Listen für Gemeinde- und Ortschaftsräte befindlichen Frauen und Männer vor. Auch die Bundestagskandidatin der Grünen für den Wahlkreis, Agnieszka Malczak (siehe Namen und Nachrichten) hatte Gelegenheit, sich zu präsentieren und persönliche Ziele und Vorstellungen zu nennen.

Zahlen dominieren

Viel ging es zuvor um Zahlen. Von 2500 (Euro Abwrackprämie) bis zur Aneinanderreihung "drei, drei, fünf, fünf, sechs..." (Sitze der GOL Wangen im Gemeinderat seit 1984) reichte Fix" lockeres Zahlenwerk. Auch Kabarettist Mike Jörg schlug heftigst unterhaltsam und aus grüner Sicht in die (Zahlen)-Kerbe. Zum Brüllen: Seine Verdeutlichung der Dinge, wenn die Milliarden-Rettungspakete in Form von Mülltonnen laufen lernen. "Man stelle sich vor, in jede Tonne packen wir 10000 Zehn-Euro-Scheine und schicken damit alle fünf Sekunden einen Ein-Euro-Jobber auf den Weg". Beim Banken-Sicherungspaket der Bundesregierung würde das beispielsweise eine 166 Tage währende, immerfort vorbeiziehende Kolonne bedeuten. Ernste Botschaften verpackte Jörg einmal mehr gekonnt heiter. Getreu der Devise "immer höher, weiter, schneller" sprach er unter anderem die Stichworte "Schnellrestaurant, Schneller Brüter, Turboabitur - und Sekundenschlaf" an: "Irgendwie ist uns die Orientierung abhanden gekommen."

Die Wirklichkeit ist schneller

"Die Wirklichkeit ist noch schneller als das Kabarett", stellte dann auch MdB Winne Hermann fest. Die Wirtschafts- und Finanzkrise war sein Schwerpunkt - und die Analyse Programm. Nicht allein die Banken können dafür verantwortlich gemacht werden, sagte Hermann: "Wer das verstehen will, muss wissen, dass mehrere Krisen übereinander gelagert und verschachtelt sind und sich wechselseitig verstärken." Auch die Politik habe durch ihre Nichteinmischung Fehler gemacht: "Man hat dem Markt keine Regeln gegeben." Daneben habe es an Transparenz gefehlt. Auch mit der Abwrackprämie ging Hermann vor allem aus ökologischer Sicht hart ins Gericht: "Das Ganze hat keine Richtung. Es steuert nicht."

"Ziemlich schwierig" werde der Wahlkampf für die Grünen werden, meinte Hermann: "Ich glaube, die allergrößte Herausforderung wird es sein, unser Denken in die Krise hineinzutragen." Nur der strukturelle Wandel der Systeme könne die Antwort darauf sein: "Es gibt keinen Ausweg ohne ökologische und soziale Modernisierung."

Fragen zu einer regionalen Geldwährung, den Bedingungen für eine eventuelle Regierungsbeteiligung, den politischen Handlungsmöglichkeiten der Finanzkrise und zu Afghanistan beantwortete Hermann bis kurz nach 23 Uhr.

Gerold Fix blieb das Schlusswort: "Es war sehr spannend und sehr ernst. Die Frage bleibt: "Über was reden wir im nächsten Jahr?"

(Erschienen: 27.02.2009 00:06)

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