Stadtnachrichten Wangen
In der „Arktis Allgäu“ kapitulieren sogar die neuen roten Stadtbusse
Den ersten, echten Härtetest haben die nigelnagelneuen Wangener Stadtbusse nicht bestanden. Gestern warteten viele Menschen an den Haltestellen vergebens auf die knallroten Fahrzeuge – auch Schüler, die frühmorgens aus den Stadtteilen zum Gymnasium oder zur Realschule wollten. „Dass man die Kinder an den Haltestellen einfach stehen lässt, dass kein Plakat mit dem Hinweis ,Aufgrund der Kälte fallen die Busse bis auf weiteres aus‘ ausgehängt wird oder gar jemand persönlich diese Information weitergibt, hierfür haben wir absolut kein Verständnis“, so Eltern gegenüber der Schwäbischen Zeitung. „Unsere Tochter kam nach 30 Minuten komplett durchgefroren wieder heim, nachdem beide Linien, die die Haltestelle anfahren, nicht gekommen sind.“
Aushänge an den Haltestellen anzubringen, sei logistisch nicht möglich, sagt Jens Schneider, Disponent beim Omnibusverkehr Wangen, und erklärt, warum die beiden neuen Stadtbusse, die über Nacht draußen standen, nicht einsatzbereit waren. Ursache seien die neuen Motoren der Schadstoffklasse EEV, die mit Winterdiesel samt Biospritanteil laufen. „Der wird aber schon ab minus zehn Grad Celsius sulzig und verstopft dann die Filter mitsamt Leitungen.“ Seit 6 Uhr morgens hätten die Heine-Mitarbeiter versucht, die Busse zum Laufen zu bringen – vergeblich. „Da hat es uns wortwörtlich eiskalt erwischt“, so Schneider. „So etwas habe ich die letzten zehn Jahre nicht erlebt.“ Die neuen Busse mussten schließlich in die Haslacher Halle geschleppt werden, damit sie dann Dienstagfrüh einsatzbereit sind. Vom Ausfall betroffen waren gestern die Linien eins (Waltersbühl, Wittwais, Berger Höhe), zwei (OSK, Deuchelried) und drei (Südring, Friedhof). Die restlichen Linien bediente ein alter Stadtbus, denn der hatte die Nacht in der Halle verbracht und läuft mit einem kälte-resistenteren Diesel.
Wiederstandsfähig gegen (relative) Kälte müssen derzeit auch Praßbergschüler beim Sportunterricht sein. Die alte Halle lässt sich maximal auf 16 Grad erwärmen. „Und dafür muss die Heizung schon die ganze Nacht durchlaufen“, so Schulleiter Siegbert Wucherer. „Wegen der niedrigen Temperatur sind schon von Lehrern Beschwerden gekommen.“
Im Hauptschultrakt ist die arktische Kälte ebenfalls zu spüren. Die jetzt 57 Jahre alten, undichten Holzfenster werden erst im Lauf des Jahres ausgetauscht, und so müssen die alten Heizkörper derzeit fast schon glühen, damit es in den Klassenzimmern wenigstens 20 Grad warm wird. „In den Pausen versammeln sich die Schüler dann immer um die Heizkörper“, so Wucherer, der gestern die Gelegenheit wahrnahm, um an den Fenstern Eisblumen-Fotos zu machen. Und: „Eigentlich haben wir ja einige Energieprojekte laufen und bringen den Kindern bei, Energie zu sparen. Aber derzeit machen wir das Gegenteil.“
Das Gegenteil von Fahren machen derzeit auch viele Autobesitzer: nämlich stehen. Betroffen sind vor allem Fahrzeuge mit Diesel-Kraftstoff. „Bei diesen Temperaturen gerät der Diesel an seine Grenzen“, weiß Rudi Karrer, Servicetechniker beim VW-Händler Auto Martin in Kißlegg. „Wir haben auch ein paar Fälle von Batterien, die schlapp machen, aber bei 90 Prozent aller stehengebliebenen Fahrzeuge ist es eine Kraftstoffgeschichte.“
Abhilfe könnten unter Umständen sogenannte Fließverbesserer machen, aber die seien in manchen Tankstellen oder Geschäften schon ausverkauft. Und so wird man auch in den nächsten Tagen regelmäßig liegengebliebene Autos oder Laster am Straßenrand stehen sehen. Karrer: „Unser Pannenfahrzeug ist rund um die Uhr im Einsatz.“ Ständig im Einsatz ist auch der Notdienst der Wissmann GmbH. Meistens werden die Mitarbeiter wegen gefrorener Wasserleitungen gerufen. „Das geht bei uns nonstop“, sagt Gisela Arnold, Geschäftsführerin der Wangener Firma für Heizung, Bad, Dach und Fassade.
Warm anziehen muss sich aber nicht nur derjenige mit kaputter Heizung oder Wasserrohren, sondern auch diejenigen, die draußen arbeiten. „Wir versuchen, die Arbeiten draußen auf das Nötigste zu beschränken“, sagt Martin Blum vom Wangener Bauhof. „Und wer trotzdem raus muss, hat die Möglichkeit, sich alle paar Stunden durchzuwärmen.“ Nach dem Motto: Ein bisschen Wärme braucht der Mensch. Die ist aber auch in den nächsten Tagen noch nicht in Sicht – in der „Arktis Allgäu“.
(Erschienen: 06.02.2012 20:05)
Den ersten, echten Härtetest haben die nigelnagelneuen Wangener Stadtbusse nicht bestanden. Gestern warteten viele Menschen an den Haltestellen vergebens auf die knallroten Fahrzeuge – auch Schüler, die frühmorgens aus den Stadtteilen zum Gymnasium oder zur Realschule wollten. „Dass man die Kinder an den Haltestellen einfach stehen lässt, dass kein Plakat mit dem Hinweis ,Aufgrund der Kälte fallen die Busse bis auf weiteres aus‘ ausgehängt wird oder gar jemand persönlich diese Information weitergibt, hierfür haben wir absolut kein Verständnis“, so Eltern gegenüber der Schwäbischen Zeitung. „Unsere Tochter kam nach 30 Minuten komplett durchgefroren wieder heim, nachdem beide Linien, die die Haltestelle anfahren, nicht gekommen sind.“
Aushänge an den Haltestellen anzubringen, sei logistisch nicht möglich, sagt Jens Schneider, Disponent beim Omnibusverkehr Wangen, und erklärt, warum die beiden neuen Stadtbusse, die über Nacht draußen standen, nicht einsatzbereit waren. Ursache seien die neuen Motoren der Schadstoffklasse EEV, die mit Winterdiesel samt Biospritanteil laufen. „Der wird aber schon ab minus zehn Grad Celsius sulzig und verstopft dann die Filter mitsamt Leitungen.“ Seit 6 Uhr morgens hätten die Heine-Mitarbeiter versucht, die Busse zum Laufen zu bringen – vergeblich. „Da hat es uns wortwörtlich eiskalt erwischt“, so Schneider. „So etwas habe ich die letzten zehn Jahre nicht erlebt.“ Die neuen Busse mussten schließlich in die Haslacher Halle geschleppt werden, damit sie dann Dienstagfrüh einsatzbereit sind. Vom Ausfall betroffen waren gestern die Linien eins (Waltersbühl, Wittwais, Berger Höhe), zwei (OSK, Deuchelried) und drei (Südring, Friedhof). Die restlichen Linien bediente ein alter Stadtbus, denn der hatte die Nacht in der Halle verbracht und läuft mit einem kälte-resistenteren Diesel.
Wiederstandsfähig gegen (relative) Kälte müssen derzeit auch Praßbergschüler beim Sportunterricht sein. Die alte Halle lässt sich maximal auf 16 Grad erwärmen. „Und dafür muss die Heizung schon die ganze Nacht durchlaufen“, so Schulleiter Siegbert Wucherer. „Wegen der niedrigen Temperatur sind schon von Lehrern Beschwerden gekommen.“
Im Hauptschultrakt ist die arktische Kälte ebenfalls zu spüren. Die jetzt 57 Jahre alten, undichten Holzfenster werden erst im Lauf des Jahres ausgetauscht, und so müssen die alten Heizkörper derzeit fast schon glühen, damit es in den Klassenzimmern wenigstens 20 Grad warm wird. „In den Pausen versammeln sich die Schüler dann immer um die Heizkörper“, so Wucherer, der gestern die Gelegenheit wahrnahm, um an den Fenstern Eisblumen-Fotos zu machen. Und: „Eigentlich haben wir ja einige Energieprojekte laufen und bringen den Kindern bei, Energie zu sparen. Aber derzeit machen wir das Gegenteil.“
Das Gegenteil von Fahren machen derzeit auch viele Autobesitzer: nämlich stehen. Betroffen sind vor allem Fahrzeuge mit Diesel-Kraftstoff. „Bei diesen Temperaturen gerät der Diesel an seine Grenzen“, weiß Rudi Karrer, Servicetechniker beim VW-Händler Auto Martin in Kißlegg. „Wir haben auch ein paar Fälle von Batterien, die schlapp machen, aber bei 90 Prozent aller stehengebliebenen Fahrzeuge ist es eine Kraftstoffgeschichte.“
Abhilfe könnten unter Umständen sogenannte Fließverbesserer machen, aber die seien in manchen Tankstellen oder Geschäften schon ausverkauft. Und so wird man auch in den nächsten Tagen regelmäßig liegengebliebene Autos oder Laster am Straßenrand stehen sehen. Karrer: „Unser Pannenfahrzeug ist rund um die Uhr im Einsatz.“ Ständig im Einsatz ist auch der Notdienst der Wissmann GmbH. Meistens werden die Mitarbeiter wegen gefrorener Wasserleitungen gerufen. „Das geht bei uns nonstop“, sagt Gisela Arnold, Geschäftsführerin der Wangener Firma für Heizung, Bad, Dach und Fassade.
Warm anziehen muss sich aber nicht nur derjenige mit kaputter Heizung oder Wasserrohren, sondern auch diejenigen, die draußen arbeiten. „Wir versuchen, die Arbeiten draußen auf das Nötigste zu beschränken“, sagt Martin Blum vom Wangener Bauhof. „Und wer trotzdem raus muss, hat die Möglichkeit, sich alle paar Stunden durchzuwärmen.“ Nach dem Motto: Ein bisschen Wärme braucht der Mensch. Die ist aber auch in den nächsten Tagen noch nicht in Sicht – in der „Arktis Allgäu“.
(Erschienen: 06.02.2012 20:05)




































