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„Für uns Burschen war Eisdiva Brigitte eine Augenweide“

Chronisten des Wangener Eissports stellten sich am Samstag den Fragen von Talkmaster Peter Beck (rechts): Heiner Strotmann, Imelda Täuber, Helmut Riedmüller, Brigitte Rumszauer, Peter Büchele und Roland Zettler (von links).
Chronisten des Wangener Eissports stellten sich am Samstag den Fragen von Talkmaster Peter Beck (rechts): Heiner Strotmann, Imelda Täuber, Helmut Riedmüller, Brigitte Rumszauer, Peter Büchele und Roland Zettler (von links).

WANGEN / sz Das „Alles-gut-bedacht“-Fest am Samstag in Wangen ist für den Förderverein Kunsteisstadion Stefanshöhe ein voller Erfolg gewesen. Viele Besucher informierten sich über die geplante Überdachung der Eisbahn und es wurde fleißig gespendet. Einer der Höhepunkte war die Podiumsdiskussion mit ehemaligen Eissportlern.

Von unserer Mitarbeiterin  Vera Stiller

An einem Sommermorgen bei 25 Grad im Schatten über den Eissport reden? Wer Brigitte Rumszauer, Imelda Täuber, Peter Büchele, Helmut Riedmüller, Heiner Strotmann und Roland Zettler zuhörte, wie sie noch immer voller Leidenschaft von den längst vergangenen Eislaufzeiten auf dem Platz am Buch erzählten, der war sich sicher: Auch bei Minustemperaturen hätten die sechs Chronisten das Eis zum Schmelzen bringen können.

Es war Peter Beck, der sich auf dem Marktplatz-Podium als ebenso versierter wie charmanter „Talkmaster“ erwies. Wobei er nicht nur Gehörtes, sondern auch Selbsterlebtes mit in seine Fragen einbrachte. Ohne dies wäre sicherlich so manches im Verborgenen geblieben. Wie beispielsweise die Tatsache, dass „Eisdiva“ Brigitte Rumszauer, die damals noch Vetter hieß, „für uns Burschen eine Augenweide war“. Oder dass Helmut Riedmüller, „der damals jüngste und zugleich talentierteste Eishockeyspieler“, Mannschaftskollege Peter Büchele beim Anziehen der Schlittschuhstiefel behilflich war und dafür jeweils ein Spezi kassierte.

Roland Zettler, Württembergischer Eiskunstmeister des Jahres 1958, verriet das Geheimrezept seines Vaters Josef für ein „besonders gutes Eis“. Wie das ging? Man holte warmes Wasser aus der Badeanstalt an der Leutkircher Straße, brachte es mittels eines Mostfasses auf die Eisfläche auf und präparierte diese dann mit einem Teppichlappen.

„Josef Zettler hat uns allen gezeigt, wie Eislauf geht“, war von Brigitte Rumszauer zu erfahren. Brigitte Rumszauer geriet geradezu ins Schwärmen, als sie sich an die mit Roland Zettler gemeinsam gedrehten Runden erinnerte: „Unsere bevorzugten Tänze waren Walzer, Tango und Quickstep.“ Noch immer scheint sie traurig darüber zu sein, dass der Eisplatz im Buch 1968 zugeschüttet und damit für den Eissport unbrauchbar wurde. „Der Weiher war mit seinen Fröschen auch im Sommer herrlich“, so die engagierte Tierschützerin.

Dass die Eisfläche freigegeben war, erfuhr Imelda Nusser (heute Täuber) aus der Ravensburger Straße immer dann, wenn Musik an ihr Ohr drang. „Da war ich nicht mehr zu halten und bin wie ein Blitz losgesaust“, erzählte die begeisterte Eistänzerin von einst. Nach dem Aus in Wangen wechselte sie zur Kunsteisbahn nach Lindau, der sie bis zu ihrer Hüftoperation die Treue hielt.

Die Gedanken von Heiner Strotmann gingen in die Zeit zurück, als das Eishockey mit Trainer Rudi Vogg einen Aufschwung erfuhr und man nicht nur in der württembergischen Kreisliga spielte, sondern 1961/62 sogar Meister wurde und in die Regionalliga Süd aufstieg. Auf die Frage, wer denn die Bande um den Eisplatz herum gebaut habe, antwortete Strotmann: „Als Holzfachmann war ich maßgeblich daran beteiligt, aber alle anderen haben fleißig mitgeschafft. Wir hatten am Ende einen Riesenstolz, aber es war auch eine Sauarbeit!“

Peter Büchele, der „legendäre Abwehrspieler“, der zusammen mit Jürgen Pelkner, Herbert Scheck und Werner Büchele, „den Gegnern Angst und Schrecken einjagte“, nannte Trainer Rudi Vogg einen „Sklaventreiber, der uns aber auf den richtigen Weg gebracht hat“. Heiterkeit rief Büchele hervor, als er das Bild von der Mannschaft malte, die zum Sonthofener Training mit Voggs Milchwagen gelangte.

Schließlich berichtete Helmut Riedmüller von den Jahren, „als man neidvoll auf Ravensburg schielte, sich mächtig anstrengte und trotzdem um eine Klasse schlechter blieb“. Nachdem der Eisplatz aufgegeben werden musste und sich der Ersatz am Hammerweiher wie der an der Praßberg-Sporthalle als unbespielbar erwiesen hatte, hängte auch das Mitglied der württembergischen Jugendauswahl seine Schlittschuhstiefel an den Nagel.

Dem Wunsch Riedmüllers, dass der Wangener Eissport eine „überdachte Zukunft“ hat, kam der Verein ein Stück näher: Über 150 Personen kauften zusammen rund 600 Quadratmeter Dachfläche und zahlten pro Quadratmeter zehn Euro. Nicht zu vergessen seien „einige Großspender in den Wochen zuvor“. „Jetzt ist die Stadt gefordert, endlich in konkrete Planungen einzusteigen“, so der Verein. „Auf die Wangener Eissportgemeinde kann sich die Verwaltung verlassen. Wir schaffen die zugesagte Kostenbeteiligung von 100 000 Euro.“

(Erschienen: 28.06.2010 14:10)

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