Stadtnachrichten Leutkirch
Satter Blues und knackige Rocksongs

Nick Woodlands Gitarrenriffs sind mehr, als Worte sagen können. Ihn muss man hören. Versteckt unter einem schwarzen Zylinder und hinter der ewig rutschenden Nickelbrille kommen die Gesichtszüge hervor und sein englischsprachiger Akzent, wenn er very british seine sparsamen Ansagen macht.
Nick Woodland, 1951 in London geboren und als Jugendlicher im Münchner Musikmekka der 1970er angekommen, ist kein Entertainer, der seine Zuhörer anheizt. Er ist leidenschaftlicher Musiker. Mit ihm Klaus Reichardt an Keyboards und Pedal Steel Guitar, der junge Drummer Manfred Mildenberger und Tom Peschel am Bass. „Hey, baby, it’s a beautiful world“, hoben sie an, gänzlich ohne Aufwärmphase, nüchtern, klar und direkt. Einen erdigen rauen Blues legten sie vor, daneben Rocksongs, die in ihrer hymnischen Monumentalität eines „Watching the Egyptians“ an die irren, nie enden wollenden und sich immer noch steigern könnenden höhenflugverdächtigen Gitarrensoli einstiger Rockbandkracher erinnern.
Schaurig-schön
Mit dem schaurig schönen Titel „Little Puppet“ drang untergründig am Bass die sich über weite Strecken aufbauende und gehaltene Spannung durch, bevor sie sich brodelnd entlud und Anverwandtschaft mit The Doors’ Langversionen signalisierte.
Aber Nick Woodland, der als Sideman Musikgeschichte geschrieben hat und zu einem der bestgebuchten Studiogitarristen aufstieg, kann auch ganz anders. Über Irish Folklastiges bin hin zu Wiener Kaffeehausmusik oder einem traurigen Blues, der mit „It’s a different world to take that train into town“ einsetzte.
Zwischendrin erzählte er von einem Erlebnis in Bad Wurzach, als er dort vor vielen Jahren in einer Tanzkapelle (wohl im Tanzcafé Elsa) gespielt hat. Noch kein Wort Deutsch verstand, ganz zu schweigen von Schwäbisch, sie nach jedem Stück drei Minuten pausieren mussten, aber die Bühne nicht verlassen durften, um eine Zigarette rauchen zu können. „Oh, dear!“, welch eine üble Zeit, aber zum Glück nicht in Leutkirch. Auch, wenn der Besucherandrang sich in Grenzen hielt und das Mittanzen sich auf die vordere Reihe beschränkte.
Begeistert haben neben dem genialen Gitarristen sein hochmotivierter Schlagzeuger, mit dem zusammen eine amüsante Performance auf die Bonanza-Melodie aus dem Hut zauberte, und die Duette mit dem versierten Keyboarder Klaus Reichardt. Als was Flottes gab es einen Boogie Woogie à la „Rocket Coffee“, der sich auf seinem jüngsten Live-Album „Something I heard“ befindet. Mit einem „Salut Leutkirch“ und einem Happy New Year“ verabschiedete sich Nick Woodland, eine Menge musikalisch magischer Momente hinterlassend.
(Erschienen: 30.12.2012 16:55)

Nick Woodlands Gitarrenriffs sind mehr, als Worte sagen können. Ihn muss man hören. Versteckt unter einem schwarzen Zylinder und hinter der ewig rutschenden Nickelbrille kommen die Gesichtszüge hervor und sein englischsprachiger Akzent, wenn er very british seine sparsamen Ansagen macht.
Nick Woodland, 1951 in London geboren und als Jugendlicher im Münchner Musikmekka der 1970er angekommen, ist kein Entertainer, der seine Zuhörer anheizt. Er ist leidenschaftlicher Musiker. Mit ihm Klaus Reichardt an Keyboards und Pedal Steel Guitar, der junge Drummer Manfred Mildenberger und Tom Peschel am Bass. „Hey, baby, it’s a beautiful world“, hoben sie an, gänzlich ohne Aufwärmphase, nüchtern, klar und direkt. Einen erdigen rauen Blues legten sie vor, daneben Rocksongs, die in ihrer hymnischen Monumentalität eines „Watching the Egyptians“ an die irren, nie enden wollenden und sich immer noch steigern könnenden höhenflugverdächtigen Gitarrensoli einstiger Rockbandkracher erinnern.
Schaurig-schön
Mit dem schaurig schönen Titel „Little Puppet“ drang untergründig am Bass die sich über weite Strecken aufbauende und gehaltene Spannung durch, bevor sie sich brodelnd entlud und Anverwandtschaft mit The Doors’ Langversionen signalisierte.
Aber Nick Woodland, der als Sideman Musikgeschichte geschrieben hat und zu einem der bestgebuchten Studiogitarristen aufstieg, kann auch ganz anders. Über Irish Folklastiges bin hin zu Wiener Kaffeehausmusik oder einem traurigen Blues, der mit „It’s a different world to take that train into town“ einsetzte.
Zwischendrin erzählte er von einem Erlebnis in Bad Wurzach, als er dort vor vielen Jahren in einer Tanzkapelle (wohl im Tanzcafé Elsa) gespielt hat. Noch kein Wort Deutsch verstand, ganz zu schweigen von Schwäbisch, sie nach jedem Stück drei Minuten pausieren mussten, aber die Bühne nicht verlassen durften, um eine Zigarette rauchen zu können. „Oh, dear!“, welch eine üble Zeit, aber zum Glück nicht in Leutkirch. Auch, wenn der Besucherandrang sich in Grenzen hielt und das Mittanzen sich auf die vordere Reihe beschränkte.
Begeistert haben neben dem genialen Gitarristen sein hochmotivierter Schlagzeuger, mit dem zusammen eine amüsante Performance auf die Bonanza-Melodie aus dem Hut zauberte, und die Duette mit dem versierten Keyboarder Klaus Reichardt. Als was Flottes gab es einen Boogie Woogie à la „Rocket Coffee“, der sich auf seinem jüngsten Live-Album „Something I heard“ befindet. Mit einem „Salut Leutkirch“ und einem Happy New Year“ verabschiedete sich Nick Woodland, eine Menge musikalisch magischer Momente hinterlassend.
(Erschienen: 30.12.2012 16:55)



































