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Der Schnarragagges ist eine Familienliebe

Robert Eisenhöfer gibt Gewand, Maske und Laterne weiter an Sohn Patrick
Robert Eisenhöfer hat die Rolle des Schnarragagges vor dieser Fasnetsaison abgegeben an Sohn Patrick.
Robert Eisenhöfer hat die Rolle des Schnarragagges vor dieser Fasnetsaison abgegeben an Sohn Patrick. (Foto: Dillinger)

Von Yannick Dillinger

Kisslegg Er ist die Schandfigur der Kißlegger Fasnet, trägt Büßergewand, Maske und Laterne, wird von Wächtern begleitet, erhält durchaus mal den einen oder anderen Schlag auf die lange Nase und ist trotz oder gerade wegen alledem der Liebling der Massen: der Schnarragagges. Acht Jahre lang hat sich Robert Eisenhöfer Saison für Saison das Gewand mit all seinen Würden und Pflichten übergestreift, acht Jahre lang wurde aus dem 47-Jährigen, der vor langen Jahren aus Rheinland-Pfalz ins Allgäu kam und hier eine neue Heimat fand, immer und immer wieder der Schnarragagges.

Schluss, aus, vorbei: Seit diesem Jahr gibt's einen Neuen im Gewand – einen, der ebenfalls auf den Nachnamen Eisenhöfer hört: Roberts Sohn Patrick (22) hat Büßergewand, Maske und Laterne vom Papa übernommen, empfindet es als „große Ehre, den Schnarragagges darstellen zu dürfen“. Für seinen Vater war's vor allem eins: eine logische Konsequenz. Denn eine Ehre sei die neue Aufgabe richtigerweise zwar schon für den Sprössling, Neuland aber keineswegs: Patrick hat schon des Öfteren gefühlt, wie es ist, die Schandfigur der Kißlegger Fasnet zu sein, hat das eine oder andere Mal den Vater vertreten, wenn der dann doch mal privat oder beruflich verhindert war. „Mein Sohn ist quasi bei mir in die Lehre gegangen“, sagt Robert Eisenhöfer – und lacht schallend, als wolle er all den Trennungsschmerz übertönen. Denn leicht, nein leicht ist ihm der Abschied von Büßergewand, Maske und Laterne wirklich nicht gefallen. Der Schnarragagges fehle ihm schon jetzt, gibt er zu.

Und das, obwohl die Rolle der be- und geliebten Schandfigur laut Eisenhöfers mitunter auch einiges an Qualen mitbringt. „Hudelmale können vor einem Sprung schon mal sagen: ,Heute sind's minus 15 Grad, da bleibe ich daheim.‘ Der Schnarragagges kann das nicht“, erklärt Patrick. Er müsse immer dabei sein. Und das, wo in einer langen Fasnet doch durchaus mal bis zu 20 Auftritte zusammenkommen können. Drum sagen Vater und Sohn auch einhellig: „Schnarragagges – das geht nur mit viel Kraft, Ausdauer, Zeit, einem großen Bezug zur Fasnet und Spaß an der Aufgabe.“

Alles Attribute, die Robert Eisenhöfer seinem Sprössling ohne Wenn und Aber zuschreibt. Deshalb habe er auch nie jemand anderes für seine Nachfolge im Auge gehabt. „Für mich war klar: Wenn ich aufhöre, dann soll Patrick übernehmen.“ Wie gut, dass das auch ganz im Sinne des Sohnes war. Der hat mit seinem Chef den Deal, während der Fasnet am Wochenende nicht arbeiten zu müssen – alles für den Schnarragagges.

Doch wieso hört Vater Robert überhaupt auf? Weshalb streift er sich seit dieser Fasnet das „ich gebe zu: schöne, aber für mich doch etwas gewöhnungsbedürftige Zunftratshäs“ statt dem des Schnarragagges über? Warum verzichtet er freiwillig auf Ereignisse wie damals nach der Freinacht in Weingarten, als er, der Schnarragagges, mit a) der falschen Zunft an b) den falschen Bus gelaufen ist und c) erst nach einigen Minuten der völligen Verzweiflung dann doch von seinen Hudelmale abgeholt wurde? „Weil acht Jahre einfach genug sind und man als Familienvater auch Pflichten hat“, erklärt Robert Eisenhöfer.

Seine Familie habe ihn immer voll unterstützt, ohne sie wäre die lange Zeit gar nicht möglich gewesen. Nun sei es an der Zeit, Danke zu sagen und abzutreten. Er habe all die Jahre „ganz viel Wertschätzung und Fürsorge“ erfahren, viele tolle Erlebnisse gehabt, besonders den netten Umgang aller Hudelmale und Zuschauer zu schätzen gewusst. Jetzt seien es andere Aufgaben, die er mit vollem Herzblut erfüllen wolle. Zum Beispiel die eines vollständigen Zunftratsmitglieds. Seit drei Jahren übt er diese Tätigkeit kommissarisch aus – seit dieser Fasnet komplett. Und langweilig wird ihm ganz bestimmt nicht: „Als Veranstaltungswart gibt's genug zu tun“, versichert der Schnarragagges a.D.

Genug zu tun hat seit einigen Wochen auch Sohn Patrick. Wochenende für Wochenende trägt er Büßergewand, Maske und Laterne, wird zum Schnarragagges. Und wenn er irgendwann mal doch nicht kann: In seiner Familie gibt es einen, der mit Sicherheit das eine oder andere Mal aushelfen würde...

Wer den amtierenden und den ehemaligen Schnarragagges mal kennenlernen will: Am Samstag, 11. Februar, 20.11 Uhr, startet der große Zunft- und Bürgerball in der Turnhalle Kißlegg. Rund anderthalb Stunden gibt's närrisches Programm, anschließend bittet mit den Frankenräubern immerhin die bayrische Coverband des Jahres zum Tanz. Karten für den Zunft- und Bürgerball gibt's an der Abendkasse für neun Euro, im Vorverkauf bei Elektro Schneider für sieben Euro.

(Erschienen: 07.02.2012 18:45)

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