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„Give me Moor“ – Kißlegg setzt auf natürlichen Naturschutz

Regionales Moorentwicklungskonzept abgeschlossen – Nutzungs- und Eigentumsverhältnisse stellen Herausforderungen dar
So kann ein Moor idealerweise aussehen. In Kißlegg ist die Renaturierung bei einigen Gebieten angedacht, in anderen schon losgegangen. Ziel ist, das Potenzial der Moore, zur CO2-Vermeidung beizutragen, auszuschöpfen.
So kann ein Moor idealerweise aussehen. In Kißlegg ist die Renaturierung bei einigen Gebieten angedacht, in anderen schon losgegangen. Ziel ist, das Potenzial der Moore, zur CO2-Vermeidung beizutragen, auszuschöpfen. (Foto: Shutterstock)

Von Yannick Dillinger

Kisslegg Die Kißlegger Moore haben prinzipiell ein hohes Potenzial, zum Schutz der ökologischen Vielfalt und zur CO2-Vermeidung beizutragen. Dazu müsste allerdings die Renaturierung weiter vorangetrieben werden. Das wird aufgrund von Nutzungs- und Eigentumsverhältnissen aber erheblich erschwert.

Das sind die wohl wichtigsten Erkenntnisse aus dem am Freitag nach zweieinhalb Jahren abgeschlossenen Regionalen Moorentwicklungskonzept (Remoko). Zweieinhalb Jahre, in denen geforscht, diskutiert, kartiert und bewertet wurde – stets im Auftrag der Natur und dem Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Letzteres hatte das Institut für Landschaft und Umwelt der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen gebeten, eben jenes Schutzpotenzial der Moore anhand dem Gebiet rund um Kißlegg einzuschätzen. Die Wissenschaftler holten dabei früh viele interessierte Bürger und die Gemeinde ins Boot, drangen tief in die Materie ein – und lieferten schnell erste Ergebnisse.

Ergebnisse, über deren Existenz sich Kißleggs Bürgermeister Dieter Krattenmacher grundsätzlich freut – unabhängig von deren Inhalt. „Viele Menschen machen sich in Zeiten der CO2-Diskussion und der Umwandlung von Grünland in Äcker Sorgen um die Böden. Das Remoko hat damit den Nerv der Zeit getroffen“, sagte er am Freitag. Die Ergebnisse im Detail dürften dem Rathauschef allerdings zumindest einige Fragen aufwerfen: Denn zwar haben prinzipiell 60 Prozent der untersuchten Moorgebiete eine hohe Klimaschutzfunktion – so sie denn renaturiert werden. Allerdings lässt diese Zahl die Nutzungs- und Eigentumsverhältnisse außen vor.

Hintergrund, der das Ganze aber schwierig macht: Besserer Natur -, Boden- und Klimaschutz kann bei Mooren nur gelingen, wenn die Nutzungs- und Eigentumsverhältnisse beachtet werden und die Eigentümer bereit sind mitzumachen. Anhand des Finkenmooses verdeutlichte Projektmanager Dr. Markus Röhl von der Hochschule die Klimaschutzmöglichkeiten im Moor: „Bei einer Wiedervernässung könnten hier Treibhausgase von rund 2,6 Millionen Kilometern an Autofahrten pro Jahr eingespart werden“, sagte er.

Großes Verbesserungspotential gibt es laut Experte auch in Sachen Biotopschutzfunktion der Kißlegger Moore. Auch hier führte Dr. Markus Röhl mit dem Bustenmoos ein praxisbezogenes Beispiel an. „Hier wäre eine Entwicklung von arten- und strukturreichen Moorwäldern auf rund 57 Hektar denkbar“, erklärte der Experte. Alles Zahlen, die Dieter Krattenmacher dazu veranlassten zu versichern, die Pflege der Kißlegger Moore weiter voranzutreiben. „Jetzt haben wir zum ersten Mal ein wissenschaftlich fundiertes Konzept, wie sinnvoller Bodenschutz betrieben werden kann“, sagte er. Diese Erkenntnisse seien beispielsweise schon in die Ausgleichsplanung des IKOWA eingeflossen, wo ein Schwerpunkt im Finkenmoos gebildet werden soll.

Wie gut, dass die Mitarbeiter von Remoko am Freitag nicht nur Ergebnisse, sondern auch einen Umsetzungsplan dabei hatten. Demnach ist die Renaturierung im Gründlenried bereits abgeschlossen, die im Arrisrieder Moos läuft über ein EU-Programm. Außerdem ist geplant, das Finken-, Breit- und Ellerazhofer Moos anzugehen. „Gerne würden wir unsere Arbeit in dieser Gemeinde, in der wir so toll aufgenommen und unterstützt wurden, fortsetzen“, sagte denn auch Professor Dr. Konrad Reidl, Institutsleiter an der Hochschule Nürtingen-Geislingen. Eine finanzielle Unterstützung für eine etwaige Fortsetzung der Arbeit stellte Renate Riedinger vom Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Aussicht. Sie freue es, „dass mit diesem Konzept auch der mögliche Beitrag von Mooren am Naturschutz Beachtung findet“.

(Erschienen: 14.01.2012 16:00)

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