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Naturlyrik trifft sich mit abstrakter Malerei

Stefanie Kemper hat ihr fünftes Buch herausgebracht – Sie wohnt gerne einsam am Ortsrand von Maierhöfen
Stefanie Kemper hat einen neuen Gedichtband herausgebracht.
Stefanie Kemper hat einen neuen Gedichtband herausgebracht. (Foto: Rau)

Von Barbara Rau

Maierhöfen Stefanie Kemper hat einen neuen Gedichtband herausgebracht. Die Autorin hat sich für „Raps geht im Wind“ mit der in Nersingen lebenden Malerin Johanna Hoffmeister zusammengetan. Kempers Naturlyrik wird so durch farbkräftige abstrakte Malerei ergänzt.

„Ich könnte noch einsamer wohnen“, sagt Stefanie Kemper. Die Autorin wohnt seit 1978 auf dem Land, am Ortsrand von Maierhöfen, aber selbst das ist ihr nicht immer abgeschieden genug. Die Naturliebe spricht aus jedem Gedicht ihres neuen Gedichtbandes und die Naturliebe war es auch, die sie zur Lyrik brachte, „Anfängerthema“ nennt sie es. Das Schreiben kam eher schleichend, sagt die Diplombiologin, Jahrgang 1944, „ich wollte meine Naturliebe formulieren.“ Aus beruflichen Gründen war sie von Berlin ins Allgäu gekommen, sie unterrichtete an der NTA in Isny medizinische Mikrobiologie und Immunologie, bis sie 1999 aus gesundheitlichen Gründen in Pension kam. „Wir hatten es sehr schön dort, ich hab das gern gemacht“, erinnert sie sich an die Zeit an der NTA.

Stefanie Kemper war ein Jahr alt, als die Mutter mit ihr aus Schlesien flüchtete, aufgewachsen ist sie in Bad Steben. „Ich bin sehr klassisch erzogen, MTA reicht für ein Mädchen, hat man damals gesagt“, erzählt sie lächelnd. Sie hätte sonst wohl Germanistik studiert. Als ihr Mann Gerd seinen ersten Arbeitsplatz hatte, konnte sie dann doch noch Biologie studieren. Weil Gerd in Berlin promovierte, lebte sie einige Jahre dort und unterrichtete an einer Gesamtschule. Der Kontrast zwischen Berlin und Maierhöfen könnte kaum größer sein, aber es reicht ihr, „ab und zu in die Anonymität der Großstadt einzutauchen.“

Im Dorf bringt sie sich in den Arbeitskreis „Kunst Kultur und Soziales“ ein, arbeitet in der Dorfbücherei mit und gehört zum Organisatorenteam des Skulpturenwegs, den sie selbst ebenfalls mit Texten bereichert hat. Die Balance zwischen Anbiederung und echter Nähe im Dorf zu finden, sei nicht ganz einfach, auch nach 30 Jahren nicht, gibt die sympathische Autorin zu, die auch im Gespräch jedes ihrer Worte abzuwägen scheint. Seit mehr als 20 Jahren schreibt sie nun, neben Lyrik auch Erzählungen. Der neue Gedichtband ist das fünfte eigene Buch, ihre Gedichte und Erzählungen sind aber auch in zahlreichen Anthologien, Almanachen und Zeitschriften vertreten.

Den ersten Versuchen des Reimens, war bald die Teilnahme an Lyrik-Seminaren bei namhaften Dichtern wie Karl Otto Conrady und an Lyrik-Meisterkursen beim Schwäbischen Kunstsommer Irsee gefolgt. Stefanie Kemper machte sich einen Namen und heute ist sie in mehreren literarischen Vereinigungen vertreten. Der Verband deutscher Schriftsteller gehört dazu, bei der Meersburger Autorenrunde ist sie Sprecherin. Sie war in der Jury der literarischen Vereinigung Signatur und ist noch in der Jury beim jährlichen Literaturpreis des Kulturforums Isny.

Gedichtzyklus „Knulp’scher Gesang“ vertont

„Mit René Giessen hab ich eine Menge Schönes erlebt“, sagt sie über die Zusammenarbeit mit ihrem Nachbarn, dem Mundharmonikavirtuosen und Komponisten. Er hat ihren Gedichtzyklus „Knulp’scher Gesang“ vertont. Die Welturaufführung war 2008 in Ankara mit dem deutsch-türkischen Orchester Jungenc. Die deutsche Uraufführung war ein Jahr später in Berlin. Giessen nehme immer wieder Texte von ihr mit, „dann breitet er sie aus und ihm kommt bald eine Idee oder nie.“ Über ihre Heimat Schlesien habe sie nie nachgedacht. Den Vorsitz des Wangener Kreises, der Gesellschaft für Literatur und Kunst „der Osten“ in Wangen, den sie jüngst übernommen hat, ist eher der Tatsache geschuldet, dass sie Monika Taubitz, die bisherige Vorsitzende, aus der Meersburger Autorenrunde kennt.

Bleibt zu hoffen, dass Kemper dennoch genügend Zeit bleibt, weiter Sätze zu schreiben wie: „Raps geht im Wind, wiegt im Winter grau grünliche Kurzhalme schickt im Sommer Fluglichter über gelbe Landwölbung …“

(Erschienen: 03.02.2012 16:45)

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