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Stadtnachrichten Isny

„Kulturprojekte haben es in der Demokratie schwer“

Pritzker-Preisträger Peter Zumthor bezieht zum ersten Mal Stellung zur Ablehnung seines Entwurfs
„Kulturprojekte haben es in der Demokratie schwer“
„Kulturprojekte haben es in der Demokratie schwer“

Von Michael Loskarn

Isny Pritzker-Preisträger Peter Zumthor hat am Mittwoch erstmalig in einem Brief an einige Befürworter des Projektes neues Stadttor Isny zur Ablehnung seines Entwurfes Stellung bezogen. Kernaussage: „Kulturprojekte in demokratischen Verfahren haben es schwer.“ Würden sie lediglich mit Kulturgewinn erklärt, „ist das für viele zu wenig“.

Pragmatische Mentalität der Allgäuer

Nach Ansicht Zumthors mache vielen Bürgern auch das Neue an sich Angst. „Eine Fortschreibung des Bewährten“ bevorzugten diese. Sehr pragmatisch sei die Mentalität der Allgäuer, stellte der Architekt fest und entspreche damit jener der Deutschschweizer.

Nicht einfach zu kommunizieren

Fragen wie „Was soll eigentlich in diesem Turm geschehen? Brauchen wir das überhaupt? Zuerst einen Turm erfinden und danach schauen, für was man ihn brauchen kann? muteten „dem Durchschnittsbürger wohl etwas seltsam an“, heißt es im Brief weiter. Von Hause aus sei dieser Durchschnittsbürger es nicht gewohnt, „etwas mit Umwegrentabilität“ zu erklären. „Wir investieren in dieses, damit später etwas anderes rentiert“, dies sei nicht einfach zu kommunizieren, erläutert der 68-Jährige in seinen Zeilen.

Momentan überwiegt die Enttäuschung

Außerdem ist für Zumthor fraglich, ob „wirklich alle Isnyer Bürger verstanden haben, dass der Turm ein Geschenk gewesen wäre, dass sie dafür nichts hätten bezahlen müssen“. Im Moment überwiege bei ihm die Enttäuschung. Dann werde wieder etwas wachsen, daran glaube er. In jedem Falle hätten die Initiatoren Kraft entwickelt, etwas sei entstanden, das „man ihnen nicht mehr wegnehmen kann“.

In tiefgreifende Depression verfällt der Schweizer derzeit wohl nicht. Denn, wie er mitteilt, habe er dieser Tage zwei Ingenieure aus Stuttgart getroffen, die sich erstaunt gezeigt hatten, dass die Isnyer den Entwurf nicht wollten. Spontan hätten sie Interesse gezeigt, den Turm nach Stuttgart zu holen, schreibt Peter Zumthor den Allgäuern.

(Erschienen: 11.02.2012 08:30)

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