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Ungeheuer vom Schwindelseebesteht den Test bravourös

SZ-Redakteurin Nina Jahnel schlüpft für einen Narrensprungin die Maske des Gumpa-Ma der Narrengilde Unterschwarzach
Siesch dr Butz gucka!? Der Gumpa-Ma ist die neue Maske der Narrengilde Unterschwarzach.
Siesch dr Butz gucka!? Der Gumpa-Ma ist die neue Maske der Narrengilde Unterschwarzach. (Foto: crr)

Von Nina Jahnel

Unterschwarzach (nin) - „Wow, cool!“, entfährt es meinem Freund, als ich vor ihn trete. Cool findet er allerdings nicht seine blonde, sonst Jeans und Pullover tragende Freundin, sondern den schwarzhaarigen, wilden Gumpa-Ma, den er jetzt vor sich hat. Dunkles Gesicht, eine riesige, nach unten gebogene Hakennase, Fischaugen, ein Fisch, der schon halb verschluckt noch aus dem Mund hervorragt und nicht zuletzt das riesige schwarze Heidschnuckenfell auf dem Kopf – der Gumpa-Ma ist ein düsteres Ungetüm. Und die Maske, in die ich am Sonntag geschlüpft bin, um mit der Narrengilde Schwaaz’r Butz Unterschwarzach beim Umzug in Alttann mitzuspringen.

Rückblende: Aitrach, Fasnetssamtag 2010. Die Reporterin damals im Schnepfenhäs der Wurzacher Narren. Auf dem Weg zum Aufstellungsplatz stichelte der Unterschwarzacher Gildemeister ob der Presse-Beteiligung augenzwinkernd Richtung Wurzach. „Abwarten, wenn eurer neues Häs fertig ist, mache ich einen Testsprung“, konterte ich mit einem Grinsen. Nun – heuer konnte ich dieses Versprechen einlösen.

Der Gumpa-Ma ist die zweite Maske der Unterschwarzacher Narrengilde. Die Figur steht im Zusammenhang mit der Sage vom Schwarzacher Herrn, seiner morgenländischen Sklavin und dem Ungeheuer vom Schwindelsee. Der Gumpa-Ma – Gumpen sind Vertiefungen in Bachläufen oder Seen – stellt dieses Ungeheuer dar. Eine grausige Gestalt, die im Schwindelsee hauste. In diesen See hatten der Sage zufolge die Getreuen des Herrn von Schwarzach dessen Kind von einer morgenländischen Sklavin geworfen. Man erzählte sich, dass das Kind nach dieser grausamen Tat sein Unwesen als menschenähnliches Ungetüm treibe, das jeden das Fürchten lehrte, der an den Schwindelsee kam.

Die Idee zum Gumpa-Ma entwickelte sich vor knapp drei Jahren. Die Unterschwarzacher Jugend hatte signalisiert, dass sie Interesse an der Narrengilde habe, aber statt des freundlichen Butzen lieber eine wilde Figur hätte. Auch der hohe Preis für ein Butzenhäs sei ein Grund gewesen, eine neue und günstigere Figur zu entwerfen. Also machten sich die Butzen ans Werk. „Die Maske haben wir komplett selbst entworfen“, sagt Gildemeister Paul Riß stolz. Melli Münch hat sie gezeichnet und nach den Vorstellungen der Gilde immer wieder verändert, bis ein stimmiges Bild entstanden war. Daraus hat der Haidgauer Maskenschnitzer Ernst Bendel einen Rohling erstellt – „der hat sofort gepasst“, so Riß. Dieser Rohling wurde übrigens am Sonntag in Alttann zum ersten Mal bei einem Narrensprung getragen – welch eine Ehre!

Nach der Idee der Grauen Eminenz

Genäht hat die Häser Maria Baumgartner aus Seibranz. Die Idee zu den Bemalungen auf Ärmeln und Hosenbeinen stammt von Herbert Mayer aus Gebrazhofen, der „Grauen Eminenz des Alemannischen Narrenrings“, wie Gildemeister Riß sagt. Butz-Vize Michaela Moos hat die Pflanzen, die auf die Flora am Schwindelsee hindeuten sollen, auf die Häser übertragen.

Zum Häs gehört außerdem ein Fischernetz mit Unterschwarzacher Wappen, das um den Oberkörper getragen wird. Das Netz hat es in sich – das sollte ich am Sonntag merken. Dem ersten prüfenden Blick des Gildemeisters, als ich mich ihm nach dem Zunftmeisterempfang im Bürgerhaus als Gumpa-Ma präsentiere, halte ich schon mal stand. Sehr gut. Auch die anderen Gumpa-Ma, die ich am Aufstellungsplatz treffe, nicken zustimmend.

Doch halt – einer Butzin fällt auf, dass ich mit dem rechten Arm noch nicht durch das Fischernetz geschlüpft bin. Sie zupft ein bisschen an mir herum, bis alles sitzt. Wir laufen an Position 36, ziemlich in der Mitte. Bis wir dran sind, setze ich die Maske noch nicht auf – auch wenn sie ganz schön schwer wiegt in meinem Arm. „Was muss ich denn machen als Gumpa-Ma?“, frage ich noch einen meiner Mitspringer. „Guatsle verteilen“, sagt er lachend. Ich will mich schon einmal mit ein paar Bonbons „bewaffnen“ und verheddere mich dabei erst einmal im Fischernetz. Kaum befreit, geht plötzlich alles ganz schnell, wir sind dran! Also, Maske aufs Gesicht, Haare drunter verstecken, Fell zurechtrücken – und dann los!

Mit den anderen Gumpa-Ma und Butzen laufe ich den Umzugsweg in Alttann entlang. Mal nach links zu den Zuschauern, mal nach rechts. „Siesch dr Butz gucka!?“ rufe ich dabei – und glauben Sie mir, als Rei‘gschmeckte habe ich dafür ganz schön üben müssen – „Mit ra Zahlucka!“ schallt es zurück. Unter der Maske wird es ganz schön warm. Und das Gesichtsfeld ist ziemlich eingeschränkt. Ich schaffe es aber trotzdem, mit niemand zusammenzustoßen. Der Weg führt die Ortsdurchfahrt von Alttann hinab. Links und rechts stehen die Menschen, Groß und Klein, und rufen uns ein „Zahlucka“ zu. Am Ende geht es noch um eine Linkskurve, dann ist der Sprung auch schon wieder vorbei. Die Butzen vor mir setzen die Masken ab, also ziehe ich auch den schweren Gumpa-Ma vom Kopf. „Und, wie war’s?“ fragt mich eine langjährige Butzin und Kollegin, die übrigens unter dem Kürzel ds bekannt ist. Ich lache. „Schee war’s!“ Und die Gumpa-Ma-Maske? Die hat den Test eindeutig bestanden.

(Erschienen: 06.02.2012 21:50)

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