Nach Loveparade-Drama - Empörung über Schuldzuweisungen
Sogar von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kommen kaum verhohlene Rücktrittsforderungen. Doch Adolf Sauerland schiebt die Verantwortung an die Fachleute seiner Verwaltung weiter. So unbeliebt ist er in der eigenen Stadt geworden, dass er sich nicht zur Trauerfeier am Samstag traut — aber im Amt bleiben will der CDU- Politiker trotzdem.
Bei der Demonstration am Donnerstag schiebt ein Mann einen Holzgalgen vor sich her. Daran hängt eine Puppe mit Sauerlands Gesicht und einem Foto des Loveparade-Veranstalters Rainer Schaller in der Hand. „Wäre die Loveparade gelungen, würde Sauerland gerne die Verantwortung übernehmen“, brüllt einer durch das Megafon. Mit jedem Redebeitrag werden die Menschen wütender. Auch die Polizei wird kritisiert: „Sie haben mich davon abgehalten, zu helfen“, ruft ein anderer. Demonstrationsorganisator Markus Schröder kann die Menge erst beruhigen, als er um eine Schweigeminute für die Opfer bittet.
Oberbürgermeister Sauerland bleibt auch an diesem Tag abgetaucht, hat allerdings in zwei Zeitungsinterviews seine Sicht der Dinge dargestellt. Alle Fachleute seiner Verwaltung hätten dem Sicherheitskonzept zugestimmt, betont er da. Wenn es Fehler gab, seien das Fehler der ganzen Verwaltung. Und die Verantwortung der Stadt habe dem Konzept zufolge noch vor dem Tunnel zum Loveparade- Gelände geendet. Alles andere liege in der Hand des Veranstalters.
Das Wegducken und das Weiterschieben der Schuld seit dem Katastrophen-Wochenende geht somit weiter. Sauerland sieht den Schwarzen Peter bei Loveparade-Veranstalter Schaller. Der hatte Anfang der Woche vor allem die Polizei kritisiert. Die Retourkutsche kam prompt. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) warf Schaller vor, zu wenig Ordner eingesetzt zu haben. Beide — Schaller und Jäger — wiederum kritisierten auch die Stadt: Sie habe alles abgenickt und übernehme jetzt keine Verantwortung.
Alle Beteiligten reden inzwischen meist nur noch übereinander, nicht mehr miteinander. Und bei allen Statements scheinen jene Rechtsanwälte Regie zu führen, die die Kombattanten längst beraten. Schließlich drohen nach dem katastrophalen Scheitern der Veranstaltung Strafverfahren und millionenschwere Zivilklagen. Und die Versicherungssumme der Loveparade von 7,5 Millionen Euro dürfte bei 21 Toten und hunderten Verletzten schnell überschritten sein.
Vor diesem Hintergrund ist ein Schuldbekenntnis noch vor der Trauerfeier in der Duisburger Salvatorkirche am Samstag unwahrscheinlich. Die Veranstaltung wird in 20 weitere Stadtkirchen und das MSV-Stadion mit 25 000 Plätzen übertragen. Noch am Donnerstag ruft ein Demonstrant vor dem Rathaus: „Die Trauerfeier ist für die Leute, und nicht für den Bundespräsidenten. Hoffentlich stehen wir am Samstag nicht wieder eingequetscht hinter Absperrgittern.“
(Erschienen: 29.07.2010 16:55)
Sogar von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kommen kaum verhohlene Rücktrittsforderungen. Doch Adolf Sauerland schiebt die Verantwortung an die Fachleute seiner Verwaltung weiter. So unbeliebt ist er in der eigenen Stadt geworden, dass er sich nicht zur Trauerfeier am Samstag traut — aber im Amt bleiben will der CDU- Politiker trotzdem.
Bei der Demonstration am Donnerstag schiebt ein Mann einen Holzgalgen vor sich her. Daran hängt eine Puppe mit Sauerlands Gesicht und einem Foto des Loveparade-Veranstalters Rainer Schaller in der Hand. „Wäre die Loveparade gelungen, würde Sauerland gerne die Verantwortung übernehmen“, brüllt einer durch das Megafon. Mit jedem Redebeitrag werden die Menschen wütender. Auch die Polizei wird kritisiert: „Sie haben mich davon abgehalten, zu helfen“, ruft ein anderer. Demonstrationsorganisator Markus Schröder kann die Menge erst beruhigen, als er um eine Schweigeminute für die Opfer bittet.
Oberbürgermeister Sauerland bleibt auch an diesem Tag abgetaucht, hat allerdings in zwei Zeitungsinterviews seine Sicht der Dinge dargestellt. Alle Fachleute seiner Verwaltung hätten dem Sicherheitskonzept zugestimmt, betont er da. Wenn es Fehler gab, seien das Fehler der ganzen Verwaltung. Und die Verantwortung der Stadt habe dem Konzept zufolge noch vor dem Tunnel zum Loveparade- Gelände geendet. Alles andere liege in der Hand des Veranstalters.
Das Wegducken und das Weiterschieben der Schuld seit dem Katastrophen-Wochenende geht somit weiter. Sauerland sieht den Schwarzen Peter bei Loveparade-Veranstalter Schaller. Der hatte Anfang der Woche vor allem die Polizei kritisiert. Die Retourkutsche kam prompt. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) warf Schaller vor, zu wenig Ordner eingesetzt zu haben. Beide — Schaller und Jäger — wiederum kritisierten auch die Stadt: Sie habe alles abgenickt und übernehme jetzt keine Verantwortung.
Alle Beteiligten reden inzwischen meist nur noch übereinander, nicht mehr miteinander. Und bei allen Statements scheinen jene Rechtsanwälte Regie zu führen, die die Kombattanten längst beraten. Schließlich drohen nach dem katastrophalen Scheitern der Veranstaltung Strafverfahren und millionenschwere Zivilklagen. Und die Versicherungssumme der Loveparade von 7,5 Millionen Euro dürfte bei 21 Toten und hunderten Verletzten schnell überschritten sein.
Vor diesem Hintergrund ist ein Schuldbekenntnis noch vor der Trauerfeier in der Duisburger Salvatorkirche am Samstag unwahrscheinlich. Die Veranstaltung wird in 20 weitere Stadtkirchen und das MSV-Stadion mit 25 000 Plätzen übertragen. Noch am Donnerstag ruft ein Demonstrant vor dem Rathaus: „Die Trauerfeier ist für die Leute, und nicht für den Bundespräsidenten. Hoffentlich stehen wir am Samstag nicht wieder eingequetscht hinter Absperrgittern.“
(Erschienen: 29.07.2010 16:55)
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