Druck auf den schweigenden Papst wächst
Der Vatikan wandte sich gegen direkte Angriffe auf den Papst: „In den letzten Tagen gab es einige, die mit einer gewissen Verbissenheit in Regensburg und in München nach Elementen gesucht haben, um den Heiligen Vater persönlich in die Missbrauchsfragen mit hineinzuziehen“, sagte Sprecher Federico Lombardi in Rom. Diese Versuche seien jedoch gescheitert, meinte Lombardi.
„Wir sind Kirche“ sieht dagegen Erklärungsbedarf zu Joseph Ratzingers Zeit als Münchner Erzbischof 1977 bis 1982. Am Freitag hatte das Bistum Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigt, dass Ratzinger damals im zuständigen Gremium zustimmte, einen vorbelasteten Priesters von Essen nach München zu versetzen. Später schickte das Bistum den Mann in eine Gemeinde, in der er erneut Kinder missbrauchte und deshalb auch verurteilt wurde.
Weisner von „Wir sind Kirche“ widersprach der Ansicht des Münchner Erzbistums, wonach der frühere Generalvikar Gerhard Gruber die „volle Verantwortung“ in diesem Fall trage. Die letzte Verantwortung habe bei Ratzinger gelegen — wegen des „hierarchischen Prinzips“ in der Kirche, meint die Gläubigen-Organisation.
Unterdessen sieht sich Papst-Bruder Georg Ratzinger mit neuen Details aus seiner Zeit bei den Regensburger Domspatzen konfrontiert. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete, Missbrauch bei den weltbekannten Domspatzen, die Georg Ratzinger von 1964 bis 1994 leitete, habe es bis in die 90er Jahre hinein gegeben. Bisher ging es dort um Vorwürfe aus den 50er und 60er Jahren. Ein Ex-Schüler sagte, er sei in dem Internat bis 1992 von älteren Schülern vergewaltigt worden. In der Wohnung eines Präfekten sei es zu Verkehr zwischen Schülern gekommen. Ratzinger habe er als „extrem cholerisch und jähzornig“ erlebt. Vor ein paar Tagen hatte Ratzinger gesagt, von sexuellem Missbrauch nichts mitbekommen zu haben. Er bereute, früher geschlagen zu haben.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte mehr Details zu den Skandalen, die in den vergangenen Wochen ans Licht kamen. „Um das Ausmaß der Missbrauchsfälle vollständig erfassen und bewerten zu können, wäre es hilfreich, wenn dazu möglichst umfassendes und belastbares Zahlenmaterial von den betroffenen Institutionen vorgelegt würde“, sagte sie der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS).
Zugleich regte die FDP-Politikerin eine unabhängige Kommission an. Der Blick auf Länder wie Irland oder Amerika zeige, dass unabhängige Experten einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung leisten könnten.
Seit Ende Januar sind viele Dutzend Missbrauchsfälle in fast allen 27 katholischen Bistümern Deutschlands bekannt geworden. Der Skandal nahm am Berliner Jesuitengymnasium Canisius-Kolleg seinen Ausgang.
(Erschienen: 13.03.2010 16:10)
Der Vatikan wandte sich gegen direkte Angriffe auf den Papst: „In den letzten Tagen gab es einige, die mit einer gewissen Verbissenheit in Regensburg und in München nach Elementen gesucht haben, um den Heiligen Vater persönlich in die Missbrauchsfragen mit hineinzuziehen“, sagte Sprecher Federico Lombardi in Rom. Diese Versuche seien jedoch gescheitert, meinte Lombardi.
„Wir sind Kirche“ sieht dagegen Erklärungsbedarf zu Joseph Ratzingers Zeit als Münchner Erzbischof 1977 bis 1982. Am Freitag hatte das Bistum Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigt, dass Ratzinger damals im zuständigen Gremium zustimmte, einen vorbelasteten Priesters von Essen nach München zu versetzen. Später schickte das Bistum den Mann in eine Gemeinde, in der er erneut Kinder missbrauchte und deshalb auch verurteilt wurde.
Weisner von „Wir sind Kirche“ widersprach der Ansicht des Münchner Erzbistums, wonach der frühere Generalvikar Gerhard Gruber die „volle Verantwortung“ in diesem Fall trage. Die letzte Verantwortung habe bei Ratzinger gelegen — wegen des „hierarchischen Prinzips“ in der Kirche, meint die Gläubigen-Organisation.
Unterdessen sieht sich Papst-Bruder Georg Ratzinger mit neuen Details aus seiner Zeit bei den Regensburger Domspatzen konfrontiert. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete, Missbrauch bei den weltbekannten Domspatzen, die Georg Ratzinger von 1964 bis 1994 leitete, habe es bis in die 90er Jahre hinein gegeben. Bisher ging es dort um Vorwürfe aus den 50er und 60er Jahren. Ein Ex-Schüler sagte, er sei in dem Internat bis 1992 von älteren Schülern vergewaltigt worden. In der Wohnung eines Präfekten sei es zu Verkehr zwischen Schülern gekommen. Ratzinger habe er als „extrem cholerisch und jähzornig“ erlebt. Vor ein paar Tagen hatte Ratzinger gesagt, von sexuellem Missbrauch nichts mitbekommen zu haben. Er bereute, früher geschlagen zu haben.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte mehr Details zu den Skandalen, die in den vergangenen Wochen ans Licht kamen. „Um das Ausmaß der Missbrauchsfälle vollständig erfassen und bewerten zu können, wäre es hilfreich, wenn dazu möglichst umfassendes und belastbares Zahlenmaterial von den betroffenen Institutionen vorgelegt würde“, sagte sie der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS).
Zugleich regte die FDP-Politikerin eine unabhängige Kommission an. Der Blick auf Länder wie Irland oder Amerika zeige, dass unabhängige Experten einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung leisten könnten.
Seit Ende Januar sind viele Dutzend Missbrauchsfälle in fast allen 27 katholischen Bistümern Deutschlands bekannt geworden. Der Skandal nahm am Berliner Jesuitengymnasium Canisius-Kolleg seinen Ausgang.
(Erschienen: 13.03.2010 16:10)
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