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Der Bauernführer verkauft jetzt „Blutmilch“

Romuald Schaber.
Romuald Schaber.

BERLIN / sz „Blutmilch“ ist der reißerische Titel seines Buches, das gestern in Berlin vorgestellt wurde. Autor Romuald Schaber, Milchrevoluzzer aus dem Allgäu, erklärt den Titel so: „Billige Milch ist Blutmilch, denn der Preis, den uns die Konzerne diktieren, ist der Preis, an dem die Bauern sterben.“

Von unserer Redakteurin   Sabine Lennartz

Dass sein Weg ihn einmal auf die Frankfurter Buchmesse führen würde, war für den Petersthaler Milchbauern nicht vorgezeichnet. Doch der bäuerliche Bürgerrechtler Schaber („Steh auf, wenn Du ein Bauer bist“) kämpft seit Jahren nicht nur für faire Milchpreise – sondern auch gegen Höfesterben, Großkonzerne, Großinvestoren und für eine Milchwirtschaft, in der die Kühe weiter auf der grünen Wiese weiden und die Bauern von der verkauften Milch leben können.

„Es wäre fatal, wenn das Konzerndenken mit Vierteljahresbilanzen auch in der Landwirtschaft um sich greifen würde“, warnt Schaber. Deshalb müssten sich die Bauern zusammenschließen. Der 53-Jährige sieht die Interessen der Milchviehhalter beim Deutschen Bauernverband nicht gut vertreten und gründete deshalb vor zwölf Jahren als Konkurrenzveranstaltung den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), dem heute 30 000 Bauern angehören und dessen Vorsitzender er ist. Seinen eigenen Petersthaler Grünlandbetrieb mit 40 Kühen verlässt Schaber seitdem regelmäßig, um in Berlin, Brüssel oder anderswo für die Milchbauern einzutreten. Sogar ein eigenes Milch-Label der BDM-Bauern ist dabei herausgekommen: „Die faire Milch“ steht auf den Tüten, die für die Pressekonferenz aus dem Süden nach Berlin gebracht wurden. Romuald Schaber und der grüne Agrarexperte Friedrich Ostendorff prosten sich damit zu. „Nicht kuhwarm, sondern kühl, aber frisch“, mag er die Milch. Sie soll dem Bauern 40 Cent pro Liter eintragen und den Verbraucher 99 Cent kosten. „Nichts ist teurer als billige Milch“, so Schaber.

Der Allgäuer Dickschädel predigt landauf, landab: „Das ist nicht unser Problem allein, wenn der bäuerliche Familienbetrieb untergeht.“ Bauern seien das „Ferment, das Heimat schafft und Natur erhält“. Schaber will ein Ende der Überproduktion von Milch, das Angebot müsse angepasst werden, um nicht den ruinösen Wettbewerb für die Bauern zu verstärken. Im Milchbereich gebe es keinen funktionierenden Markt.

Schaber schlägt deshalb vor, dass künftig in einem Monitoring die Erzeuger mit den Molkereien und Verbraucherverbänden einen Zielpreiskorridor formulieren, und Menge und Angebot danach gestaltet werden. Gegenwind kommt von Michael Goldmann (FDP), dem Vorsitzenden des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft: „Der Milchpreis ergibt sich aus dem Marktgeschehen.“ Allerdings will auch er helfen, die Verbraucher dafür zu sensibilisieren, mehr Geld für gute Nahrungsmittel auszugeben.

Ansprechen will Schaber mit seinem Buch alle Landwirte, egal ob sie 2008/2009 mit ihm gestreikt haben oder nicht. Er will aber auch einen Blick hinter die Kulissen des Milchmarktes geben. Denn Schaber hat gelernt, „dass man Parlamentariern, Wirtschaftwissenschaftlern oder Bundeskanzlerinnen manches gelegentlich wieder erklären muss: Die Kuh, die Milch, den Hof, den Bauern, die Bäuerin.“ Das alles getreu seinem Allgäuer Motto: „Mir lond it luck.“

(Erschienen: 05.10.2010 21:55)

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