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Anzüglichkeiten sind in Russland ein Kavaliersdelikt

Wladimir Putin
Wladimir Putin (Foto: dpa)

Von Doris Heimann

Moskau Von Russlands erstem Präsidenten Boris Jelzin gibt es Aufnahmen, wie er bei einer internationalen Pressekonferenz erst seine Sekretärin unter der Achsel kitzelt und dann eine zweite Frau im Vorbeigehen in die Schulter kneift. Nun war der alkoholkranke Jelzin nicht immer voll zurechnungsfähig. Doch verbale und andere sexuelle Belästigungen werden in Russland auch heute noch gerne als Kavaliersdelikt abgetan. Das Klischee, die Frauen seien selbst schuld oder freuten sich über anzügliche „Komplimente“, ist weitverbreitet. Eine öffentliche Debatte über dieses Thema fehlt.

Das ist eigentlich erstaunlich, weil es in Russland wesentlich mehr Frauen in Führungspositionen gibt als in Deutschland. Und viele russische Managerinnen finden ihre Position durchaus vereinbar mit betont weiblicher Kleidung, starkem Make-up und Stiletto-Absätzen.

Vertreter der Macht sind in Russland eine elitäre Kaste

Sexistische Äußerungen sind auch in der Politik kein Tabu. So sagte Kremlchef Wladimir Putin über die Sex-Affären seines Freundes Silvio Berlusconi, dieser werde wegen „seines besonderen Verhältnisses zum schönen Geschlecht“ angegriffen, doch seine Kritiker seien in Wirklichkeit nur neidisch. Eine ähnlich bewundernde Äußerung über den israelischen Präsidenten Mosche Katzav, der mittlerweile wegen Vergewaltigung zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, ließ Putin später dementieren.

Russische Journalistinnen müssen allerdings nicht fürchten, beim Gespräch an der Bar von einem Politiker verbal belästigt zu werden. Denn die Vertreter der Macht sind in Russland eine elitäre Kaste. Und die hat Hintergrundgespräche mit der Presse gar nicht nötig.

Lesen Sie hier, wie die Sexismus-Debatte in anderen europäischen Ländern geführt wird.

Großbritannien: Sexismus längst ein Thema

Frankreich: Anmache gehört zum Alltag

Deutschland: Es geht um Macht und nicht um Männer

(Aktualisiert: 02.02.2013 11:55)

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