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Politik Deutschland

Höcke bekommt Holocaust-Mahnmal vor die Tür

Bornhagen dpa Das „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) hat auf einem Nachbargrundstück des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke das Berliner Holocaust-Mahnmal nachempfunden.

Aus Protest gegen eine umstrittene Rede Höckes in Dresden über den Massenmord an den europäischen Juden stellten Aktivisten des Künstlerkollektivs am Mittwoch nach eigenen Angaben 24 Betonstelen in Sichtweite von Höckes Haus im thüringischen Bornhagen auf.

„Wir wollen und können die grotesken Forderungen zur Geschichtspolitik nicht auf sich beruhen lassen“, erklärte der künstlerische Leiter Philipp Ruch laut Mitteilung. Eine Polizeisprecherin bestätigte, dass es sich um Höckes Wohnhaus handelt.

Lea Rosh begrüßt die Aktion

Die provokative Künstlergruppe forderte Höcke dazu auf, vor dem Denkmal in Berlin oder dem Nachbau in Bornhagen auf die Knie zu fallen und um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs zu bitten. Höcke selbst oder sein Sprecher waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Die Landespartei kündigte eine Pressekonferenz für den Nachmittag (15.00 Uhr) in Erfurt an.

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen sagte: „Es ist widerwärtig, dass so etwas in Deutschland überhaupt möglich sein kann.“ Seine Partei werde alles daransetzen, „dass diese sogenannten Künstler zur Rechenschaft gezogen werden“.

Die Mitinitiatorin des Berliner Holocaust-Mahnmals, Lea Rosh, begrüßte den Nachbau des Denkmals. „Das ist eine wunderbare Idee“. Die Aktion so kurz vor der Weihnachtszeit sei eine „herrliche Bestrafung“ für Höcke. So müsse er vor seinem Haus den Nachbau des Denkmals für die ermordeten Juden Europas erdulden.

Polizei ist mit kleinem Aufgebot vor Ort

Ein Kreis um Rosh und den Historiker Eberhard Jäckel (1929-2017) hatte den Bau des Mahnmals angeregt. Das Denkmal mit 2711 Betonstelen war 2005 eröffnet worden. Die Mahnmal-Stiftung in Berlin wollte sich zu der Aktion auf Anfrage nicht äußern.

Höcke gilt als Rechtsaußen der AfD und hatte Anfang des Jahres in seiner Rede in Dresden unter anderem mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal gesagt: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Für die Polizei stand am Mittwoch laut Sprecherin zunächst der Schutz von Höckes Wohnhaus im Vordergrund. „Dann werden wir prüfen, inwiefern ein möglicher Strafbestand vorliegt.“ Man sei mit einem kleinen Aufgebot vor Ort, sagte die Sprecherin.

Nicht die erste Aktion

Das „Zentrum für politische Schönheit“ ist bekannt für seine oft umstrittenen Inszenierungen. 2014 montierten die Aktivisten aus Protest gegen die EU-Flüchtlingspolitik 14 Gedenkkreuze für Maueropfer am Spreeufer ab, später brachten sie sie wieder zurück. Für eine fingierte Hilfsaktion zugunsten von Kindern aus Syrien fälschten sie eine Homepage des Familienministeriums. 2016 hielten sie über zwei Wochen vier lebende Tiger in einem großen Käfig vor dem Maxim-Gorki-Theater und kündigten mehrfach an, Flüchtlinge würden sich öffentlich „zerfleischen“ lassen.

Der Mahnmal-Nachbau in Thüringen ist nicht die erste Kunstaktion, die das Holocaust-Mahnmal und den Thüringer AfD-Partei- und Fraktionschef Höcke in Bezug setzt. Anfang des Jahres erstellte der Berliner Satiriker Shahak Shapira die Internetseite „Yolocaust.de“. Dort stellte er Fotos aus sozialen Medien zusammen, auf denen zumeist junge Touristen fröhlich an dem Denkmal posieren. Bewegte man den Mauszeiger über die Bilder, wurden die Protagonisten in Bilder aus NS-Vernichtungslagern montiert. In den sozialen Medien wurde die Seite oft in Bezug auf die Höcke-Rede geteilt. Auch Shapira stellte sein Projekt in diesen Zusammenhang.

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Kommentare (13)
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Man kann auch ohne hässliche Betonklötze erinnern.
Davon abgesehen muss man es den Deutschen nicht ständig unter die Nase reiben das ihre Vorfahren Scheiße gebaut haben, von Denen die dabei waren gibt es nur noch wenige und davon waren noch viel Weniger Beteiligte. Die Meisten die diese Zeit bewusst erlebt haben waren damals noch Kinder. Die Wenigen die sich noch aktiv am Holocaust beteiligt haben sind mittlerweile weit über 90 und die Wenigsten davon dürften freiweillig mitgemacht haben, einfach mal ausrechnen wie Alt diese Männer vor 72 Jahren waren.
Ich sehe das Unrecht von Damals aber sehe keine Verantwortung Meinerseits da erst über 20 Jahre nach Kriegsende geboren. Was gehen die Vorgänge weit vor meiner Geburt mich an? Davon mal abgesehen das es nicht nur Juden waren die Umgebracht wurden sondern auch Bürger die sich auflehnten, die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren, mit der falschen Person verheiratet oder einfach die falsche Person verärgerte. Ebenso eine große Zahl von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern deren "Schuld" einfach die falsche Nationalität war. Von diesen Getöteten will aber Keiner was wissen, geschweige denn ein Mahnmal erichten.
Aber nie war der Kampf gegen Hitler Stärker und Unbarmherziger als 72 1/2 Jahre nach seinem Ableben, das ca 12 Jahre zu spät kam.
Aber ebenso werden die ca 100 Millionen Opfer des Sozialismus und Kommunismus verschwiegen, auch da waren Nachbarn und Arbeitskollegen betroffen und diese Zeit ist auf deutschem Boden erst 28 Jahre her. Aber Niemand findet etwas dabei wenn ein OB Mao zitiert und sein Buch des Schreckens herumwedelt. Mann sollte ALLEN Opfern politischer Ideologien gedenken und nicht nur einem Teil. mehr

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@10/11
Es geht darum ob die Erinnerung an die Ermordung von Millionen Juden, von denen viele übrigens die Nachbarn und Arbeitskollegen – Achtung: Empathieattacke – unserer Großeltern waren, schandhaft ist oder stattdessen die Tat.
Einfach nur schlimm ihre Sichtweise, aber leider in Zeiten der AfD halt doch populär. mehr

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Zu 10
Sie haben vollkommen recht.Genau so ist es.

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Originaltext Rudolf Augstein [quote]Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität.[/quote] Wohl Dem der das richtige Parteibuch hat.
Vor Allem aber sollte man die Rede Höckee nicht nur auf dieses Zitat beschränken sondern im Kontext der Rede betrachten.
Im Übrigen ist das Mahnmal hässlich und von schlechter Qualität was das Material angeht. Berliner Pfusch eben. Da hätte man sicher eine optisch ansprechendere und qualitativ hochwertigere Lösung finden können die dann wohl auch noch weniger gekostet hätte. mehr

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@8
Unterscheiden Sie bitte in Ihrer Fragestellung:
Umgang einer Nation mit seiner Geschichte, nämlich das Gedenken an einen Völkermord und dem Deutschland von heute, das nicht böse ist.
Sie werden den Unterschied erkennen. mehr

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Eines ist klar.Hätte ein Politiker der immer braven Altparteien diese Aussage getätigt hätte man das ganze als peinliche Entgleisung abgetan und nach 3 Tagen wäre nicht mehr darüber gesprochen worden.Kommentar 4 hat vollkommen recht.Was den einen oder anderen Kommentar anbelangt frage ich mich warum die halbe Welt in das Land der bösen Deutschen will. mehr

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@6:
Genau - Bernd!
Wurde in Kommentar 5 ja auch geschrieben.

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@5:
Und was soll das Ganze jetzt.
Einen Lerneffekt brauchen andere Menschen und nicht die, die Fragen stellen.
Wenn hier die Antifa abgeht, dann geht alles klar.
Was für eine buchstäbliche S******** geht in diesem Land eigentlich ab?
Weiss das auch irgend-Jemand???` mehr

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Das ist eine schöne Idee.
Schlimm finde ich, dass es Menschen gibt welche dem Höcke Bernd geistig hinterherlaufen.

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Staatlich geförderte Linksextremisten (neudeutsch: "Aktivisten") machen eine hirnlose Aktion und werden von der Presse dafür hofiert? Man muss sich schon fargen, welch Geistes Kind heute in den Redaktionsstuben sitzt!? Das Linksextremisten die Rede von Herrn Höcke falsch interpretieren mag am geringen Bildungsniveau liegen. Aber als gelernter Journalist sollte man die Aussagen von Herrn Höcke doch intellektuell auch im Kontext erfassen und begreifen. Dem ist wohl nicht so!

Rudolf Augstein, Gründer des Spiegel, hat es einstmals ähnlich wie Herr Höcke formuliert. ich zitiere:
"Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität. "

(Rudolf Augstein, 1998) mehr

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