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Politik

Deutsche Urlauber meiden die Türkei

Urlaub in der Türkei - ja oder nein?
Einige in Deutschland fragen sich: In diesem Jahr Urlaub machen in der Türkei - ja oder nein?
Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin jfa Sommer, Sonnenschein, Schirmchendrinks: Für viele geht es in den kommenden Tagen und Wochen in den Sommerurlaub. Lange Zeit war die Türkei eines der beliebtesten Reiseziele. Doch die Ereignisse der vergangenen Tage haben bei der Bundesregierung zum Umdenken geführt. Mit der Inhaftierung des Menschenrechtlers Peter Steudtner wurde eine Grenze überschritten - erneut.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) warnte, dass deutsche Staatsbürger „vor willkürlichen Verhaftungen in der Türkei nicht mehr sicher“ seien. In den verschärften Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts heißt es: „Personen, die aus privaten oder geschäftlichen Gründen in die Türkei reisen, wird zu erhöhter Vorsicht geraten.“ Zudem wird empfohlen, sich auch bei kurzzeitigen Aufenthalten in der Türkei in der Botschaft und den Konsulaten in eine Liste einzutragen. Bislang galt dieser Hinweis lediglich für Menschen, die „nicht zu touristischen Zwecken in die Türkei reisen“.

Trotz Sicherheitshinsweise keine kostenlosen Stornierungen

Die aktualisierten Sicherheitshinweise bedeuten aber nicht, dass Türkei-Reisende jetzt ihren Urlaub kostenlos stornieren können. Erst eine konkrete Reisewarnung des Auswärtigen Amts mache Stornierungen und Umbuchungen möglich, so der Chef des Friedrichshafener Reisebüros „Holiday Land“, Murat Levent Gören. Wer unter keinen Umständen mehr in das Land reisen wolle, sei derzeit auf die Kulanz der Reiseveranstalter angewiesen.

Zwar verbringen immer noch viele Deutsche ihren Urlaub in der Türkei, die Zahlen sind allerdings regelrecht eingebrochen: Für das Jahr 2017 habe sein Reisebüro einen dramatischen Rückgang zu verzeichnen, sagt Gören. Er sieht dafür vor allem politische Gründe. Auch in anderen Reisebüros, zum Beispiel in Aalen oder Biberach, waren Türkei-Angebote seit Jahresbeginn ein Ladenhüter.

Starts und Passagiere in die Türkei 2015 und 2016

So kam es zur Eskalation der deutsch-türkischen Beziehungen

In einer aktuellen Pressemitteilung blicken zahlreiche deutsche Reiseveranstalter wie „FTI Touristik“, „Schauinsland-Reisen“ oder „Bentour Reisen“ zwar positiv in die Zukunft, die aktuelle politische Krise in der Türkei dürfte bei dieser Einschätzung aber noch nicht maßgeblich gewesen sein.

 Fluggastzahlen im Sinkflug

Wie gravierend die sich ausweitende Krise in der Türkei das Reiseverhalten der Deutschen beeinflusst hat, zeigen die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Passagierzahlen an den Flughäfen im Südwesten. Im Vergleich zum Jahr 2015 sanken diese am Stuttgarter Flughafen im vergangenen Jahr von über 760 000 auf unter 640 000. Vom Bodensee-Airport in Friedrichshafen aus flogen 2016 nur rund 43 000 Passagiere in die Türkei, rund 10 000 weniger als noch 2015. Am Flughafen Memmingen wurden 2016 nur 15 Starts in die Türkei durchgeführt, 2015 waren es noch 49. Allerdings hatte sich der Allgäu Airport im gleichen Jahr sein Destinations-Portfolio verändert.  

Ob die momentan billigen Preise der angebotenen Türkei-Reisen die wachsenden Sicherheitsbedenken der Urlauber schlagen, wird wohl erst nach der Hauptreisewelle im August zu beantworten sein. So günstig wie derzeit dürfte der Türkei-Urlaub allerdings schon lange nicht mehr gewesen sein. Die Last-Minute-Nachfrage habe zuletzt deutlich zugenommen, bestätigte der Deutsche Reiseverband auf Anfrage. Wie sich die aktuelle politische Diskussion auf das Reiseverhalten auswirke, könne aktuell aber noch nicht prognostiziert werden, hieß es. 

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„Der Fall Peter Steudtner zeigt, dass deutsche Staatsbürger in der Türkei vor willkürlichen Verhaftungen nicht mehr sicher sind“, warnt Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). Nach der Inhaftierung des Menschenrechtsaktivisten hat Deutschland seine Reisehinweise in die Türkei verschärft. Würden Sie dennoch weiterhin in den Urlaub dorthin fahren?
Würden Sie noch in den Türkei-Urlaub fliegen?
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Kommentare (2)
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Aus meiner Sicht haben wir zunehmend einen antitürkischen Rassismus übelster Prägung. Die Politik Erdogans passt uns nicht. Einverstanden ! Aber die Türken als Volk sind nicht Erdogan. Und wer bei seiner Reise sich nach den Verhältnissen im Land hält, hat nichts zu befürchten. Eine Reisewarnung, wie jetzt ausgesprochen ist nicht nachvollziehbar. Aussenminister Gabriel will mir als Bürger erklären, ich sei als Deutscher in der Türkei gefährdet, weil ich Deutscher bin. Gabriel kann mir nicht belegen, dass ich in konkreter Gefahr bin, wenn ich mich als Urlauber und nicht als Provokateur aufführe. Wer pauschal vor einem Volk warnt, den will und muss ich an die Geschichte erinnern. Es hiess "Kauft nicht ...! Genau so handelt der Minister. Er will uns Angst machen, damit wir die Angebote eines anderen Landes ablehnen. Selbst Wahlkampf erlaubt kein feiges Handeln zu Lasten des Volkes. mehr

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Wenn es nach Merkel gegangen wäre, wäre die Türkei heute womöglich schon EU-Mitglied und könnte nicht mehr hinausgeworfen werden, selbst wenn sie die Todesstrafe einführen würde.

In der Türkei-Politik muss Frau Merkel erkennen, dass sie einen Fehler macht.
Auch Angela Merkel dürfte angesichts der aktuellen Türkei-Politik bereuen, dass sie freiwillig darauf verzichtete, in die Regierungsmannschaft zu gehen. mehr

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