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70 000 Syrer und Iraker wollen Verwandten folgen

Syrische Flüchtlinge
Syrische Flüchtlinge bei ihrer Ankunft im Grenzdurchgangslager Friedland. Von Anfang 2015 bis Mitte 2017 wurden bereits rund 102.000 Visa zum Familiennachzug für Syrer und Iraker erteilt. Foto: Swen P
Swen Pförtner

Berlin dpa Rund 70 000 Syrer und Iraker bemühen sich derzeit um einen Familiennachzug zu Angehörigen in Deutschland. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus dem Auswärtigen Amt.

Demnach liegen an den zuständigen deutschen Auslandsvertretungen in Beirut, Amman, Erbil, Ankara, Istanbul und Izmir in dieser Zahl Terminanfragen für einen Familiennachzug zu syrischen und irakischen Schutzberechtigten vor.

Von Anfang 2015 bis Mitte 2017 hatte das Außenamt bereits rund 102.000 Visa zum Familiennachzug für Syrer und Iraker erteilt. Auf Basis dieser bisher erteilten Visa und der aktuellen Terminbuchungen schätzt das Ministerium, dass bis einschließlich 2018 etwa 100.000 bis 200.000 weitere solcher Visa hinzukommen könnten. Für 2015 bis einschließlich 2018 geht es beim Familiennachzug zu Syrern und Irakern demnach also um einen grob geschätzten Umfang von 200.000 bis 300.000 Angehörigen.

230 000 Anträge bewilligt

Asylsuchende, die in Deutschland Schutz bekommen, dürfen Ehepartner und minderjährige Kinder zum Teil nachholen. Auch anerkannte minderjährige Flüchtlinge dürfen ihre Eltern hinterherholen. Für eine bestimmte Gruppe mit eingeschränktem Schutzstatus, subsidiär Geschützte, hatte die große Koalition den Familiennachzug im März 2016 beschränkt und für zwei Jahre ausgesetzt: bis März 2018.

Das Außenamt ist dafür zuständig, Visa zum Familiennachzug zu erteilen. Zu laufenden Anträgen gibt es keine Statistik, erfasst werden aber die Terminanfragen zum Familiennachzug, die das Ministerium neben den Zahlen zu bisher erteilten Visa für die Schätzung der künftigen Entwicklung nutzt.

Von Januar 2015 bis Ende Juni 2017 hatte das Außenamt nach eigenen Angaben weltweit 230.000 Anträge auf Familiennachzug bewilligt (2015: rund 70.000, 2016: rund 100.000, erstes Halbjahr 2017: etwa 60.000). Diese Gesamtzahl betrifft aber Menschen aus allen möglichen Staaten jenseits der EU - und nur zu einem Teil Flüchtlinge.

Grüne für Familiennachzug

Unter Flüchtlingen - also anerkannten Schutzberechtigten mit Anspruch auf Familiennachzug - bilden Syrer mit Abstand die größte Gruppe. Zwischen Anfang 2015 und Mitte 2017 gingen 102.000 Visa zum Familiennachzug an Syrer und Iraker, rund 3000 an Afghanen.

Aus dem Außenamt hieß es, bis 2018 könnten - zusätzlich zu den 102.000 zuletzt erteilten Einreiseerlaubnissen - schätzungsweise etwa 100.000 bis 200.000 weitere Familienangehörige zu Syrern und Irakern nach Deutschland nachziehen. Einkalkuliert seien hier die Angehörigen der etwa 128.000 syrischen und irakischen subsidiär Schutzberechtigten, die ab März 2018 wieder den Familiennachzug beantragen könnten. Wie viele davon Gebrauch machten, lasse sich nicht vorhersagen. Offen ist aber auch, ob die Beschränkung im März 2018 überhaupt ausläuft.

Die Union will subsidiär Geschützten auch über diesen Termin hinaus verbieten, dass enge Familienangehörige nachziehen. Die Grünen - mit der FDP möglicher Partner der Union in einer Jamaika-Koalition - wollen den Familiennachzug für diese Gruppe dagegen wieder erlauben. Die Grünen-Politikerin Claudia Roth hatte angekündigt, ihre Partei werde den Familiennachzug in den Gesprächen stark nach vorn stellen.

Linke nennt Zahlen "grotesk"

Die AfD warf den Grünen vor, sie gefährdeten mit dieser Haltung den sozialen Frieden und die innere Sicherheit. Der AfD-Fraktionschef im Bundestag, Alexander Gauland, sagte, wenn man die Zahlen zu Syrern auf Herkunftsländer wie Mali, Afghanistan, Eritrea, den Irak und Somalia übertrage und den durchschnittlichen Familiennachzug mit dem Faktor vier beziffere, „kommt man auf eine Migrationswelle von rund zweieinhalb Millionen Menschen nach Deutschland allein in 2018“. Die meisten davon seien „schlecht ausgebildete Muslime“.

Der Familiennachzug hatte schon in den vergangenen Jahren und auch im Bundestagswahlkampf eine große Rolle gespielt. Regelmäßig kursieren Zahlen und Schätzungen, wonach angeblich jährlich viele Hunderttausend Menschen - oder gar Millionen, wie etwa die AfD meint - über den Familiennachzug zusätzlich ins Land kommen könnten.

Die Linke-Innenpolitikerin Ulla Jelpke nannte solche Zahlen „grotesk“ und „pure Hetze, ohne jeden Realitätsbezug“. Zu den aktuellen Zahlen und Schätzungen aus dem Außenamt sagte sie: „Das ist eine absolut überschaubare und ohne Zweifel beherrschbare Zahl, selbst wenn im nächsten Jahr der Nachzug zu subsidiär Schutzberechtigten wieder möglich werden sollte.“ Eine weitere Aussetzung des Familiennachzugs zu subsidiär Schutzbedürftigen wäre „grausam und unmenschlich“.

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Kommentare (11)
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Außer Syrern und Irakern die nach den Kriegshandlungen das Land wieder verlassen sollten kommen auch noch eine ganze Menge mehr.
Ein neues Beispiel:
"Nachdem es in Calais für sie immer schwieriger wird, haben sich die illegalen Einwanderer aus Afrika in Frankreich einen neuen Standort ausgesucht, um nach Großbritannien zu kommen. Die kleine Hafenstadt Ouistreham in der Normandie hat jetzt das „Vergnügen“ mit den Migranten und ruft nach Hilfe."
"Die Einwanderer kommen aus dem afrikanischen Eritrea und dem Sudan, aus Pakistan, Afghanistan, Albanien und dem Iran. Sie brechen auch hier, wie schon zuvor in Calais, in einem unbemerkten Augenblick Lastwagen auf und verstecken sich auf den Ladeflächen, um illegal nach Großbritannien einzureisen. Vom nahegelegenen Hafen der Stadt aus, starten täglich drei Fähren in das auf dem britischen Festland gelegenen Portsmouth.

„Es wird immer schlimmer. Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen mehr Polizisten. Es ist eine große Anzahl von Migranten, die auf die Gelegenheit warten, überzusetzen. Wenn es einigen gelingt, auf die Fähren zu gelangen, werden immer mehr hierherkommen,“ so der stellvertretende Bürgermeister Luc Jammet.

Auch in Deutschland gibt es Städte die ein Niederlassungsverbot von Zuwanderern fordern! mehr

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"Auf Basis dieser bisher erteilten Visa und der aktuellen Terminbuchungen schätzt das Ministerium, dass bis einschließlich 2018 etwa 100.000 bis 200.000 weitere solcher Visa hinzukommen könnten." Womit ja die Obergrenze der geplant aufzunehmenden Flüchtlinge pro Jahr von 200.000 ja schon alleine durch den Familiennachzug ausgeschöpft wäre. Oder kommen diese 200.000 doch noch oben drauf? Dann wären es ja doch wieder mindestens 400.000 pro Jahr. Und in der Arbeitslosenstatistik tauchen die Flüchtlinge offensichtlich auch nicht auf, nur in der Kriminalitätsstatistik !?! mehr

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@6
Hat irgendjemand hier oder anderswo bestritten, dass es fürchterliche Kriegsschicksale gibt und versucht Ihnen einzureden, dass Sie "unchristlich" denken und "Gutes tun" unterlassen müssen?

Bei aller Tragik des von Ihnen geschilderten Schicksals sollte eine differenzierte Betrachtung trotzdem legitim sein.

Das akzentuierte Schildern eines konkreten Falles legt die Assoziation nahe, dass jegliches Denken und Handeln daraus abzuleiten ist.

Es gibt aber auch völlig andere Fälle, die ebenfalls jeweils im einzeln zu beurteilen sind. Eine pauschale Emotionalisierung führt auf Dauer nicht weiter. mehr

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Zu 6
Ihr Zitat: " Ich lasse mir nicht einreden, dass es unseren gut funktionierenden Sozialstaat zum Kollaps bringt, wenn wir helfen, wo es notwendig ist"
Dieser Sozialstaat ist ja nicht einmal in der Lage etwas gegen die eigene Kinder und Altersarmut,bzw. die Wohnungsnot sozial schwacher Familien zu unternehmen.Der Großteil des Familiennachzuges wird uns noch Jahrzehnte finanziell belasten.Sie mögen vielleicht über eine gutes Einkommen verfügen und können das gerne diesen Familien zur Verfügung stellen.Aber ein Großteil der Bevölkerung hat durch Mindestlöhne steigender Abgaben und Steuern,Miet-und Nebenkosten immer weniger in der Tasche.Von diesen Menschen können sie nicht auch noch erwarten dies alles zu bezahlen. mehr

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@6: Klar, die Tränenmansche... Wieso war "sehr klar", dass er drei Jahre Schutz bekommt und die Familie nachzieht? Fälle werden geprüft, um DANACH Entscheidungen zu treffen - und diese Püfungen sind ergebnisOFFEN! Und die wenigen ( wahren? ) Familiengeschichten machen sich immer besser als die Geschichten von den vielen jungen Männern... Es ehrt Sie, wenn Sie helfen und dies auch offen vertreten - keine Diskussion! Es ist aber absolut nötig, den Leuten, die das anders sehen ( ohne Gewalt! ), ihre Meinung zu lassen und dies ebenfalls äußern zu dürfen ( wenn man schon "dürfen" sagen muss... )! Und ob der ( Sozial- ) Staat kollabiert, wird sich in nicht allzuferner Zukunft zeigen... mehr

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Kürzlich habe ich in Panorama einen Bericht zu einer jungen syrischen Familie aus Aleppo gesehen. Eltern, eine zuletzt vierjährige Tochter, ein fast zweijähriger Junge.Sie haben sich dazu entschieden, dass der Vater 2015 die gefährliche Flucht wagt. Zu diesem Zeitpunkt war sehr klar, dass er die drei Jahre Schutz bekommen würde und die Familie nachziehen könnte. Dann mahlten die Mühlen langsam - zu langsam. Sein Antrag wurde monatelang nicht bearbeitet, dann bekam er nur subsidiären Schutz, der Familiennachzug wurde ausgesetzt. Wir alle wissen - oder können wissen - wie es in Aleppo zuging. Die junge Frau floh nach Griechenland und harrte zunächst aus. Dann setzte sie sich in ein Schlauchboot und ertrank mit ihren beiden Kindern. - Mit mir machen solche Geschichten etwas. Ich kenne Menschen, die über die Balkanroute geflohen sind.
Ich bin nicht Mitglied einer christlichen Kirche. Ich höre die Vielen, die meinen, sie müssten das "christliche Abendland" verteidigen, indem sie sich abschotten, gegen jeden einzelnen dieser Menschen.
Ich lasse mir nicht einreden, dass das Hochhalten und Umsetzen genuin christlicher Werte Naivität sein soll. Ich lasse mir nicht einreden, dass es unseren gut funktionierenden Sozialstaat zum Kollaps bringt, wenn wir helfen, wo es notwendig ist. Ich lasse mir nicht einreden, dass es schlecht ist, wenn wir etwas Gutes tun. mehr

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@2
"Eher rechts orientierte, herz- und gewissenlose, unchristliche, von irrationalem Neid zerfressene, islamfeindliche Menschen mit engem Horizont - ganz genau!"

Wenn das alles ist, was Ihnen bei Ihrem brainstorming so an "sachlichen Argumenten" in den Sinn kommt, sollten Sie wenigstens mit Attributen wie "enger Horizont" etwas zurückhaltend sein.

Sie sollten vor allem auch nicht völlig ausblenden, dass sich Menschen, die Ihnen geistig ebenbürtig sind, von dieser Qualität der Argumentation weder beeindrucken noch überzeugen lassen.

Ist Ihnen nach diesem verbalen Kraftakt jetzt wenigstens wohler?
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@2) Ihnen muss man eher einen naiven Horizont attestieren - ganz genau!

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Zu 2
Dummes Geschwätz.

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Eher rechts orientierte, herz- und gewissenlose, unchristliche, von irrationalem Neid zerfressene, islamfeindliche Menschen mit engem Horizont - ganz genau!

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