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Gemeinsames Plädoyer für Europa-Reformen

Steinmeier und Macron weihen Weltkriegsgedenkstätte im Elsass ein
Gemeinsamer Spaziergang durch die Schützengräben: der französische Präsident Emmanuel Macron und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (rechts).
Gemeinsamer Spaziergang durch die Schützengräben: der französische Präsident Emmanuel Macron und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (rechts).
dpa

Paris sz Emmanuel Macron und Frank-Walter Steinmeier haben die erste deutsch-französische Gedenkstätte für den Ersten Weltkrieg eingeweiht. Die beiden Präsidenten nutzten den Termin zu einem Plädoyer für Europa.

Es war Geschichte zum Anfassen, die Emmanuel Macron und Frank-Walter Steinmeier am Freitag erlebten. Bei Regen und Kälte gingen die beiden Präsidenten durch die Schützengräben des Ersten Weltkriegs, in denen sich vor hundert Jahren Soldaten ihrer beiden Länder auf dem elsässischen Hartmannsweilerkopf gegenüber gestanden hatten. Die Lehren, die die beiden Staatschefs aus ihrem Blick in die Vergangenheit zogen, fasste Steinmeier mit den Worten zusammen: „Die Europäische Union ist die wohl beste Idee, die wir je auf diesem Kontinent hatten.“

Appell an Berlin

In seiner Rede zur Einweihung der ersten deutsch-französischen Erinnerungsstätte unterstützte der Bundespräsident überraschend deutlich die Europa-Initiative Macrons. „Ich möchte Ihnen versichern: D’accord – ich stehe, wie die große Mehrheit meiner Landsleute, an Ihrer Seite. Ihr Schwung aus Frankreich – den spüren wir in Berlin. Und ich bin sicher: Wir werden ihn mit Elan aufnehmen“, versicherte Steinmeier. In einer Rede an der Sorbonne hatte Macron zwei Tage nach der Bundestagswahl seine Reformideen für Europa genannt.

„Die Partner der Koalition, die dabei ist, sich zu bilden, haben alle während des Wahlkampfes die treibende Kraft des deutsch-französischen Paares für ein neues europäisches Projekt unterstrichen“, beschwor Macron nach dem Treffen mit Steinmeier am Morgen im Elysée die Verhandler der Jamaika-Koalition. „Unsere Herausfordung besteht darin, eine neue Etappe zu beginnen“, warb der Präsident für seine Initiative. „Wir schulden das unserer Jugend.“ Die Staats-chefs hatten während des Besuchs des Militärfriedhofs mit Jugendlichen beider Länder gesprochen. Auf dem Friedhof am Hartmannsweilerkopf ruhen mehr als 1200 französische Opfer der Kämpfe. Insgesamt starben auf dem 956 Meter hohen Gipfel in einem anderthalb Jahre dauernden erbitterten Stellungskrieg rund 30 000 Menschen. „Menschenfresserberg“ wird der Hartmannsweilerkopf deshalb auch genannt.

„Wir wissen, dass es nicht der Berg war, der Menschenopfer forderte. Es war der Irrglaube an die Überlegenheit der eigenen Nation über andere Nationen“, sagte Steinmeier. „Nicht dieser Berg ist ein Menschenfresser – der Nationalismus ist ein Menschenfresser.“ Das deutsch-französische Gedenkzentrum, das Steinmeier und Macron eröffneten, ist das erste seiner Art. Jahrzehntelang war der Berg in den Südvogesen ein Ort rein französischen Gedenkens gewesen. Schon 1921 wurde der von Schützengräben durchzogene Gipfel unter Denkmalschutz gestellt. 1932 weihte Präsident Albert Lebrun eine monumentale Gedenkstätte mit einem vergoldeten „Altar des Vaterlands“ ein. „Lange hat Frankreich in dieser Region ein nationales Gedenken gepflegt. Das hat dazu geführt, Irrtümer zu wiederholen und Spannungen zu verstärken“, räumte Macron ein. „Heute bauen wir an einer gemeinsamen Geschichte, denn sie ist der Grundstein einer gemeinsamen Zukunft.“

Die Erinnerungskultur am Hartmannsweilerkopf hatte sich erst zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns am 3. August 2014 gewandelt. Damals wurden Tafeln angebracht, die an die deutschen Opfer erinnern und erstmals auch die deutsche Flagge aufgezogen. Bundespräsident Joachim Gauck und François Hollande legten damals den Grundstein für das „Historial“, das ihre Nachfolger nun einweihten. Die Umarmung der beiden Präsidenten in der Krypta reihte sich ein in die symbolischen Gesten der Versöhnung, für die vor allem der Handschlag von Helmut Kohl und François Mitterrand 1984 über den Gräbern von Verdun steht. Mit ihrem gemeinsamen Spaziergang durch die Schützengräben fügten Macron und Steinmeier nun eine weitere deutsch-französische Geste hinzu.

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