Schwäbische.de Schwäbische.de
Wolkig 8
Ravensburg
Aus aller Welt

Orkantief wütet über Teilen Deutschlands

Hamburg dpa Als erster großer Herbststurm des Jahres hat Orkantief „Sebastian“ den Norden und Nordwesten Deutschlands getroffen. In Hamburg wurde ein Mann von einem Baugerüst erschlagen. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor Orkanböen, die vereinzelt bis zu 140 Stundenkilometer erreichen könnten.

Etliche Bäume stürzten um, wodurch es etwa in Nordrhein-Westfalen zu Behinderungen im Bahnverkehr kam. Der Wind beschädigte Autos und Gebäude; Dachziegel flogen umher. An der Nordsee fielen viele Fährverbindungen aus. Zuvor hatte „Sebastian“ bereits die Niederlande erreicht. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol wurden zeitweise Start- und Landebahnen geschlossen.

Die DWD-Meteorologen erwarteten im Norden und Nordwesten schwere Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h. An Nord- und Ostsee und im höheren Bergland könnten schwere Sturmböen und orkanartige Böen mit bis zu 115 km/h auftreten. Im Binnenland wehe der Wind vielfach mit Böen von bis zu 75 km/h und einzelnen Sturmböen von bis zu 85 km/h, hieß es in der Vorhersage vom Mittwochnachmittag.

Wind hält an

Der heftige Wind soll an Nord- und Ostsee in der Nacht zu Donnerstag anhalten. Auch für den Südwesten Deutschlands rechnen die Meteorologen mit Sturmböen. „Über der Mitte lässt der Wind hingegen deutlich nach“, teilte der DWD mit. Hinzu komme aber Dauerregen, der sich von Südwesten her bis zur Mitte Deutschlands ausbreite. Stellenweise könnten dabei am Donnerstag unwetterartige Mengen zusammenkommen.

Aktuelle Unwettergefahren

Zu dem tödlichen Unfall in Hamburg kam es, als ein umgestürztes Baugerüst einen Passanten in der Innenstadt unter sich begrub. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers hatte sich das Gerüst vermutlich in Folge starker Böen vom Dach eines siebengeschossigen Bürogebäudes gelöst. In der Elbe in Hamburg kam außerdem ein Rollstuhlfahrer ums Leben. Warum der Mann ins Wasser geriet, war zunächst unklar. „Der Sachverhalt wird untersucht. Ein Suizid ist ausdrücklich nicht ausgeschlossen“, sagte ein Polizeisprecher.

Auf der Nordseeinsel Föhr wurde eine Fußgängerin von einem Baum getroffen. Dabei wurde sie schwer verletzt, wie die Polizeidirektion Flensburg mitteilte. Glück im Unglück hatte ein Mitarbeiter der Nikolaikirche in Kiel: Ein Firstziegel fiel nach Angaben der Gemeinde vom Dach der Kirche auf das Auto des Mannes und zerschlug das Glasdach, der Mann hatte den Wagen aber kurz zuvor verlassen.

Fahrpläne durcheinander gewirbelt

„Sebastian“ beeindruckte selbst die sturmerprobten Hallig-Bewohner. Das laue Lüftchen habe sich gewandelt zu einem richtig kräftigen Sturm, sagte Erco Lars Jacobsen von der Hallig Hooge. Unangenehm mache das Wetter vor allem der Regen - und dass der Sturm dieses Jahr sehr früh da ist.

Der Sturm wirbelte auch die Fahrpläne der Fähren durcheinander. Die Schiffe zwischen dem Festland und den Inseln und Halligen im Wattenmeer fuhren zum Teil nicht, wie die Wyker Dampfschiffs-Reederei mitteilte. Auch die Hochseeinsel Helgoland war per Schiff am Mittwoch nicht erreichbar. Auf dem Hindenburgdamm, der die Insel Sylt mit dem Festland verbindet, wurde der Bahnverkehr eingestellt.

In Hamburg zog „Sebastian“ Einschränkungen im U- und S-Bahnverkehr nach sich. In Nordrhein-Westfalen war ebenfalls Geduld auf Straßen und Schienen gefragt. Wegen der starken Windböen schloss hier außerdem der Wuppertaler Zoo zwischenzeitlich seine Pforten.

Flensburg schloss wegen der Sturmwarnungen die städtische Kindertagesstätten und empfahl den Schulen, ebenfalls zu schließen. In Husum wurden vier Leichtbauhallen einer Messe zum Thema Windenergie geräumt. Zu etlichen Feuerwehreinsätzen kam es auch in Ostfriesland und in Bremen. Ein Polizeisprecher sagte: „Die Einsätze kommen im Minutentakt rein.

Im Online-Portal „Kachelmannwetter“ hieß es mit Blick auf umstürzende Bäume: „Die belaubten Bäume sind das Problem. Im Winter ohne Laub würde der Sturm deutlich weniger anrichten. Schon bei 70 km/h können einzelne Bäume umstürzen, 80 km/h und mehr sind dann für so einige Bäume zu viel.“

In den Niederlanden war der Flugverkehr stark beeinträchtigt. Die Fluggesellschaft KLM strich rund 60 innereuropäische Flüge, wie das Unternehmen mitteilte. Auf dem Flughafen Schiphol mussten Start- und Landebahnen wegen starker Winde geschlossen werden. Der Flughafen warnte Passagiere vor großen Verspätungen. Umfallende Bäume verursachten in den Niederlanden Verkehrsunfälle. Dabei wurden nach Angaben der Feuerwehr mindestens zwei Menschen verletzt.

Am Dienstagabend soll ein Wetterumschwung mit Starkregen und tiefstehender Sonne eine Unfallserie auf der Autobahn 2 in Nordrhein-Westfalen ausgelöst haben. Mehrere Autofahrer hätten wegen des Regens heftig gebremst. „Dann kam plötzlich die Sonne wieder raus und die Fahrer konnten nichts sehen“, sagte ein Sprecher der Polizei Bielefeld. Die Bilanz: zwei Tote, Dutzende Verletzte und etliche beschädigte Fahrzeuge.

Auch Südwesten betroffen

Der erste Herbststurm des Jahres hat am Mittwoch auch im Südwesten mit orkanartigen Böen etliche kleinere Schäden verursacht. Ernsthaft verletzt wurde nach Wissen der Polizei niemand. Allerdings mussten Feuerwehren und Polizei bis zum Nachmittag zu weit mehr als 100 wetterbedingten Hilfseinsätzen ausrücken. Größere Probleme im Verkehr blieben aus.

„Es gab vielerorts umgefallene Bäume und Zäune, umgestürzte Baustellenabsperrungen, aber bislang keine wirklich schweren Schäden“, sagte ein Polizeisprecher in Karlsruhe. „Das war zwar für Betroffene ärgerlich, aber wenn man die Stürme in anderen Teilen der Welt anschaut, geht es uns goldig.“

Kran aus Verankerung gerissen

In Karlsruhe wurde durch starke Böen ein Kran aus der Verankerung gerissen, wobei drei Häuser gestreift wurden. Die Einwohner mussten die Gebäude zeitweise verlassen. Der Gesamtschaden wurde hier auf 4000 Euro geschätzt. Zudem versperrte im Bereich Karlsruhe ein umgestürzter Baum die Landesstraße 340 zwischen Eyachmühle und Dobel, nach 20 Minuten sei die Strecke aber geräumt gewesen, so die Polizei.

Auch aus der Region Ortenaukreis, Rastatt und Baden-Baden wurden Dutzende von Einsätzen gemeldet, meist wegen entwurzelter Bäume und abgeknickter Äste. An fünf geparkten Autos entstanden in diesem Bereich Schäden von insgesamt rund 20 000 Euro.

Die stärksten Sturmböen gab es einmal mehr in den Hochlagen von Schwarzwald und Alb. Auf dem Feldberg rechnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit Windgeschwindigkeiten von rund 130 Kilometern pro Stunde. Für den Abend warnte der DWD vor weiteren stürmischen Böen in diesen Regionen. Zudem wurde für den Schwarzwald sowie vom nördlichen Oberrhein bis zur Hohenloher Ebene Dauerregen von Mittwochabend bis Donnerstagmittag vorhergesagt.

Ihr Kommentar zum Thema

 
URL: http://www.schwaebische.de/panorama/panorama-aktuell_artikel,-Orkantief-wuetet-ueber-Teilen-Deutschlands-_arid,10734817.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.