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Cordula Dieckmann

Angekratztes Image des ADAC

Der ADAC soll bei der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ manipuliert haben
Luftbildaufnahme des neuen ADAC-Gebäude in der Hansastraße in München.
ADAC

München dpa/sz Engel oder Bengel: Der ADAC sucht das Lieblingsauto der Deutschen. Nun tauchte jedoch der Verdacht auf, der Club könnte die Wahl des Lieblingsautos der Deutschen manipuliert haben. Der ADAC weist dies zurück und will die Preisverleihung am Donnerstag groß feiern.

Das Auto streikt. Schnell den ADAC anrufen und auf Hilfe warten. Mehr als vier Millionen Mal wurden die sogenannten Gelben Engel 2012 gerufen, um leere Batterien aufzuladen oder kaputte Reifen zu flicken. Doch der größte deutsche Automobilclub ist nicht nur Helfer in der Not. Sein Wort hat in der Politik Gewicht, etwa wenn es um Benzin-Preise oder Tempolimits geht. Auch mit den Autokonzernen pflegt der ADAC ein gutes Verhältnis. Das zeigt die alljährliche Verleihung des Preises „Gelber Engel“, bei der auch das „Lieblingsauto der Deutschen“ gekürt wird, so wie diesen Donnerstag in München. Doch kurz zuvor ist nun der Vorwurf aufgetaucht, der ADAC habe die Zahlen zur Wahl des beliebtesten Fahrzeugs manipuliert, bei der die Leser des hauseigenen Magazins Motorwelt abstimmen konnten.

Mögliche Manipulationen und ADAC – das will in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so recht zusammenpassen. Der Club testet Straßentunnel, Autos, Winterreifen und vieles mehr. Für viele Eltern ist das schwarz-gelbe Prüfsiegel auf Kindersitzen eines der wichtigsten Kriterien für die Kaufentscheidung. Eine Marke, die Vertrauen erweckt, wie der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen bestätigt. „Die hat eine ganz hohe soziale Glaubwürdigkeit, die kommt dadurch zustande, dass nachts um vier ein ADAC-Mitarbeiter Ihnen hilft, wenn Sie ein Problem haben“, sagt der Professor für Automobilwirtschaft. „So einer kann nichts Böses tun, so einer schummelt auch nicht.“

Die Süddeutsche Zeitung zitierte aus einem ADAC-Papier, nach dem das aktuelle Siegerauto, der VW Golf, 34 299 Stimmen auf sich vereinen konnte. Nach SZ-Recherchen soll das neue Lieblingsauto aber nur 3409 Stimmen bekommen haben. ADAC-Sprecher Christian Garrels weist diese Vorwürfe zurück: „Es handelt sich bei allen Preisen um saubere statistische Auswertungen – bei der Wahl zum ,Lieblingsauto’ um das entsprechend repräsentative Votum der Stimmen unserer Mitglieder.“ Bei der Wahl zum Lieblingsauto konnten sich Mitglieder online oder per Coupon für eines von 249 Fahrzeugen entscheiden.

Für die Autokonzerne ist die Feier in der Münchner Residenz eine gute Gelegenheit, sich in festlichem Rahmen zu präsentieren. „Der Gelbe Engel zählt zu den wichtigen Preisen in der Automobilindustrie“, heißt es etwa bei der Daimler AG. BMW betont, wie wichtig die Glaubwürdigkeit bei solchen Auszeichnungen sei. Und bei Volkswagen ist man stolz, mit dem Lieblingsauto erneut für den VW Golf geehrt zu werden: „Wir haben nicht den Hauch eines Zweifels, zumal die Regularien klar sind.“ Zu den Vorwürfen der Manipulation – kein Kommentar.

So gibt es am Donnerstag auch wieder ein Stelldichein der Branche: VW-Chef Martin Winterkorn, der BMW-Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer oder Porsche-Chef Matthias Müller haben sich ebenso angekündigt wie der Präsident des Weltmotorsportverbandes FIA, Jean Todt. Sowie zahlreiche Politiker. Michael Ramstetter, Chef, der ADAC-Autowelt wird in einem Interview zitiert: „Wenn ich einen Politiker im Blatt haben will, dann bekomme ich ihn. Und wenn ich die Bundeskanzlerin bitte, eine Gastkolumne zu schreiben, dann schreibt sie.“

Dudenhöffer findet allein die Nähe zu den Großen der Autobranche bedenklich. Der ADAC organisiere die Abschleppdienste für Autobauer und teste gleichzeitig deren Fahrzeuge, bemängelt er. Bei wichtigen politischen Themen verweise der Club auf seine hohe Mitgliederzahl von 19Millionen. Dudenhöffer spricht von „geborgter Macht“. „Diese 19Millionen sind nur dabei, weil sie einen Beitrag bezahlen, um den Abschleppdienst zu haben.“ Er wünscht sich eine klare Trennung: Hier die Hilfesuchenden, dort Wirtschaftsinteressen, denn so Dudenhöffer: „Der ADAC besitzt nicht nur unheimliche Macht, der ADAC scheut sich auch nicht, sie einzusetzen.“

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