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„Wonder Woman hat mein Leben verändert“

sz In ihrem neuen Film „Justice League“ (Hier lesen Sie, was unser Filmkritiker Rüdiger Suchsland von dem Film hält) stiehlt Gal Gadot – wieder in der Rolle als Wonder Woman – sogar Batman und Superman die Schau. Beim Interview in London mit Ulrich Lössl scheut sie sich nicht, zu den Sex-Skandalen in Hollywood Stellung zu beziehen. In dieser Woche bestätigte sie indirekt, dass Regisseur und Produzent Brett Ratner, gegen den ebenfalls Vorwürfe laut wurden, nicht mehr bei der Fortsetzung von „Wonder Woman“ dabei sein werde.

Mrs. Gadot, wie haben Sie Ihre Wonder Woman-Rolle für diesen Film denn weiterentwickelt?

Als ich Wonder Woman zum ersten Mal in „Batman versus Superman: Dawn of Justice“ spielen durfte, war sie ja viel älter als in dem darauf folgenden Film „Wonder Woman“. Da kehrt die Geschichte zu ihren mythologischen Ursprüngen zurück. Ich hatte in den letzten beiden Jahren also sehr viel Zeit, mich intensiv mit dieser Comic-Figur, die es ja schon fast 75 Jahre gibt, zu beschäftigen. Ich habe mich mit großer Leidenschaft in dieses Vermächtnis eingelesen und mir natürlich viele Eigenschaften der traditionellen Wonder Woman angeeignet. Aber wirklich entscheidend für mich war, dass ich mir dann meine ganz eigene Wonder Woman kreiert habe.

Wie haben Sie das gemacht? Was war Ihnen da besonders wichtig?

Für mich ist Wonder Woman eine Frau voller Leidenschaft. Aber auch voller Liebe und Fürsorge. Natürlich ist es sehr wichtig, dass ich im Film auch ihre Besonderheiten verkörpere: also die kriegerische Amazonen-Prinzessin mit den Superkräften. Sie ist eine unsterbliche Göttin, die – wenn es sein muss – wild und erbarmungslos zu kämpfen weiß. Aber sie ist auch eine Frau, die eben ihre Fehler und Unzulänglichkeiten hat. Das zu zeigen ist für mich sehr wichtig. Meine Wonder Woman ist auch emotional verletzbar.

Sie haben sich für die Rolle einem rigorosen Fitnesstraining unterzogen.

Oh ja, ich wurde über Monate hinweg auf den physischen Aspekt der Rolle vorbereitet. Ich wurde zum Beispiel im Kung-Fu-Boxen und Jiu Jitsu ausgebildet, habe Capoeira gemacht und mich mit Kraft- und Cardio-Training bis zum Umfallen gequält. Aber die größte Herausforderung war der psychische Aspekt. Ich war furchtbar nervös und hatte über Wochen hinweg Alpträume.

Hinzu kam vermutlich noch, dass die Wonder Woman-Fans zunächst gar nicht begeistert von Ihnen waren…

… und im Internet ihrem Unmut deutlich Luft gemacht haben. Man warf mir vor, ich hätte als Wonder Woman einen viel zu kleinen Busen. Und überhaupt würde ich aussehen wie ein Wischmopp mit Kürbis-Kopf.

Wie schafft es ein Model aus Israel dann doch in die Herzen Hollywoods?

Das war alles andere als leicht. Ich hatte zwar schon in Israel auch als Schauspielerin gearbeitet, aber als ich dann den Sprung nach Hollywood wagte, nahm mich anfangs kaum jemand zur Kenntnis. Erst als ich 2009 in „Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile“ mitspielen durfte, ging es langsam mit meiner Karriere bergauf. Ich war dann noch bei drei weiteren „Fast & Furious“-Movies dabei und habe auch noch einige andere Filme gedreht. Aber mein erster richtiger Film – bei dem ich nicht nur der sexy Sidekick war – ist „Wonder Woman“. Mit diesem Film hatte ich dieses Jahr meinen großen Durchbruch.

Gut, dass Sie nicht vorher das Handtuch geworfen haben…

… da war ich tatsächlich kurz davor. Denn trotz des relativen Erfolgs wurde ich beim Vorsprechen immer öfter abgelehnt. Irgendwann war ich von den vielen „Neins“ so frustriert, dass ich schon drauf und dran war, Los Angeles für immer zu verlassen und in meine Heimat Israel zurückzukehren. Dort ist mein Ehemann (der Unternehmer Yaron Versano; A.d.Red.) in Tel Aviv sehr erfolgreich als Geschäftsmann tätig. Jetzt pendle ich zwischen L.A. und Tel Aviv hin und her. Dann plötzlich bekam ich – zu meiner großen Überraschung – die Wonder-Woman-Rolle. Und die hat mein Leben total verändert.

In „Justice League“ geht es auch darum, dass man die Hoffnung nie aufgeben sollte. Wenn es Ihnen mal richtig schlecht geht – wie bauen Sie sich dann wieder auf?

Da ziehe ich mich zurück und umgebe mich mit Menschen, die ich liebe. Denen ich vertrauen und mein Herz ausschütten kann. Das sind meine Familie und meine Freunde. Ganz besonders natürlich mein Ehemann und meine beiden Töchter. Die Zeit mit ihnen heilt alle meine Wunden und baut mich sehr schnell wieder auf.

Stimmt es, dass Sie unsere Kanzlerin Angela Merkel bewundern?

Bewundern ist vielleicht etwas zu viel gesagt, aber ich habe ein große Hochachtung vor ihr. Ich fand es eine sehr berührende und menschliche Geste, dass sie vor zwei Jahren so viele Flüchtlinge aus diesen schlimmen Kriegsgebieten in Deutschland hat Zuflucht finden lassen. Das zeugt doch von großer moralischer Stärke und der Fähigkeit zu Empathie und Mitgefühl.

In Hollywood stehen gerade viele mächtige Player wegen brutalem Machtmissbrauch – vor allem gegenüber Frauen – am Pranger. Wurden Sie als Filmschauspielerin auch bedrängt? War sogar jemand sexuell übergriffig?

Das ist eine gute und sehr wichtige Frage. Und ich will Ihnen darauf ganz ehrlich antworten. Ich wurde – zu meinem großen Glück – nie eindeutig sexuell bedrängt oder gar körperlich missbraucht. Was ich allerdings erleiden musste, war eine subtile Art von Unterdrückung.

(Sie zückt ihr Handy)

Ich lese Ihnen jetzt mal etwas vor, dass ich unlängst im Internet gefunden habe. Genau diese Art von Doppelmoral habe ich nämlich sehr, sehr oft in Hollywood am eigenen Leib erfahren müssen. Also: „Ein Mann ist energisch – eine Frau ist aufdringlich. Ein Mann ist durchsetzungsfähig – eine Frau aggressiv. Ein Mann denkt strategisch – eine Frau ist manipulierend. Ein Mann ist konsequent – eine Frau ist erbarmungslos. Ein Mann ist ein Perfektionist – eine Frau ist eine Nervensäge!“ Schrecklich unfair, oder?

Wie haben Sie sich in den entsprechenden Situationen verhalten?

Ich war immer ausgesprochen nett und höflich. Aber damit ist jetzt Schluss! Denn so ein Verhalten ist falsch. Wir Frauen sollten uns jetzt sehr deutlich zur Wehr setzen und uns nichts mehr gefallen lassen!

Es gibt auch Männer, die keine Schweine sind…

(Lacht) Aber natürlich. Gott sei Dank! Ich will ja um Himmelswillen auch nicht alle Männer über einen Kamm scheren. Ich liebe Männer! Ich habe den besten Mann auf der Welt geheiratet! Und bin sehr glücklich mit ihm.

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