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Bevölkerungsentwicklung Baden-Württemberg

Interaktive Karte mit der Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg. Die Einwohnerzahlzahl bleibt laut Prognose im Südwesten bis 2035 konstant, aber das Durchschnittsalter steigt.

Von Marco Weiß

Baden Württemberg hat bundesweit den höchsten Anteil Minderjähriger

17,1 Prozent der Bevölkerung Baden‑Württembergs sind unter 18 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Baden‑Württemberg, das Anfang der 1950er-Jahre bei lediglich knapp 35 Jahren lag, hat sich bis zum Jahr 1970 praktisch nicht verändert.

Durchschnittsalter, Einwohnerzahl und Prognose

Klicken Sie sich durch unsere interaktive Grafik und sehen Sie, wie sich das Durchschnittsalter und die Einwohnerzahl in jeder Gemeinde in Baden-Württemberg von 2004 bis 2014 entwickelt haben. Auf Grundlage der Daten der regionalisierten Bevölkerungsvorausrechnung wagen wir zudem einen Blick in die Zukunft. Welche Gemeinden gewinnen Einwohner hinzu, welche schrumpfen.

Baden-Württemberg hinter Hamburg und Berlin

Blaubeurer TorSeither ist die Gesellschaft aber deutlich gealtert: Die Bevölkerung war Ende 2014 im Schnitt bereits 43,3 Jahre alt und damit um über 8 Jahre älter als noch 1970, so das Statistische Landesamt. Dennoch weist der Südwesten nach Hamburg (42,4 Jahre) und Berlin (42,8 Jahre) bundesweit die drittjüngste Bevölkerung auf. Am ältesten ist die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt mit im Schnitt 47,5 Jahren, gefolgt von den anderen neuen Bundesländern.

Leichter Ansteig der Geburtenrate

Ursächlich für die Alterung der Bevölkerung in Baden‑Württemberg ist zum einen eine zu geringe Geburtenrate: Diese lag annähernd vier Jahrzehnte lang bei lediglich etwa 1,4 Kindern je Frau; in den vergangenen Jahren ist allerdings ein leichter Anstieg der Geburtenrate zu beobachten. Zum anderen hat auch die enorm gestiegene Lebenserwartung – seit Anfang der 1970er-Jahre um gut neun Jahre bei den Frauen bzw. sogar um knapp elf Jahre bei den Männern – zu einem stetigen Anstieg des Durchschnittsalters geführt.

Zuwanderung mildert Probleme

Dass Baden‑Württemberg trotz einer zwischenzeitlich nur noch durchschnittlichen Geburtenrate und der höchsten Lebenserwartung der Bundesländer bundesweit mit die jüngste Bevölkerung aufweist, ist vor allem auf eine zeitweise starke Zuwanderung zurückzuführen. Denn die Zuziehenden sind im Schnitt deutlich jünger als die einheimische Bevölkerung und haben somit die Alterung der Bevölkerung abgeschwächt.

Gewinner und Verlierer

Zwischen 2004 und 2014 ist die Gemeinde Moosburg bei Biberach (+8,6 Jahre) landesweit am stärksten gealtert. Gewinner im Kampf um junge Leute sind große Städte mit starker Wirtschaft, Hochschulen und Universitäten wie Karlsruhe, Tübingen, Stuttgart und Heidelberg. Nur hier gelingt es, das Durchschnittsalter stabil zu halten.

Verlierer sind kleine Gemeinden wie Heiligkreuzsteinach im Rhein-Neckar-Kreis (-21,7 Prozent), Hausen am Bussen im Alb-Donau-Kreis (-20,6 Prozent) und Unterkirnach im Schwarzwald-Baar-Kreis (-19,5 Prozent) mit Bevölkerungsrückgängen um etwa ein Fünftel in nur einer Dekade.

Aus dem Schwarzwald in die Städte

Laut Prognose wird die Gemeinde Moosburg (-14,9 Prozent) bis 2035 prozentual am meisten Bevölkerung einbüßen. Dicht gefolgt von den Schwarzwaldgemeinden Ibach (-14,7 Prozent) und Forbach (-13,2 Prozent).Messstetten im Zollernalbkreis (+19,4 Prozent), Hohenstadt im Landkreis Göppingen (+18,5 Prozent) und Breitingen im Alb-Donau-Kreis (+18,2 Prozent) können sich dagegen über deutlich steigende Einwohnerzahlen freuen.

Große Probleme im Osten

Ganz anders die Entwicklung in den neuen Bundesländern: Diese hatten noch Anfang der 1990er-Jahre eine jüngere Bevölkerung als das frühere Bundesgebiet – aber der zeitweise starke Wegzug gerade jüngerer Menschen in Verbindung mit einem vorübergehenden drastischen Rückgang bei der Geburtenrate hatte den Alterungsprozess enorm beschleunigt.

Deutliche Alterung bis 2060

Blaubeurer TorEine weitere Alterung der Bevölkerung in Baden‑Württemberg und in den anderen Bundesländern ist aufgrund der bestehenden Struktur programmiert. Das Durchschnittsalter im Südwesten könnte sich bis zum Jahr 2060 nochmals um voraussichtlich knapp 5 Jahre auf dann 48 Jahre erhöhen. Und diesen Trend würde auch eine weiterhin hohe Zuwanderung nach Baden‑Württemberg lediglich abschwächen, nicht aber verhindern. Allerdings: Ohne Zuwanderung wäre die baden‑württembergische Bevölkerung im Jahr 2060 sogar durchschnittlich 51 Jahre alt.

Demografie als Wissenschaft

Die Demografie befasst sich statistisch mit der Entwicklung von Bevölkerungen und ihren Strukturen. Sie untersucht ihre alters- und zahlenmäßige Gliederung, ihre geografische Verteilung sowie die Umwelt- und sozialen Faktoren, die für Veränderungen verantwortlich sind.

Daten: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg