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Das sind die Unfallschwerpunkte der Region

Wo kracht es am häufigsten? Die Karte zeigt alle Unfallschwerpunkte vom Bodensee bis auf die Ostalb, von Ulm bis zum Schwarzwald.

Von Simon Haas

Allein an den 150 Unfallschwerpunkten zwischen Bodensee und Ostalb sind in den Jahren 2013 bis 2015 1531 Menschen bei mehr als 1000 Unfällen verletzt worden, 27 starben. schwäbische.de hat jetzt die Daten aus der Polizeistatistik ausgewertet.

Was ist überhaupt ein Unfallschwerpunkt?

Unfallschwerpunkte sind Kreuzungen oder kurze Streckenabschnitte, auf denen in einem bestimmten Zeitraum gehäuft ähnliche Unfälle durch ein ähnliches Fehlverhalten verursacht werden. Unsere Karte zeigt ausschließlich die polizeilich erfassten "Unfallhäufungsstellen" und "Unfallhäufungslinien", an denen zwischen 2013 und 2015 Menschen verletzt oder getötet wurden. Auffahrunfälle sowie Unfälle außerhalb dieser Schwerpunkte werden nicht dargestellt. Jedes Jahr kommen in der Region neue dazu, andere fallen wieder aus der Statistik – durch eine veränderte Verkehrssituation oder weil sie baulich entschärft wurden, etwa durch veränderte Ampelschaltungen oder Kreisverkehre.

Keine Daten liegen für den Landkreis Lindau vor, da die bayerischen Behörden nicht zu einer Zusammenarbeit bereit waren.

Was sind die Hauptursachen für die vielen Unfälle?

Innerorts ereignen sich laut Götz Kammerer vom Polizeipräsidium Konstanz die meisten Unfälle im Bereich von Einmündungen und Kreuzungen. Deshalb liege die Ursache zumeist bei Vorfahrtsverletzungen und Fehlern beim Abbiegen.

Außerorts sei es an Kreuzungen und Einmündungen genauso. "Aber hier kommen noch eine Vielzahl von Unfällen auf 'freier' Strecke hinzu", erläutert der Verkehrsexperte. Dort seien es dann meist nicht angepasste Geschwindigkeit und Überholvorgänge, die zu statistisch relevanten Unfällen führten.

Wie der Unfallschwerpunkt entschärft werden kann - darüber berät regelmäßig die jeweils zuständige Unfallkommission, die sich aus Polizei, Straßenverkehrsbehörde und der Straßenbaubehörde (zum Beispiel dem Landratsamt) zusammensetzt. "Häufig sind aber auch Glätte, Übermüdung des Fahrers oder sonstige Fahrfehler für die Unfälle verantwortlich, die auch durch verkehrsrechtliche Maßnahmen nicht hätten verhindert werden können", heißt es etwa vom Landratsamt Bodenseekreis.

Wo verunglücken am häufigsten Menschen auf der Straße?

Auf den Straßen im Südwesten sind 2015 mehr Menschen verletzt oder getötet worden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Zahl der Verunglückten um 1,5 Prozent auf 48 618, die Zahl der Getöteten um 3,6 Prozent auf 483. (Die folgenden Grafiken berücksichtigen alle Unfälle - auch jene außerhalb von Unfallschwerpunkten.)

 

Trauriger Spitzenreiter bei den Verkehrstoten ist Tuttlingen mit elf Getöteten je 100 000 Einwohner, gefolgt von den Landkreisen Rottweil und Waldshut (beide zehn). Besonders viele Verunglückte gab es im Kreis Konstanz hinter Pforzheim (656), Freiburg (567) und dem Ortenaukreis (553).

Wo ist es besonders gefährlich - und was unternehmen die Behörden dagegen?

Ulm: Verwirrung am Pseudo-Kreisel

Der Ring am Blaubeurer Tor in Ulm (Foto: nuz) sieht zwar aus wie ein Kreisverkehr, ist aber keiner. Autofahrer, die sich in den Pseudo-Kreisel wagen und die Spur wechseln möchten, leben gefährlich - Generationen von Ulmern können ein Lied davon singen. Zwischen 2013 und 2015 ereigneten sich dort an drei Stellen 48 Unfälle mit insgesamt 59 Leicht- und zwei Schwerverletzten. Als erste Maßnahme habe die Stadt Ulm jetzt die Fahrbahnmarkierung am Blaubeurer Tor verbessert: Eine Wegweisung direkt auf der Fahrbahn, beispielsweise in Richtung B311, erleichtert den Verkehrsteilnehmern künftig die Orientierung, so eine Sprecherin. "Mittelfristig sind bauliche Maßnahmen in Planung, die aber erst noch bei einem Ortstermin dem Gemeinderat vorgestellt werden", kündigte noch im November 2015 eine Sprecherin der Stadt Ulm an.

Knapp ein Jahr später, im Oktober 2016, heißt es von der Pressestelle: "Aufgrund der vielen Straßenbaustellen, die es derzeit bei uns (noch) gibt, sieht man aber davon ab, jetzt dort eine weitere aufzumachen."

Überlingen: Todesfalle B31

Blaubeurer TorAuf der B31 zwischen Überlingen und Kressbronn gibt es mehr als ein Dutzend Unfallschwerpunkte, an denen es immer wieder zu tödlichen Unfällen kommt. Besonders gefährlich: Die B31 Höhe Parkplatz Burgberg. Dort gab es wiederholt Unfälle im Zusammenhang mit riskanten Wendemanövern, nachdem Autofahrer die Ausfahrt Überlingen, Burgberg verpasst hatten. Die Folge: in nur sechs Unfällen vier Schwerverletzte und 15 Leichtverletzte. "Im Frühjahr 2015 wurde die Wegweisung an dieser Ausfahrt verbessert", so ein Sprecher der Stadt. "Sobald die B31neu fertig ist wird der Verkehr ohnehin nicht mehr an diesen Parkplätzen vorbeigeführt. Der Parkplatz südöstlich des Burgberg wird beim Neubau der B31neu entfallen", so der Sprecher weiter. Die Verkehrsführung werde damit verbessert - allerdings wohl nicht vor 2019.

In den kommenden Monaten will außerdem die Unfallkommission der Stadt Überlingen erneut tagen und prüfen, welche zusätzlichen Maßnahmen an dieser Unfallhäufungsstelle in Betracht kommen.

Kressbronn: Vierspurig in Bayern, schmalspurig in Baden-Württemberg

17 Unfälle mit drei Toten, neun Schwerverletzten und 21 Leichtverletzten - das ist die Unfallbilanz auf der Strecke zwischen Kressbronn und der bayerischen Staatsgrenze. Zahlreiche Überholverbote, zum Beispiel im Knotenpunktbereich mit der B 467, sollen künftig Unfälle verhindern. Außerdem ist im neuen Bundesverkehrswegeplan auf bayerischer Seite ein vierstreifiger Ausbau des Streckenabschnittes vorgesehen - nicht aber auf der baden-württembergischen. "Unverständlich" nennt das ein Sprecher des Landratsamts Bodenseekreis. Denn: "Auf baden-württembergischer Seite ist das Verkehrsaufkommen selbstverständlich identisch hoch."

Immenstaad: Tempo 70 - weniger Unfälle oder mehr Verwirrung?

An der Kreuzung B31/Kirchberger Straße vor Friedrichshafen ereigneten sich zwischen 2013 und 2015 sieben Unfälle mit sieben Schwerverletzten und zehn Leichtverletzten. Jetzt hat die Stadt Friedrichshafen gehandelt und eine umstrittene Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70 Kilometer pro Stunde umgesetzt. "Die Örtlichkeit war bereits vor zwei Jahren Gegenstand der Beratungen der Unfallkommission, zwischenzeitlich wurden anderweitige Maßnahmen geprüft (z.B. andere Führung der Buslinie und Entfall der Bushaltestelle auf der B 31)", heißt es vom Regierungspräsidium Tübingen. "Nachdem weitere Maßnahmen nicht möglich waren, hat die Stadt die Geschwindigkeitsbeschränkung angeordnet."

Ravensburg: Ampel für die Rampe

12 Unfälle mit 12 Leichtverletzten gab es an der Rampe Ravensburg-Süd (B30/B33 Richtung Meersburg). Künftig sollen dort spezielle Verkehrszeichen ('Gefahrenstelle' mit Zusatzzeichen 'Unfallgefahr') Autofahrer vor dem Unfallschwerpunkt warnen. "Die Umsetzung wird demnächst erfolgen", heißt es vom Regierungspräsidium. Mittelfristig, "voraussichtlich Ende nächsten Jahres", soll im Zuge der Fertigstellung des Neubaus B 30 Süd der Unfallschwerpunkt außerdem mit einer Ampelanlage entschärft werden.

Aalen: "Chronisch überlastet" - die B29 im Ostalbkreis

Blaubeurer TorAuf der B29 zwischen Lorch und Bopfingen gibt es 10 Unfallschwerpunkte, bei Essingen und Westhausen zwei besonders gefährliche: Zumindest für jenen in Essingen (ein Toter, ein Schwerverletzter und 16 Leichtverletzte) gibt das Regierungspräsidium Stuttgart Entwarnung. "Der Knotenpunkt bei Essingen wird künftig entfallen, da die B29 zwischen Essingen und Aalen vierspurig ausgebaut wird", erläutert eine Sprecherin. Als Baubeginn nennt sie 2017. Auch den Streckenabschnitt zwischen Oberalfingen und der A7, auf dem weitere Unfallschwerpunkte an (Ampel-)Kreuzungen liegen, werde "überplant". Kurzfristige bauliche Änderungen seien allerdings nicht vorgesehen und "mit Blick auf die aktuellen Ausbauplanungen auch nicht vorgesehen", erklärt eine Sprecherin des Landratsamts Ostalbkreis. Beide Behörden sehen als Ursache für die vielen Unfälle die "chronische Überlastung" der Knotenpunkte. "Durch die Staus und die Wartezeiten erhöht sich die Risikobereitschaft der Verkehrsteilnehmer an den dortigen Ampeln. Das heißt, die Verkehrsteilnehmer nutzen unter Umständen die Gelbphase, mitunter auch den Beginn der Rotphase, zum Einfahren in den Knotenpunkt", heißt es vom Regierungspräsidium.