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„Jo, komm mir bloß uf d’Kirbe !“

Pflummern – Seit über zwei Jahrzehnten hat das Kirbefest in Pflummern seinen festen Platz im Jahreskalender beim Gemischten Chor. Singen, Gemeinschaft pflegen und danken für ein gutes Erntejahr prägen das Kirbefest – als schwäbische Verbindung von Erntedank und Sichelhenke. Dieses Jahr wird am 14. Oktober in Pflummern gefeiert und damit eine alte Tradition fortgeführt.Wenn die schwere Arbeit auf dem Feld geschafft ist, pflegte man früher in vielen Bauernhöfen eine Sichel am obersten Balken der Scheuer zu befestigen.Zuvor wurde die Tenne ausgeräumt und gesäubert, Bänke und Tische aufgestellt, Platz für eine Tanzfläche freigehalten und Gutes für Seele und Magen kredenzt. Knechte und Mägde des Hofes, aber auch die Taglöhner, die aushalfen, wenn besonders viele Arbeit zu bewältigen war, saßen mit den Bauersleuten an der Festtafel.Gut gelaunt, wie man bei solchen Gelegenheiten zumeist ist, galt dann das schwäbische Sprichwort: „Komm du no mir uf´Kirbe.“ Da traf man sich, Alt und Jung, Groß und Klein, Hofbesitzer mit Knechten und Mägden. Essen und trinken war umsonst, manches Ungerade des Jahres konnte begradigt werden, der Erntesommer sollte in Freude abgeschlossen werden. Man konnte sich freuen über die eingebrachte Ernte; froh sein, dass die schwere Arbeit auf dem Feld mit viel Muskelkraft und weniger Maschinen als heute geschafft ist und sich an manches erinnern, was im Laufe des Jahres so passiert ist. In Pflummern gab es seit langer Zeit im Herbst kein Fest, an dem die Dorfbewohner sich ungezwungen, ohne Zeitdruck treffen konnten. Elmar Bischel war im Jahr 1989 Vorsitzender des Gemischten Chors Pflummern, Chorleiter war Hansjörg Manz. Ihnen kam die Idee, der Chor könnte doch zur Herbstzeit zu einem Fest für das ganze Dorf einladen – in der Tradition des Kirbefest. In der Vorbereitung auf das Kirbefest war früher das Backhäusle in Pflummern begehrt und gut belegt. „Manche Familien haben zehn oder zwölf Kuchen für das Kirbefest gebacken“ erinnert sich Martha Bischel, „besonders beliebt waren Apfel-, Käse- und Zwiebelkuchen mit Hefeteig als Unterlage.“ Den ganzen Samstag sei Hochbetrieb im Backhäusle gewesen, denn das Kirbefest fand immer am Sonntag statt. Torten gab es keine, doch der geriebene Birnenkuchen sei für viele Gäste ein besonderer Leckerbissen gewesen. Dafür haben man an frisch geschüttelten Birnen, vielleicht Schweizer Wasserbirnen, mit viel Handarbeit die Schale abgerieben und als Kuchenbelag verwendet. Nicht aller Kuchen konnte an dem Fest verzehrt werden, denn die Taglöhner gingen zuvor bei jedem Hof, bei dem sie das Jahr über gearbeitet haben, vorbei und bekamen auch ein Stück Kuchen mit. Nicht selten kam es daher vor, dass man Tage danach immer noch ein Stück Kirbekuchen zum Rübenernten aufs Feld mitnahm.„Beim Pflummerner Kirbefest gab es früher auch Volkstanz“, ergänzt Rainer Bischel, der heute den Chor leitet. Höhepunkt als Vorführung war ein großer Bändertanz um einen Blumenkorb. Als Gesangverein habe man früher kein Konzert aufgeführt. Daher sollte das Kirbefest als gesungenes Gemeindefest ohne Eintritt für die ganze Bevölkerung Pflummerns und gern gesehene Gäste von auswärts verstanden werden. Beim Kirbetanz am Sonntagabend hat mancher Jungbauer seine Augen offen gehalten, ob er unter den jungen Damen nicht eine künftige Bäuerin entdecken könnte.Diese Tradition, wenn auch ohne Tanz, führt der 1847 als reiner Männerchor gegründete Verein seit 1989 bis heute weiter. Vor 140 Jahren wurde er zu einem Gemischten Chor erweitert und bereichert geistliche und weltliche Anlässe mit seinem Gesang. Wie in den vergangenen Jahren wird das Pflummerner Kirbefest auch in diesem Jahr vom Gemischten Chor Pflummern als Gastgeber zusammen mit dem Liederkranz Zwiefaltendort mit Chorleiter Hansjörg Manz und den Schwäbischen Altbachmusikanten gestaltet.

Die Familien Bischel und Sauter sind eng mit dem Kirbefest verbunden. Unser Foto zeigt (von rechts) den früheren Vorsitzenden Elmar Bischel, Martha Bischel, Monika Sauter (2. Vorsitzende), Chorleiter und Vorssitzender Rainer Bischel, Werner Sauter und Petra Lingnau (Schriftführerin).
Die Familien Bischel und Sauter sind eng mit dem Kirbefest verbunden. Unser Foto zeigt (von rechts) den früheren Vorsitzenden Elmar Bischel, Martha Bischel, Monika Sauter (2. Vorsitzende), Chorleiter und Vorssitzender Rainer Bischel, Werner Sauter und Petra Lingnau (Schriftführerin).
Kurt Zieger
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