Deutscher nach 530 Tagen in mexikanischer Haft wieder frei
„Das Auslieferungsersuchen war ein Betrug, ohne Beweise“, sagte Honorarkonsul Georg-Christoph Bauer. Das habe auch der Richterspruch bestätigt, fügte der wie Hornhauer aus Baden-Württemberg kommende Unternehmer hinzu. Er kämpfte mit Anwalt Arnulfo Moya Vargas unermüdlich gegen die unbewegliche mexikanische Justiz, um den Unschuldigen freizubekommen. Bereits im Dezember des vergangenen Jahres hatte Hornhauer schon einmal seine Sachen gepackt, weil ihn ein Richter freigesprochen hatte. Doch da kam ein Einspruch des Außenministeriums, der Traum der Freiheit war geplatzt.
Frank Hornhauer steht jetzt vor einem Scherbenhaufen. „Der Alptraum ist noch nicht zu Ende“, sagte er am Dienstag. „Im Gegenteil: Jetzt fängt der ökonomische Alptraum an.“ Sein Touristikunternehmen „Andalemexico“ wurde von den Behörden geschlossen, seine Bankkonten wurden gesperrt. Zahlreiche Forderungen von Kunden, die nach der Inhaftierung Hornhauers eine Reise gebucht und die Anzahlung geleistet hatten, liegen vor. Am Montag drückte ihm seine Bank Bancomer in Queretaro einen Scheck mit umgerechnet 3000 Euro in die Hand. „Das ist ein Bruchteil von dem Geld, das vor eineinhalb Jahren auf der Bank war“, sagt Hornhauer. „Das ist ungesetzliche Geldentnahme durch die Bank“, meint Bauer. Die Bank habe gesagt, es stehe ihm frei zu klagen, wenn er nicht einverstanden sei. Klagen kostet Geld und dauert ebenfalls Jahre.
Dennoch will Hornhauer nicht aufgeben. Ehemalige Angestellte haben sich gemeldet und wollen ihm dabei helfen, wieder auf die Beine zu kommen und das Unternehmen, das im Internet Reisen in Mexiko verkaufte, wieder aufzubauen. Wegen der mangelnden Rechtssicherheit in dem Land würde Hornhauer gerne das Geschäft von Europa aus betreiben, mit einer Niederlassung in Mexiko. Honorarkonsul Bauer sieht eine Menge Probleme auf seinen Schützling zukommen. „Frank findet sich nicht zurecht“, sagt er. „Er braucht eine Therapie.“
Kein Wunder, denn eineinhalb Jahre unschuldig in einem mexikanischen Gefängnis sind auch für Hartgesottene nur schwer zu überstehen. „Ich hätte bereits nach 55 Tagen wieder freigelassen werden müssen.“ Alles in allem ist er froh, die Haft überlebt zu haben. Blutige Meutereien in mexikanischen Gefängnissen aber auch Auftragsmorde mit Wissen des Gefängnispersonals sind in Mexiko keine Seltenheit. Bewegung in die Sache Hornhauer kam erst, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel das Land besucht hatte. „Ich bin Frau Merkel dankbar, denn ich glaube, dass durch sie der Druck auf die mexikanischen Behörden so groß wurde, dass ich heute frei bin.“
Ganz frei ist er aber noch nicht. Als er aus dem Gefängnis entlassen wurde, standen schon Vertreter der Einwanderungsbehörde bereit, um ihn erneut einzusperren. Er hatte, weil er im Gefängnis saß, seine Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert. Dank Anwalt Moya und Konsul Bauer, der für ihn bürgt, durfte Hornhauer auf freiem Fuß bleiben und muss innerhalb von 30 Tagen seine Migrationspapiere in Ordnung bringen.
(Erschienen: 19.08.2008 07:00)







