Museum ehrt den großen Dichter
"Das Museum in Wangen ist einzigartig in Europa", begeistert sich Sybille Heimann, die das Eichendorff-Museum und das Archiv seit acht Jahren ehrenamtlich betreut. "Zu uns kommen Menschen aus der ganzen Welt, besonders oft ausländische Germanistikstudenten, für die unser Archiv eine wahre Fundgrube ist."
Da Joseph Freiherr von Eichendorff vor 150 Jahren gestorben ist, "wollen wir das in unserem Ausstellungsraum in diesem Jahr besonders unterstreichen."
Die Eichendorff-Büste wird in die Mitte des Raumes gerückt und mit Blumen geschmückt, Eichendorff-Lesungen sind geplant, Vorträge werden über Werk und Leben des Romantikers informieren. Auch Liederabende stehen auf dem Programm, denn "fast jeder Komponist von Rang und Namen, wie beispielsweise Schumann, Mendelssohn und Brahms, hat Eichendorffs Lyrik vertont."
Funken soll überspringen
Wer kennt sie nicht, die guten alten Volkslieder: " Wem Gott will rechte Gunst erweisen" oder "In einem kühlen Grunde". Doch nicht nur Liedgut machte Eichendorff populär. Sein Werk "Aus dem Leben eines Taugenichts" wurde in alle Sprachen übersetzt, es gibt ihn sogar auf chinesisch, japanisch, Esperanto.
"Das wichtigste Anliegen unseres Museum ist, den Menschen Eichendorff näher zu bringen", erklärt Sybille Heimann ihr Engagement. Sie selbst verehrt den Dichter, liebt seine Lyrik und die Beschäftigung mit der Literatur. Genau dieser Funken soll überspringen auf die Besucher des liebevoll gepflegten Museums in der Langen Gasse.
Dort sind Erstausgaben, Texte und Gedichte zu finden, es gibt private Briefe und Lebenszeugnisse dieses typischen Vertreters der Spätromantik. Das ausliegende Gästebuch quillt über vor Lob: "Wir haben Eichendorff in Ratibor gesucht - und hier gefunden!"
An seinem Geburtsort in Ratibor auf Schloss Lubowitz erinnert eine kleine Gedenkstätte an Eichendorff, in Wangen lebt er in "dem deutschen Eichendorff-Museum" weiter. Doch wie kam es dazu? Willibald Köhler arbeitete in den 30er Jahren in Eichendorffs Sterbehaus in Neisse am ersten deutschen Eichendorff-Museum mit, das im zweiten Weltkrieg jedoch zerstört wurde. Nachdem er in Wangen eine neue Heimat fand, begann Willibald Köhler in seinem Haus am Atzenberg mit dem Wiederaufbau des Eichendorff-Museums. Er fing ganz von vorne an und sammelte bei Eichendorffs Verwandten, bei Literaturfreunden und auf Auktionen.
Im Lauf der Jahre erstand das einzigartige Museum neu, das Willibald Köhlers Sohn Meinrad und dessen Frau Ruth bis zu ihrer Pensionierung betreuten - auch noch nach der Integration des Eichendorff-Museums 1988 in die städtischen Museen. Sybille Heimann erklärt die Faszination von Eichendorffs Werk: "Seine schlichte Lyrik ist ergreifend, seine Reime sind für jeden verständlich."
(Erschienen: 29.03.2007 00:06)








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