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Wangen

Allgäuer bauen den stärksten Motor der Welt

(LEUTKIRCH/ZÜRICH/don) Das Ding im Titanmantel sprengt alle Dimensionen. Alles Handarbeit von Tüftlern aus Leutkirch und Zürich. Es ist nur so groß wie eine Streichholzschachtel. Aber es hat eine unglaubliche Power und Leistung. Ein Million Mal dreht sich die Welle im Inneren des Elektromotors, das sind 16000 Umdrehungen pro Sekunde. Auf Maximalleistung pfeift es hoch und fein wie eine Flugzeuturbine.

330 mal schneller als Bohrmaschine

„Sie ist 330 Mal so schnell wie eine Bohrmaschine“, sagt Wolfgang Thaler, Chef des Leutkircher Motorenherstellers ATE System. Das ist Weltrekord. Herkömmliche Motoren dieser Art sind zehn bis 20 mal größer und schaffen bei einer Leistung von 100 Watt lediglich 300000 Umdrehungen pro Minute. Noch unvorstellbarer ist, was in den Kugellagern abgeht, die in dem Motörchen stecken. „Dort herrschen Geschwindigkeiten von bis zu 450 Stundenkilometer, da drin geht es zu wie in einem Rennboliden“, sagt Martin Engler, Businness Unit Manager beim Kugelllagerhersteller myonic, der die Lager entwickelt hat.

Ein dauerrotierender Magnet, Titanwerkstoffe, spezielle Wicklungssysteme und bisher in diesem Bereich nicht eingesetzte Materialien ermöglichen die Leistung des Minimotors. Das Ding ist so kraftvoll, dass es in einem vielfach verschraubten durchsichtigen Gehäuse gebändigt wird. Das ist auch gut so. Es hat die mehrfache Durchschlagskraft einer Gewehrkugel.

„Entwickelt und hergestellt worden ist der Motor in „einer bisher einmaligen Kooperation zwischen ATE, myonic und der Technischen Hochschule Zürich“, wie Christof Zwyssig von der ETH Zürich erklärt. Die Initiative dazu habe sich aufgrund alter Kontakte zwischen der ETH und der ATE ergeben. In der Automobilindustrie und vor allem im Halbleiterbereich gebe es einen deutliche Trend zu rMiniaturiesierung. „Kleiner, leichter, schneller und effizienter“, laute dort das Motto. Auf diese Herausforderung habe man reagieren wollen.

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Test in Piccard Solarflugzeug

Vier Jahre Entwicklung und Knowhow von allen drei Partnern stecken in der High-Tech-Zündholzschachtel. Der Prototyp ist fertig und wird auch schon im Testbetrieb eingesetzt – im Solarflugzeug „Solarimpuls“, in dem der Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard 2011 mit dem Kraftstoff Sonne nonstop um die Erde fliegen will. Dort wird der Motor aus Leutkirch die Kompressoren für den Druckausgleich antreiben; herkömmliche Kompressoren wären zu schwer. Fünf bis zehn weitere Interessenten an dem Miniantrieb haben sich bereits gemeldet. Eine Spin-Off Firma, die Celeroton AG mit Sitz in der Schweiz, die die Sytemverantwortung für den neuen Motor hat, ist gegründet. Vom 25. bis 27. November wollen Thaler, Engler und Zwyssig den Supermotor auf der „Drives“ in Nürnberg, einer Leitmesse für Antriebstechnik, vorstellen. Dort erhoffen sie sich für ihr Motörchen eine „Initialzündung im Markt“. Gute Geschäfte erwarten sie sich in der Zukunft mit Herstellern von Autos, Flugzeugen, Notebooks, Medizintechnik, Brennstoffzellen, aber auch in der Solarindustrie.

(Erschienen: 14.11.2008 13:50)


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