Lama Wilhelmine ist allein unter Schafen
Zwischen weidenden Schafen lugt auf der Heide bei Blaustein-Bermaringen ein langer weißer Hals in die Höhe. Wer zunächst vermutet, er habe getrübte Sinne, sieht bei näherer Betrachtung: Es handelt sich um ein Lama, das sich unter die anderen Wiederkäuer gemischt hat. Das anfangs ungewöhnliche Bild bestätigt in Fachkreisen Bekanntes: Lamas verstehen sich gut mit Schafen.
Seit Pfingsten grast das Lama zusammen mit den Schafen des Bermaringer Schäfereibetriebs Stotz auf den Wiesen. Lama "Wilhelmine" war ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk für Schäfer Wilhelm Stotz, der im September Geburtstag hat. Doch Wilhelm Stotz' Sohn Dietmar hat das Tier aus den Anden zusammen mit Verwandten und Freunden schon dieses Frühjahr bei einem Zirkus erstanden: "Du musst die Tiere kaufen, wenn sie zu haben sind", meint er zu dem außergewöhnlichen Gelegenheitskauf.
Doch bis September konnte er Wilhelmine schließlich nicht als Überraschung aufbewahren: "Ich kann das Tier ja nicht in den Keller sperren", stellt Jungschäfer Dietmar Stotz fest. Es sollte natürlich sofort zu "den anderen" auf die Weide. Die anderen - gemeint sind die Schafe - betätigen sich zurzeit-als Landschaftspfleger auf dem Magerrasen der Heidefläche bei Bermaringen, denn durch die Abweidung der Heiden bleiben diese als Kulturlandschaften erhalten.
Wiederkäuer wie die Schafe
Das Lama steht seinen wiederkäuenden Gefährten in nichts nach: "Es ist ein Wiederkäuer, bloß liebt es mehr Rohfaser, sonst wird es nicht satt", berichtet Dietmar Stotz über die Fressgewohnheiten der Lamadame. Das etwa fünfjährige Weibchen mit dem ausdrucksvollen Augenaufschlag grast mit den Schafen, ist mal inmitten der Herde, mal etwas außerhalb.
Durch ihr helles Fell hebt sich Wilhelmine auf den ersten Blick vor allem durch den langen Hals von den Schafen ab. Ihren Namen - nach ihrem Besitzer Wilhelm - hat Wilhelmine durch ein Losverfahren unter allen bekommen, die sich an dem Geschenk beteiligen. Alle schrieben einen Vorschlag auf Zettel, die in einen Hut kamen. Das Los ist schließlich auf den wohlklingenden Namen gefallen, den das Andentier seither trägt.
Bei Familie Stotz soll es glücklich zwischen den Schafen leben. Ein Bedenken bleibt. Es stehe in den Sternen, ob es beim Hüten in der Herde bleibt, äußert Dietmar Stotz seine Zweifel, wenn es im Herbst daran geht, auf die Herbstweide zu ziehen. Bis dahin fühlt sich Wilhelmine wohl auf der Alb. Mit dem rauen Klima hat sie als Tier aus den teils schneebedeckten Anden sowieso keine Probleme.
Fürs erste gilt es für Familie Stotz noch, sich bei Wilhelmine beliebt zu machen: "Lamas sind Bezugstiere", weiß Dietmar Stotz, der sich jüngst ein Buch über Lamas zugelegt hat. Noch ist das Tier etwas scheu. Daher wird das Kunststück, das Wilhelm Stotz laut seinem Sohn für den bevorstehenden Geburtstag mit Wilhelmine einstudieren soll, wohl kein Leichtes werden. Dietmar Stotz meint daher lächelnd zu der bevorstehenden Vorführung: " Es würde schon reichen, wenn er ihm eine gelbe Rübe gibt."
(Erschienen: 10.08.2007 00:07)







