Trossinger spielen wieder Carrom
Von unserem Redakteur
Eric Zerm
Im Prinzip hat Trossingen bereits eine über zehnjährige Carrom-Tradition. Bei Swaran Arri, einem in Kenia geborenen und in London aufgewachsenen Inder, der seit 30 Jahren in Trossingen lebt, gehörte es quasi zur Familien-Freizeitbeschäftigung. „In Indien ist das ein Spiel, wie hier das Kartenspiel”, erklärt Arri. Durch Zufall wurde er in den 80er Jahren in Trossingen darauf aufmerksam gemacht, dass im nahe gelegenen Rottweil ein großes Carrom-Turnier veranstaltet wurde. Von diesem Zeitpunkt an ließ Arri so gut wie kein Carrom-Turnier aus, sei es in Deutschland oder in der Schweiz.
Damit hätte Arri, der damals bei einer Tochtergesellschaft von „Hengstler” in Trossingen arbeitete, eigentlich zufrieden sein können, doch schon damals schwebte ihm ein kleines Zentrum des Carrom-Spiels in seiner neuen Heimatstadt Trossingen vor. So ließ er keine Gelegenheit aus, Freunde und Bekannte für dieses indische Brettspiel zu interessieren.
Bald hatte er dann ein treue Schar neuer Carrom-Fans um sich versammelt -- unter ihnen die heutige Immobilien-Maklerin Ursula Kratt und der „Trossinger Zeitung”-Mitarbeiter Winfried Hollweg -- sodass im Januar 1988 der Trossinger Carrom-Club „Power-Fligg” entstehen konnte. Der Fligg ist der Schuss-Stein des Carrom-Spiels, das die Spielidee des englischen Pool-Billard auf ein völlig anderes Spielumfeld überträgt.
Deutsche Meisterschaften
Mit den Trossingern, die 1989 schon 30 Spieler zählten, gab es dann in Deutschland 13 Carrom-Clubs. Arri: „Wir nahmen sogar an Deutschen Meisterschaften teil.” Mehrere Male fanden diese Meisterschaften sogar in Trossingen statt. Das Vereinslokal von „Power-Fligg” war damals die „Deibhalde”.
Nach etwa zehn Jahren hatte Arri aber keine Zeit mehr, sich dermaßen für das Carrom-Spiel und den Club einzusetzen, und leider habe er innerhalb des Clubs auch keinen Nachfolger für seine Vorstandschaft gefunden, erinnert er sich. So sei die Aktivität von „Power-Fligg” 1999 dann eingeschlafen.
Jetzt möchte Swaran Arri, der bis vor zwei Jahren bei Efka Druck als Designer gearbeitet hatte und seitdem selbständiger Fotograf ist, die Trossinger Carrom-Tradition wieder aufleben lassen. Arri: „Ich schrieb per Mail vor allem die ehemaligen Mitglieder an, und das Interesse ist riesig.” Innerhalb kurzer Zeit hatte er schon wieder 15 Carrom-Enthusiasten beisammen. Auch ein neues Vereinslokal war schnell gefunden. Arri fragte bei Domenico Palilla, Betreiber der Espressobar „dot.com “in der Hohnerstraße an, ob der mit einem regelmäßigen Carrom-Abend einverstanden wäre, und bekam sofort die Zusage.
Jüngst standen sie dann wieder: die 74 auf 74 Zentimeter großen Carrom-Bretter, und die Spielsteine sausten wie zu ihren besten Trossinger Zeiten wieder über die Spielfelder. „Unser erster Abend dauerte schon wieder bis 23 Uhr”, freut sich Swaran Arri. Von nun an möchte sich der Club wieder mindestens ein Mal im Monat treffen, jeweils freitags in der dritten Woche des Monats ab 19 Uhr -- wenn das Interesse groß genug ist, auch öfter.
Ganz so hoch hinaus wie vor zehn Jahren möchte Arri aber nicht mehr. Turnierteilnahmen strebt er nicht mehr an, „ich möchte nur, dass wir einfach wieder regelmäßig Carrom spielen”.
(Erschienen: 22.02.2010 14:05)






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