Zuhörer tauchen in kontemplative Welt ein
Von unserer MitarbeiterinGisela Spreng
Der Gregorianische Choral, die älteste noch vorhandene und hervorragend überlieferte Musik des christlichen Abendlandes, bilden das Klangbild des Gotteswortes, wie es die Beuroner Mönche im Stundengebet und in der Messe täglich vortragen. Pater Dr. Stephan Petzolt OSB, der als „magister chori“ in Beuron die Leitung des Gesamtchores der Mönche inne hat, hatte sich zusammen mit den Patres Landelin und Tuttilo und Frater Felix zum Fuße des Heubergs aufgemacht, um den Dürbheimern einen Einblick in die Klangwelten der Gregorianik zu vermitteln. Passend zum Christkönig-Sonntag sang die vierköpfige Schola genau die Liturgie, die sie schon am Vormittag in der Abteikirche vorgetragen hatte.
Die vier Mönche trugen die Mess-Teile aus der heute selten gesungenen Messe 14 und weitere Gesänge mit Aussagen zum Königtum des Herrn in lateinischer Sprache vor. Besonders einprägsam war das „Cantate Domino Canticum -- Singet dem Herrn ein neues Lied“.
Es sollte zwar kein Konzert sein, sondern ein Chorgebet. Dennoch beeindruckte nicht nur der Inhalt der Gesänge, vorwiegend Texte aus Psalmen, sondern auch die Exaktheit des Singens. Diejenigen Zuhörer, die selber in einem Chor singen, wissen sehr wohl, wie schwierig es ist, einstimmig und ohne Begleitung möglichst rein und intonationssicher zu singen. Dass es dazu viel Training braucht, ist keine Frage.
Das klangschöne lateinische Chorgebet des stimmsicheren Mönchs-Quartetts, unterstützt von der angenehmen Akustik im Chorraum der Pfarrkirche, kam wie aus einem Munde. Cantor Stephan dirigierte mit sparsamen Handbewegungen, die für den gregorianischen Choral typisch sind. Die Mönche sangen nach besonderen Notenschriften, die die rhythmischen Zeichen, die Neumen, vorgeben. Die Einheit von Wort und Ton, dargeboten mit innerer Dynamik, feinem Rhythmus und zum Wortverständnis gehörenden Tempoveränderungen, die man Agogik nennt, war geradezu überwältigend.
„Wer singt, betet doppelt“
Gemäß der Überzeugung von Kirchenvater Augustinus „Wer singt, betet doppelt“ pflegen auch etliche Kirchenchöre in der Region die Tradition des gregorianischen Chorals in einer Schola, die an den Alltag der Mönche anknüpft. Der Eindruck, dass das gesungene Wort Gottes die Liturgie quasi vergolde, wurde noch verstärkt durch den goldverbrämten Rokoko-Hochaltar und die virtuosen Orgelimprovisationen rund um das Motiv „Christkönig“, die Pater Landelin der schönen Stehle-Orgel entlockte.
Die vier Benediktiner-Mönche, die auf Einladung von Diakon Dr. Engelbert Paulus nach Dürbheim gekommen waren, gaben eine lebendige Visitenkarte ihres Klosters ab. So dürften die Spenden für die Unterhaltung ihrer Beuroner Martinsorgel reichlich geflossen sein.
(Erschienen: 24.11.2009 12:20)
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