Das Internet bietet Drogen frei Haus
"Wir verzaubern Sie mit einem Lächeln", hieß es auf der Internetseite www.smartsmile.com, auf der ein holländisches Dealerpärchen, neben Hanfsamen und Psylocybin-haltigen Pilzen, auch kiloweise die Tetrahydrocannabinol-haltigen (THC) Blüten der Cannabis-Pfanze nach Deutschland verkaufte. Der 24-jährige Hauptangeklagte aus Meckenbeuren erfuhr von einem Kumpel, den er nicht verriet, von diesem Online-Angebot. Er registrierte sich und Tage später fand er in seinem Briefkasten zwei Gramm der weichen Droge. Er bestellte immer mehr, bis seine niederländische Quelle meinte, große Pakete wären praktischer. So kam das Gras bald kiloweise per Paketdienst frei Haus, und der Vater eines sechsjährigen Jungen stieg zum "Großhändler" auf, wie der Vorsitzende Richter Karitter sich ausdrückte.
Undichte Stelle bei Paketdienst
Die Mitangeklagten, ein 19-jähriger Ravensburger und ein 25-jähriger Tettnanger, waren sowohl Kunden als auch Helfer bei Transporten und Verstecken. Die von der Staatsanwaltschaft angenommene Mindestmenge beträgt 14,25 Kilogramm und der geschätzte Durchschnittspreis pro verkauftem Gramm sieben Euro, das entspricht einem Umsatz von 99.750 Euro - und das zwischen Januar 2006 und September 2007.
Der Tipp, der zur Verhaftung führte, kam aus Thüringen. Dort war das Landeskriminalamt auf das deutsche Konto der niederländischen Dealer aufmerksam geworden. So führte die Spur nach Meckenbeuren zum Hauptangeklagten, der inzwischen von einer "undichten Stelle" bei einem Paketdienst erfuhr, dass die Polizei versuchte seine Pakete abzufangen. Daraufhin stellte er in Panik seine Machenschaften für drei Monate ein und bat den Mitangeklagten aus Tettnang, ein alter Freund, ihm zu helfen, seine Utensilien und Restbestände zu verstecken. Doch: "Die Sucht war stärker", begründete er den erneuten Kontakt mit den Niederländern, die er inzwischen auch persönlich kannte. Eine der Geldübergaben fand sogar im Bayerischen-Hof in Lindau statt. Das Dealerpärchen soll in der Inselstadt knapp 10.000 Euro erhalten haben.
Die letzte Geldübergabe erfolgte in Wolfegg bei einem von den Dealern empfohlenen Kontaktmann. Danach fing die Polizei eine weitere Lieferung ab und verhaftete die Angeklagten. Laut Ermittlungen verstrickte der "Großhändler" mindestens acht weitere Personen in seinen Drogenhandel, die teilweise Geld für ihn überwiesen haben, als Adressaten für die Pakete dienten oder die Ware transportierten: so auch den 19-jährigen Ravensburger, der eine zehnmonatige Bewährungsstrafe und ein Bußgeld von 2400 Euro erhielt, und den 25-jährigen Tettnanger, mit 9 Monaten und 1500 Euro, ebenfalls auf Bewährung.
Anstelle eines Lächelns hatte der 24-jährige Meckenbeurer Tränen im Gesicht, als das Urteil von viereinhalb Jahren verkündet wurde. Das holländische Dealer-Duo sitzt inzwischen in Haft und soll im Februar nach Deutschland ausgeliefert werden.
(Erschienen: 15.01.2008 00:00)






