Zigarrenspitzenverein will helfen
Über einen Sigmaringer "Zigarrenspitzenverein", der sich in den Dienst der christlichen Caritas gestellt hat, berichtete die Hohenzollerische Volks-Zeitung am 20. April 1909: "Das Rauchen ist für Unzählige ein angenehmes Vergnügen, für Viele ein wahrer Genuß, für Wenige eine Qual. Aber geraucht wird schauderhaft viel. Und wie macht man es gewöhnlich dabei? Feierlich lang man eine Zigarre aus dem Etui heraus (so man eines hat); schneidet vorsichtig die Spitze ab und - wirft sie weg. Schade! So gehen Tausende und Tausende von Zigarrenspitzen verloren, weil Niemand sich die Mühe nimmt, sie zu sammeln und zu verwerten. Aus Wehmut darüber mag sich hier ein Zigarrenspitzenverein gebildet haben, der die Spitzen sammelt, in Geld umsetzt und zu einem wohltätigen Zweck verwendet. So konnte auch jetzt wieder der Verein durch Herrn Hof-Tapezier E. Forster dem katholische Pfarramte die schöne Summe von 15 Mark zugunsten diesjähriger Erstkommunikanten zur Verfügung stellen. Begreiflicherweise soll aber auch der Zigarrenspitzenverein nach Gebühr gelobt und gepriesen und für abfallende Zigarrenspitzen aufs wärmste empfohlen werden. Es würden die ehrenwerten Namen aller Vereinsmitglieder dem Publikum gewiss nicht vorenthalten, sondern öffentlich hier zu ihrem Ruhmeund zur Nachahmung genannt werden, wenn sie bekannt wären.
(Erschienen: 21.04.2009 00:06)





